Meistertrainer. Didi Emich, als Spieler stets ein Grenzgänger, feiert als Trainer seinen ersten Titel. Mit der Austria will er „ganz nach oben“.
Wer Didi Emich als aktiven Fußballspieler auf dem Platz sah und anschließend am Spielfeldrand einige Worte mit ihm wechselte, musste denken, es gäbe zwei Didi Emichs. Den ständig unter Strom stehenden, schimpfenden und häufig vor dem Platzverweis stehenden Emich, vor dem sich selbst einer wie Oliver Kahn gefürchtet hätte. Und den stets freundlichen, zuvorkommenden Magister, mit dem man über Hermann Hesse diskutieren konnte.
Nach zwei Jahren als Chef-Scout bei Red Bull Salzburg ist Didi Emich heute als Trainer der Salzburger Austria selbst für die Disziplin seiner Spieler verantwortlich. Kann das ein Coach mit seiner Vergangenheit glaubwürdig einfordern? „Wenn ich das Verhalten der Spieler kritisiere, dann auch mit dem Hintergrund, dass ich unter meinem Verhalten selbst gelitten habe. Die Spieler sollten aus meinem Wahnsinn lernen und nicht dieselben Fehler machen. Dieser Appell fruchtet manchmal, aber nicht immer“, sagt Emich und lacht.
Er habe ähnliche Spieler in der Mannschaft, wie er selbst einer war. „Ich verstehe die und versuche sie zu schützen vor den typischen Jasagern, den angepassten Braven, die sich hinaufdienen und nach unten treten. Kreative sind oft streitbare Geister, die müssen nicht immer den angepassten Weg gehen. Diesbezüglich bin ich sehr glaubwürdig bei den Spielern. Ich bin nicht der mit dem ,Du-du-Finger‘. Fußball ist ein Kampfsport und braucht eine gewisse Aggression. Selbst ganz Große wie Maradona oder Zidane hatten sich nicht immer unter Kontrolle. Da sollten die Schiedsrichter und das Publikum ein bisschen nachsichtiger sein“, sagt Didi Emich.
So ist dem Austria-Coach eine gewählte Wortwahl auf dem Platz weniger wichtig, die taktische Disziplin hingegen sehr. Und dazu gehöre auch, keine Fouls zu begehen. „Ich habe immer wieder gehört: ,Das ist internationale Härte.‘ Was ich aber bei internationalen Spielen erfahren habe ist, dass ich dort viel weniger geschlagen worden bin als bei uns. Klar gibt es da und dort Ausraster. Aber im modernen Fußball wird nicht mehr gegrätscht. Es wird kein Foul begangen, sonst kommt man nicht in Ballbesitz. In Österreich haben wir lauter Holzhacker.“
Und noch eine Erfahrung hat Emich im Ausland gemacht. „Ich wollte schon immer wissen, warum die Deutschen fitter sind als wir. Deshalb habe ich dort die Trainerausbildung absolviert. Die Überraschung war: Dort wird immer mit dem Ball trainiert. Ich habe gesagt: ,Wir machen das seit 30 Jahren, aber kommen nicht weiter.‘ Der Lehrgangsleiter meinte nur: ,Dann macht ihr was falsch. Vergesst die Turnlehrer, wir sind Fußballer.‘ Und da habe ich mir gedacht: ,Haha, ich bin im richtigen Film.‘“
Das ist offensichtlich. Nach einem ersten halben Jahr als Coach darf Emich heute, Samstag (15.30 Uhr), mit der Austria Salzburg nach dem letzten Saisonspiel den Meistertitel und den Aufstieg in die 1. Landesliga feiern. Wo soll’s hingehen? „Ganz nach oben, so schnell wie möglich.“ Mit oben meint Didi Emich die Bundesliga.
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| Die Geschichte der Salzburger Austria - von 1933 bis heute. |










