Interview. Interimstrainer Gerhard Stöger nimmt die Spieler in die Pflicht. Mit einem Derbysieg in Saalfelden will die Austria zurück in die Erfolgsspur.
Gerhard Stöger ist Manager, Sportdirektor und seit Montag auch Interimstrainer von Austria Salzburg. Nach dem Rücktritt von Dietmar Emich springt der 45-Jährige, der gern auch als „gute Seele des Vereins“ bezeichnet wird, als Feuerwehrmann ein. Im SN-Interview verrät er, wer für den Cheftrainerposten infrage kommt, wie er die Violetten aus der Krise führen will und warum sein Tag 25 Stunden haben müsste.
SN: Hat sich schon ein neuer Trainer für Austria Salzburg gefunden?
Stöger: Nein, ich bin aktiv noch gar nicht auf der Suche. In dieser Woche gab es zwar 19 Anfragen, wir lassen uns bei der Suche nach einem Trainer aber bewusst Zeit und gehen sehr akribisch an die Sache heran.
SN: Nun kursieren bereits viele Namen, darunter auch sehr prominente, die eine violette Vergangenheit haben. Alles nur Gerüchte oder steckt ein Funken Wahrheit darin?
Stöger: Wir sind bestrebt, einen Trainer zu finden, der mit der Austria den Weg in den Profifußball gehen kann. Wenn er auch noch eine violette Vergangenheit hat, umso besser.
SN: Welche Qualitäten muss der Trainer mitbringen?
Stöger: Zum einen muss er fachlich top sein und die für die Westliga erforderliche A-Lizenz haben. Zum anderen müssen Charakter, Typ und das Auftreten zur Austria passen.
SN: Das heißt?
Stöger: Didi Emich war mit sehr viel Engagement, Herz und Leidenschaft Trainer. Das erwarte ich mir auch von seinem Nachfolger. Und er muss unsere Philosophie verstehen: Wir wollen in Salzburg der Verein zum Angreifen sein. Ich vergleiche das gern mit Hamburg: Auf der einen Seite die Glitzerwelt beim Hamburger SV, auf der anderen Seite das Bodenständige bei St. Pauli. Beides hat seinen Reiz und seine Daseinsberechtigung.
SN: Nach zwei klaren Nieder lagen (0:4 Bregenz, 0:4 Altach Amateure, Anm.) steht am Samstag das Derby gegen Saalfelden an. Wie wollen Sie die Austria aus der Krise führen?
Stöger: Ich erwarte eine Reaktion der Mannschaft. Den Trainer für die Niederlagen verantwortlich zu machen ist die billigste Lösung. Wenn ich das höre, kann auch ich zur Tarantel werden. Jetzt ist die Mannschaft gefordert. Ich will sehen, dass sich die Spieler zerreißen.
SN: Haben Sie den Meistertitel bereits abgeschrieben?
Stöger: Nein. Wir haben erst neun Runden gespielt und noch 21 vor uns. Wenn der Abstand zur Spitze im Winter nicht zu groß ist, werden wir um die Profilizenz ansuchen. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, besuche ich derzeit auch die Bundesliga-Akademie.
SN: Dietmar Emich hat die Austria wegen einer Überbelastung durch Fußball, Familie und Job verlassen. Nun sind Sie Manager, Sportdirektor und Trainer in Personalunion. Wie liegt Ihre persönliche Schmerzgrenze?
Stöger: So gesehen müsste ich Burn-out hoch drei haben. Aber das entspricht nicht meinem Naturell. Ich bin seit 20 Jahren daran gewöhnt, mit vier bis fünf Stunden Schlaf auszukommen. Das ist mein Leben – und ich bin damit sehr zufrieden.
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