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Austria Salzburg in der Presse
Kurier, 07.08.2010

Brisantes Salzburger-Derby

Vergangenheits- bewältigung: Austria Salzburg empfängt das Farmteam von Red Bull Salzburg im Wettstreit der Fußball-Ideologien.

So ein hartgesottener Fußballanhänger von Austria Salzburg benötigt schon besondere Eigenschaften. Geduld, Ausdauer, vor allem Leidensfähigkeit. 
 
Gute geografische Kenntnisse sind auch kein Nachteil. Oder, noch besser: Ein richtig gescheites Navigationsgerät, um all die Wiesen zu finden, die der Traditionsverein in letzter Zeit so abgrasen musste. Bürmoos, St. Pantaleon, Schleedorf, Nussdorf oder Großgmain - die Niederungen des österreichischen Fußballs lassen grüßen.
 
Sie sind glücklich, die Anhänger von Austria Salzburg. Trotz allem. Oder gerade deshalb. Welche Fußball-Fans können schon vier Meistertitel bejubeln? In Serie? Obendrein in unterschiedlichen Ligen? Ihr Klub ist in den vergangenen Jahren von der 2. Klasse Nord A, der sechsten Leistungsklasse, auf direktem Weg in die Regionalliga West durchmarschiert. Ein beeindruckender Siegeszug, den diesem Klub wohl nur die wenigsten zugetraut hatten. 
 
Turbulent
 
Im turbulenten Sommer 2005 hatte im Salzburger Fußball eine neue  Zeitrechnung begonnen. Red Bull war plötzlich beim SV Salzburg am Ball. Der Traditionsklub war am Ende gewesen, sportlich wie finanziell. Die Millionen des Weltkonzerns samt Palastrevolution und Marketing-Offensive kamen da gerade recht. 
 
Eine große Gruppierung der Salzburger Anhängerschaft verfolgte das radikale Facelifting ihres Vereins mit Argwohn und Skepsis, und als dann die Traditionsfarbe Violett von den Trikots verbannt wurde, kam, was kommen musste: ein Eklat. Just in einem Spiel gegen die Wiener Violetten kam es zum Eklat, provozierten Salzburger Violette so lange, bis Red-Bull-Boss Didi Mateschitz nichts anderes übrig blieb, als sie aus dem Stadion entfernen zu lassen. 
 
Neustart
 
Ein paar Monate später beschlossen Salzburger Fans, noch einmal bei null anzufangen. Statt in der Bullen-Arena Bundesliga-Titel und Europacup-Siege zu feiern, pilgern sie zu einem rechteckigen Stück Gras in der Nähe des Salzburgers Flughafens. Viel Wiese, eine Tribüne, die Heimstätte von Austria Salzburg. 
 
My-Phone-Arena wird das Fleckchen Rasen neuerdings genannt, seit der Verein nun in der Regionalliga West spielen darf. Ohne Sponsor geht es also auch bei der Anti-Red-Bull-Fraktion nicht.
 
Seit zwei Monaten ist Walter Windischbauer Obmann von SV Austria Salzburg. "Ich habe mich am Anfang über den Einstieg von Red Bull gefreut", erinnert er sich, "aber ich habe bald erkannt, dass ich diesen Weg nicht mitgehen kann und will." 
 
Tradition
 
Windischbauer ist Chef eines Vereins, seines Vereins, der mit aller Gewalt anders sein will als Red Bull Salzburg. Traditionsbewusster. Kultiger. Nachhaltiger. 1660 Plätze umfasst die My-Phone-Arena, aber was auf den ersten Blick wie ein Kleinod wirkt, ist in Wahrheit ein Epizentrum der Begeisterung. Im violetten Mikrokosmos feiern die fanatischen ultra-violetten Anhänger Erfolge gegen Bad Ischl wie weiland Triumphe gegen Rapid oder den Erzrivalen Innsbruck. Schrille Choreografien, grelle Feuerwerk-Einlagen inklusive. 
 
Manchmal treiben's freilich selbst die Salzburg-Anhänger zu bunt - als die Mannschaft im Frühjahr gegen den Stadtrivalen SAK verlor, attackierten eingefleischte Einpeitscher Mitglieder des Vorstands, der sofort zurücktrat. Seither ist Windischbauer im Amt. "So etwas wird nicht mehr passieren", sagt er, "sonst springen Sponsoren ab."
 
Es ist schwierig genug, Gelder für einen Drittligisten zu sammeln. Immerhin, "das Budget hat schon einen schönen sechsstelligen Bereich", erklärt Windischbauer. Das reicht für etliche Nachwuchsmannschaften und ein Team, in dem mit Marco Vujic auch ein Ex-Spieler von Red Bull steht.
 
Brisanz
 
Pikanterweise wartet bei der Heimpremiere am Samstag in der Westliga gleich das Farmteam von Red Bull. Die My-Phone-Arena ist seit Tagen ausverkauft. Eifrig wird an einer Zukunftslösung gebastelt. 
 
"Dieses Stadion ist auf Dauer nicht tauglich", sagt Windischbauer. Im Winter wird eine Zusatztribüne installiert, derweil sammeln die Fans unter dem Motto "Eine Heimat für die Austria" Geld für ein neues Zuhause. 15.000 Euro liegen inzwischen im Topf. "Fans und Mitglieder haben bei uns viel mitzureden", erklärt Windischbauer. "Wir bieten ehrlichen, erdigen Fußball, bei uns geht's nicht um Disco und Show." 
 
Hoffnung
 
Mit großer Neugier hat der neue Obmann die jüngsten Ankündigungen von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz vernommen. "Ich lese heraus, dass der Konzern in den nächsten Jahren auf Leipzig setzt", meint er. 
 
Das nährt die Hoffnung auf ein violettes Comeback in der Bundesliga. "Wenn ich in Pension bin, will ich den Enkeln einmal erzählen, dass die Austria zehn, 15 Jahre einen Großsponsor hatte", erklärt der Obmann. "Aber das war nur eine Zwischenperiode."
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