Der Kommerz zog aus, um den traditionellen, idealen und emotionalen Fußball zu vernichten, zu beseitigen und zum Geschäft zu machen. Traditionsvereine wurden zerstört, spalteten die Fans und Zuseher und machten aus dem Fußball ein unüberschaubares wirtschaftliches Geplänkel.
Asterix in Österreich
Waren früher fette Villen, aufgemotzte Prolo-Schlitten und eine Society-Tussi die Prestigeobjekte von Leuten mit zu viel Geld, so ist es heute ein eigener Fußballverein. Einstige Fußballklubs mit wahrer Fangröße wurden zu solchen Prestigeobjekten und sorgten für die nötige Potenz der Besitzer: Manchester United, Chelsea FC oder SV Austria Salzburg, um nur wenige Beispiele zu nennen. Doch wie einst schon Caesar im Asterix, schaffen es auch hier die großen Magnaten nicht, den Fußball vollständig zu unterjochen. Denn die Idealisten und die Fans haben ihre Mannschaften in den niedrigsten Ligen ihres Landes wieder auferstehen lassen, führen sie mit ihren Vorstellungen und Idealen und wollen sie wieder dorthin führen, wo sie schon immer waren und nach wie vor sein sollten. Immer mehr entpuppen sich diese Projekte als wahrer Magnet für Menschen mit Werten in punkto Fußball. Warum fahren mehr als 1000 Fans in die Salzburger Provinz, um ein Fußballspiel zu sehen, dass in der niedrigsten Liga Österreichs (!) ausgetragen wird? Weil es immer noch Fußball ist, weil der Fußball immer noch im Vordergrund steht und weil sie ihr Herz an den Verein gebunden haben, in ewiger Treue dem Verein ergeben sind und weil sie für ihren Verein nur das Beste wollen und alles geben.
Fallbeispiel: SV Austria Salzburg
Leopoldskron/Moos, 11. November 2006, 14:00 Uhr. Das letzte Spiel dieses Jahres in der 2. Klasse A für die Violetten aus dem ehemaligen Lehener Stadion (welches ja leider nicht mehr unter den Lebenden weilt). Eisigste Temperaturen und Eisregen. Deshalb leider kein neuer Besucherrekord. Dennoch haben gut 500 Leute dem harten Wetter getrotzt und den Weg in das Provinzörtchen gefunden. Der Saisonschnitt lag immerhin weit über 1000 Besucher pro Spiel.
Alle feuern die Austria an, wollen mithelfen, ihr zum Aufstieg zu verhelfen. Die Stimmung ist gut, neue und alte Lieder werden mit voller Begeisterung und voller Emotion von allen, ausnahmslos, vorgetragen und gesungen. Bei den Heimspielen im Salzburger Nonntal werden zu dem auch noch Choreographien aller Art zur Schau gebracht. Hier ist Fußball noch Fußball. Keine sinnlosen Feuerwerksgefechte wie in Wien, keine frustrierten Fans, die das Stadion in Pasching ein paar Meter abtragen, keine Fans die halbnackt eingesperrt werden (siehe bei unseren Nachbarländern). Fußball eben, mit allen Facetten: mit Herz, mit Leidenschaft, mit Emotionen. Schlussendlich setzt sich die Salzburger Austria klar mit 4:0 durch. Geschafft. Man geht mit drei Punkten Vorsprung und der mit Abstand besten Tordifferenz (58:3 in fünfzehn Spielen!) in die Winterpause. Der erste Schritt für den erhofften Aufstieg ist getan.
Basis und Fundament der großartigen Leistungen sind einerseits ein guter Kader, aber auch, dass der Mensch und der Fußball im Mittelpunkt stehen, denn im Anschluss treffen sich Spieler und Fans um den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Hier wird professionell gearbeitet, bei Fans, Mannschaft und Klub, der im Übrigen auch viel Arbeit in den guten (Topplatzierungen bei fast allen Turnieren) und viel versprechenden Nachwuchs investiert. Die Stimmung ist perfekt, in jeder Hinsicht. Die Fans helfen der Mannschaft und die dankt es ihnen mit guten Resultaten und mit dem einen oder anderen Spruchband zum Dank und als Feedback an die Fans. Alles Zeichen, dass es jeder und jede ernst nimmt, jeder wieder in bessere Zeiten will und alles professionell und langsam aufgebaut wird. Keiner will etwas erzwingen, man wartet mit Geduld und besinnt sich bis dahin der alten glorreichen Zeiten.
Was einmal war
Ein Tag später, ein paar Kilometer Luftlinie entfernt. Innsbruck. Tirol. Das ehemals berühmte und berüchtigte Westderby in Österreich. Auf dem Platz zwar immer noch nichts spektakuläres, und nun auch auf der Tribüne nicht mehr. Es wirkt wie ein völlig belangloses Spiel. Keine Stimmung, keine Emotion, kein Kampf. Auch andere Derbys werden immer mehr zum Schauplatz von Kasperltheatern seitens der Fans und der Mannschaften. In Wien, wo manche Spieler nicht mal mehr wissen, dass das Tor rechteckig ist und der Ball rund, weil sie beides selten sehen, oder das Oberösterreichderby, das keines mehr ist, weil es so auch nie eines war. Die Fans und Zuseher verlieren das Interesse, die Spieler auch. Nur mehr in kleinen Orten herrscht eine wahre Euphorie: Altach, Ried, Mattersburg. Weil hier eben noch der Verein und der Klub zählen, weil der Fußball im Vordergrund steht und kein geldgeiler Sponsor oder Vereinsbesitzer. Lediglich das Grazer Derby feiert in diesen Zeiten der Finanzkrisen der beiden großen Grazer Mannschaften ein Revival. Hier wurde auch vor kurzem einer der Großen gegangen: Hannes Kartnig. Er hatte einst viel erreicht, hat dann falsch investiert und wurde zum großen Buhmann der Fans. Quo Vadis Österreich?
Das Ende vom Anfang
In eineinhalb Jahren tragen wir gemeinsam mit der Schweiz die Europameisterschaft im Fußball aus, doch viele der Österreicher wissen kaum, was Fußball eigentlich ist. Ihre Nationalmannschaft hat zweimal gewonnen und wird gefeiert. Kein Wunder, stehen doch vornehmlich junge Spieler in den Reihen und brauchen Motivation und Begeisterung. Das traurige daran ist, dass zu Spielen ihrer Nationalmannschaft in heimischen Gefilden kaum noch mehr als 20000 Fans anreisen. Hat Österreich sämtliche Ideale verloren? Wo bleibt der Einsatz und Kampf der vergangenen Jahrzehnte? Wo bleibt die Begeisterung alter Zeiten? Alles verschwunden. Aber sie werden, hoffen wir es, wieder kommen. Irgendwann, wenn es hoffentlich noch nicht zu spät ist.
Baby you can drive my car, and maybe I'll love you....
© Offside.at
Violette Chronik![]() |
| Die Geschichte der Salzburger Austria - von 1933 bis heute. |










