MARTIN FISCHER (Die Presse)
Austria Salzburg, im Oktober 2005 neu gegründet, ist auch im Unterhaus Publikumsmagnet.
Salzburg. Am Anfang jubelten sie begeistert, als Dietrich Mateschitz als neuer Geldgeber von Austria Salzburg präsentiert wurde. Sie träumten mit ihm den Traum vom Bernabeu. Wenige Monate später waren einige von ihnen mit Stadionverboten belegt. Sie hatten im Frust darüber, dass ihre Austria jetzt Red Bull hieß und auch nicht mehr in violetten Dressen auflaufen durfte über die Stränge geschlagen. Die Maßnahmen halfen, die Radaubrüder kamen nie wieder. Mit ihnen gingen aber auch 3500 eingefleischte Fans, die ihre Austria kurzerhand im Oktober 2005 neu gründeten.
Vorbild Wimbledon
Seit dieser Saison kickt der Traditionsklub in der 2. Klasse Nord A und zieht an der Tabellenspitze einsam seine Kreise. Mit einem Torverhältnis von 69:4 ist der Aufstieg für das bunt zusammengewürfelte Team aus früheren Landesliga und Regionalliga-Spielern beschlossene Sache. Damit fehlen der Austria nur noch sechs Jahre bis zum ersten Derby gegen Red Bull. Aber Präsident Moritz Grobovschek nennt andere Ziele: „Es wäre schön, wenn wir uns als zweiter Verein in Salzburg etablieren könnten. Ziel ist die zweite Liga.“ In acht bis zehn Jahren soll das geschafft sein. Für besonders wichtig erachtet er zwei schnelle Aufstiege: „Dadurch werden Sponsoren auf uns aufmerksam und die Fans nicht ungeduldig.“ Als Vorbild gilt der von Fans neu gegründete AFC Wimbledon, dessen Vorgängerklub nach Milton Keynes abgesiedelt worden war.
Wie in London lässt sich auch bei der Austria die Sache gut an. Der UFC-Platz, auf dem die Heimspiele ausgetragen werden, platzt jede zweite Woche aus allen Nähten. Im Schnitt kommen 1000 Zuschauer und das, obwohl für den Klub nur „Guerilla-Marketing“ möglich ist, die Spiele meist nur auf der vereinseigenen Homepage angekündigt werden. Auswärts ist die Austria ein gern gesehener Gast: „Zuerst waren einige sauer, weil sie aufsteigen wollten. Nun sind aber alle begeistert, weil wir mehr Zuschauer bringen als sonst in einer ganzen Saison kommen.“
Irrtümlicher Gruß aus Japan
Wickel gab es noch nie. „Auch die wildesten Kerle wissen, worum es geht“, lacht Grobovschek, der glaubt, dass die Überzeugungsarbeit außerhalb der Stadt schwieriger wird: „Am Land ist die Identifikation mit Red Bull größer.“ Auch frühere Austria-Stars wie Pfeifenberger oder Feiersinger haben mit Violett nichts mehr am Hut. „Einziges Mitglied ist Christoph Jank von Ried. Otto Konrad war zwar schon am Platz, aber deklarieren will er sich nicht.“
Das Thema Red Bull weckt kaum noch Emotionen. Die EM-Arena Wals wird gemieden, einziger Berührungspunkt sind japanische Touristen, die sich auf der Suche nach Alex und Miyamoto auf den UFC-Platz verirren. Nur an ihnen sind die vergangenen zwei Jahre spurlos vorübergegangen.
Violette Chronik![]() |
| Die Geschichte der Salzburger Austria - von 1933 bis heute. |










