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Austria Salzburg in der Presse
Sportzeitung, 09.01.2007

Children of the Revolution - Die Seelenretter

Der violette Weg zurück
 
(Noch) nicht daheim - und doch zu Hause
 
Salzburgs Bundesliga-Kicker stürmen (praktisch konkurrenzlos) dem Titel entgegen und die ganze Mozartstadt jubelt mit! Die ganze? Mitnichten! Denn ein gar nicht so kleines Grüppchen will mit den Meisterkickern aus Wals-Siezenheim nichts, aber auch schon gar nichts zu tun haben.....
 
Die Geschichte ist ja hinlänglich bekannt: Nach Meistertiteln, Europacup-Erfolgen und Jahren des Höhenfluges ging es mit dem Salzburger Fußball vor allem aus finanziellen Gründen rapid bergab. Als letzte Rettung der violetten Austria aus Salzburg erschien im Frühjahr 2005 ein echtes Marketing-Genie auf der Bildfläche. Dietrich Mateschitz kam, sah und ließ (Fußball)Tradition ebensolche sein. Aus der Austria wurde Red Bull. Weggewischt die Geschichte. Weggewischt die Titel. Und weggewischt vor allem die Farben. Da gab´s für die treuesten Fans keinen Grund mehr hinter dem Salzburger Bundesligisten zu stehen. Zumal jeder Versuch von Moritz Grobovschek und seinen Mitstreitern der "Initiative Violett-Weiß" mit den neuen Klubverantwortlichen einen Konsens zu finden, schon im Keim erstickt wurde.
 
"Es war nichts mehr da, woran man sich als Austria-Fan hätte festhalten können", erinnert sich Grobovschek zurück. Um aber gleich wieder aufzuhören in der Vergangenheit zu schwelgen. Denn für ihn gibt´s momentan nur die Gegenwart und die Zukunft. Und beides ist endlich wieder durch und durch Violett: Seit dem vergangenen Herbst spielen die Salzburger Veilchen nämlich als eigenständiger Verein wieder in der 2. Klasse Nord A des Landesverbandes. Und das sehr erfolgreich: Man wurde mit drei Punkten Vorsprung Herbstmeister (in 15 Partien stehen 58 erzielten Treffern sage und schreibe nur drei Gegentore gegenüber) und hat nur ein Ziel vor Augen - den Aufstieg! Die knapp 1.000 Anhänger, die zu den Heimspielen pilgern ebenso, wie Spieler, Trainer und Vorstand des "Fan-Vereins".
 
"Stopp - genau in diese Schublade dürfen wir uns nicht stecken lassen. Natürlich haben wir Fans den Verein gegründet, aber ich sehe meine Aufgabe immer mehr darin, von diesem Image wegzulenken", hakt der Vorstandsvorsitzende der (neuen) Austria, Mortiz Grobovschek ein. Gemeinsam mit seinem engsten Team - Geschäftsführer Wolfgang Monger, sportlicher Leiter Gerhard Stöger und Trainer Gustl Kofler (einer der renommiertesten Amateurtrainer in Salzburg) - ist er da absolut auf dem richtigen Weg.
 
Ein Weg, der eigentlich wohin führen soll? "Natürlich träumen bei uns alle von der Bundesliga. Und träumen ist auch erlaubt. Aber realistisch ist sicherlich auf Sicht einmal die Regionalliga. Dort wollen wir so schnell wie möglich hin", so Grobovschek, der damit auch seinem Trainer aus der Seele spricht. Denn schon bei Amtsantritt meinte Kofler:" In den nächsten fünf Jahren möchte ich jeweils aufsteigen!"
 
Doch bis man wirklich dort angelangt ist, werden sich wohl noch einige Schwierigkeiten vor den engagierten Salzburgern auftürmen. Und das nicht nur auf dem Spielfeld. "Vor allem im organisatorischen Bereich stecken wir wirklich noch in den Kinderschuhen", weiß Grobovschek. Und damit meint er nicht etwa Episoden wie jene, als vor dem ersten Pflichtspiel im Cup gegen Anif (man unterlag übrigens 0:6; Anm. d. Red.) 40 Minuten vor Spielbeginn kein einziger Matchball zu finden war. Da gibt´s schon ganz andere Hürden die es zu meistern gibt: Spielersuche für den Nachwuchs ("Da sind wir auf einem sehr erfreulichen Weg - schon über 30 Kids sind bei uns angemeldet"), Sponsoren-Aquise ("Eine meiner Hauptaufgaben - vor allem müssen wir in dieser Saison wirklich Meister werden, um mögliche Partner von unserem Weg zu überzeugen") und nicht zuletzt die Suche nach einer Heimstätte!
 
"Ich wünsche dass die Schwerarbeit unserer Funktionäre, eine eigene violette Heimstätte zu finden, endlich von Erfolg gekrönt wird", verrät etwa Trainer Kofler seinen Neujahrswunsch. Im Herbst spielte man im Stadtteil Nonntal. Jezt muss man sich wieder nach einem neuen Platz umschauen. Zum einen fühlte man sich sowieso nicht wirklich richtig heimisch. Zum anderen wird im Sommer dort ein Sportzentrum gebaut. Und drittens gab´s kurz vor Weihnachten auch noch die Hiobsbotschaft, dass die Tribüne abgebrannt ist. "Jetzt müssen wir wohl im Frühjahr improvisieren. Im Herbst hätte ich schon gerne einen eigenen Platz. Für die Spieler. Für die Fans. Und auch für unsere Kasse - denn derzeit können wir etwa keinen Cent an Bandenwerbung lukrieren", so Grobovschek, für den es aber trotz aller Probleme, die ein Vereinsboss eben nun einmal hat ("Ich wollte immer etwas bei meiner Austria machen, dass es unter diesen Umständen zustande gekommen ist, war nicht zu erwarten"), gleich zu Jahresbeginn sehr Erfreuliches gab:
 
Beim Hallenturnier um den "Salzburger Stier" schaffte man überraschend den Sprung ins Viertelfinale und ließ dabei die viel höher eingeschätze Amateurtruppe jenes Vereins hinter sich, dem man vor einem Jahr enttäuscht den Rücken gekehrt hatte.
 
Gerhard Weber
 
© Sportzeitung
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