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Austria Salzburg in der Presse
Kurier, 13.09.2008

Das falsche Geburtstagskind

Jubiläum: Am Samstag feiert Austria Salzburg das 75-jährige Bestehen. Nachfolger Red Bull interessiert das nicht wirklich.

Otto Baric und Rudi Quehenberger tanzen Walzer, Heimo Pfeifenberger küsst vor 30.000 Menschen auf dem Salzburger Mozartplatz den Meisterteller, dicke Schlagzeilen zieren die Zeitungen des Landes – Triumphzug durch Europa. Der Fußballklub Austria Salzburg sorgt in Österreich für neue Dimensionen der Begeisterung.

Das ist Geschichte. Vorüber ist der Glanz der Neunzigerjahre. Statt Ajax Amsterdam oder AC Milan heißt der Gegner im Spitzenspiel der 2. Landesliga SV Kuchl. Die Meistertitel 1994, 1995, 1997, das UEFA-Cup-Finale 1994 und die Champions-League-Qualifikation 1995 sind dabei nur Statistik. 75 Jahre nach der Klubgründung hat sich im Salzburger Fußball vieles verändert.

Neubeginn

Im April 2005 übernahm Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz den Klub. Die anfänglich herrschende Euphorie bei den Fans war schnell gebremst. Denn die Umgestaltung zu Red Bull Salzburg veränderte den Verein von Grund auf.

Ein für viele Anhänger inakzeptabler Zustand. Sie konnten sich nach einem Streit um die Vereinsfarben mit dem Klub nicht mehr identifizieren, fühlten sich ausgestoßen. Daher nahmen sie selbst das Schicksal ihrer Violetten in die Hand. Nach einer missglückten Fusion mit dem PSV Salzburg entschlossen sich Fans und Vorstand vor zwei Jahren zum Neuanfang in der 2. Klasse. Mit Gerhard Stöger holte man einen Sportdirektor, der lange für die Jugendarbeit in Salzburg tätig war. „Wir standen im Mai 2006 vor der schwierigen Aufgabe, ohne Spieler, Bälle und Sportanlage ein Team auf die Beine zu stellen“, sagt er. Stöger kontaktierte mehr als 160 Spieler. „Unser Ziel war, Fußballer zu finden, mit denen wir langfristig arbeiten und die in höheren Ligen weiterspielen können.“

Bereits in der ersten Saison gelang – mit 17 Punkten Vorsprung – der Aufstieg in die 1. Klasse. Im Jahr darauf musste die Austria nur eine Niederlage hinnehmen – der Aufstieg in die 2. Landesliga war erreicht. Der prestigeträchtigste Erfolg gelang der U 12: Sie besiegte den Nachwuchs von Red Bull.

Vision

In der fünften Leistungsklasse hält der violette Erfolgslauf an. Nach sieben Runden liegt die Austria an der Tabellenspitze. Wenn am Samstag mit der Austria und Kuchl die beiden Titelfavoriten aufeinander treffen, wäre dies allein für 2000 Fans Grund genug, die Tribüne in Maxglan – nur zwei Kilometer von der alten Wirkungsstätte in Lehen entfernt – zu stürmen. Doch dies ist auch aus einem anderen Grund kein normales Match: Am 13. September vor 75 Jahren wurde Austria Salzburg gegründet.

Da Red Bull – der rechtliche Nachfolger – das Jubiläum ignoriert, wird nicht in Wals-Siezenheim, sondern in Maxglan gefeiert. Einerseits mit einem wehmütigen Blick auf vergangene Tage, aber auch voller Tatendrang für die Zukunft. Denn in etwa zehn Jahren soll die Austria wieder in der ersten Spielklasse kicken. Und vielleicht treffen einander die Menschen wieder auf dem Mozartplatz. Vielleicht sogar zu Tausenden.
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