Neues Leben in alten Vereinsfarben
In Salzburgs Unterligen mag der Glamour fehlen, die Seitenblicke-Gesellschaft sucht man hier vergeblich, dafür mangelt es nicht an Leidenschaft. Die schafft zwar mitunter Leiden, mobilisiert aber auch Kräfte, um sich etwa der Kommerzialisierung des Fußballs zu widersetzen. Ein Vorposten im nationalen wie internationalen Maßstab dabei: der SV Austria Salzburg
Gibt es den Verein überhaupt noch? Heißen die jetzt nicht Red Bull Salzburg? Fragen, die ein kurzer Rückblick in die jüngste Fußballgeschichte klären soll. Im April 2005 übernahm Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz mit seiner „Salzburg Sport AG“ die Austria. Weil dahinter natürlich auch Marketing-Interessen des Energy-Drink-Tycoons stehen, wurden die Klubfarben vom traditionellen Violett-Weiß der Austria auf das Rot-Weiß-Blau der Bullen geändert. Ein Teil der Fans machte da nicht mit: Nach lautstarken Protesten und medialen Scharmützeln, bei denen wenig überraschend die geballten PR-Millionen von Red Bull einen Punktesieg errangen, wurde im Oktober 2005 der SV Austria Salzburg neu gegründet. Und zwar von den ebenso widerspenstigen wie traditionsbewussten Fans, genauer gesagt der „Initiative Violett-Weiß“, die maßgeblich von zwei organisierten Fanclubs getragen wurde: den „Tough Guys“ und der „Union ‘99 Ultra Salzburg“.
„Meine Familie ist die Austria“
Die neue Zeitrechnung beginnt vor rund eineinhalb Jahren. Seit damals arbeitet Gerhard Stöger als sportlicher Leiter bei der Austria. Sehr wichtig ist ihm die Kinder- und Jugendarbeit. „Ursprünglich haben wir mit zwölf Nachwuchskickern begonnen, heute sind es schon 150“. Knapp zehn Jahre war der 41-jährige Stöger in den 1980ern und 1990ern für Casino, bzw. Wüstenrot Salzburg, als Nachwuchskoordinator tätig. Kein Wunder, dass einige seiner damaligen Schützlinge nun wieder bei den Violett-Weißen gelandet sind. Wie etwa der defensive Mittelfeldspieler Ivan Pecaranin, der 1991 gerade mit seinen Eltern aus dem serbischen Nis in die Mozartstadt gekommen, bei Casino Austria Salzburg angefangen hatte. „15 Jahre später gehöre ich wieder zu dem Verein“, sagt Pecaranin voller Stolz. Für diese Kulisse, im Schnitt bei Heimmatches immerhin 1500 Zuschauer, damit in etwa so viele wie in Österreichs zweithöchster Spielklasse, der Red-Zac-Liga, nahm er auch einen „Abstieg“ von der Regionalliga in die unterste, siebte Spielklasse in Kauf. „In der Regionalliga spielst du vor 100 bis 300 Leuten“, so Pecaranin, der heute einer der Leistungsträger und Führungsspieler der Austria ist. Die letzte Spielklasse liegt nach dem Meistertitel im vergangenen Jahr inzwischen hinter den Austrianern. Jetzt, in der 1. Klasse Nord, schaut es für den Herbstmeister und Tabellenführer auch gut aus. „Wir sind im Plansoll“, stellt Stöger fest. Das hat aber auch seinen Preis: 60 bis 70 Wochenstunden, also praktisch die gesamte Freizeit, investiert der hauptberufliche AMS-Mitarbeiter in seine Fußballleidenschaft. Und das alles ehrenamtlich.
Idealismus und Identifikation
Zum Phänomen Austria Salzburg gehört die Identifikation mit dem Verein genau so, wie die Eigeninitiative der Anhänger. Einige Fanclubs kommen aus den Gauen des Bundeslandes, aber auch aus Liezen oder Niederösterreich. Zur vergangenen Meisterschaftsfeier auf dem Nonntaler Unionsportplatz stellten sich sogar Fanvertreter von Borussia Dortmund, Leeds United, dem schweizerischen Aarau sowie dem süditalienischen Barletta ein. Aus Solidarität und Freundschaft zu einem Klub, der der fortschreitenden Kommerzialisierung des Kickens zu trotzen versucht. Weltweit gibt es noch zwei weitere Fußballvereine, die von Fans zu ihren basisdemokratischen Bedingungen neu gegründet wurden: den AFC Wimbledon und FC United Of Manchester. Vor allem internationale Medien berichten immer wieder über die Austrianer.
Inzwischen hat sich die Struktur der Austria-Anhänger verändert. Nicht mehr nur Hardcore-Fans der Ultra-Schule gehören dazu, sondern vermehrt ganz junge sowie ältere Menschen, – auch der Frauenanteil steigt. Die „alten“ Fanclubs, seinerzeit pauschal von Red Bull als Hooligans und Störenfriede diffamiert, bringen Gesänge, Choreografien und bengalische Feuer auf die Tribünen. Auch zu den Auswärtsspielen, – was den Unterligaklubs einmalige Stimmungen und Umsatzrekorde durch Kartenerlöse und Gastronomieeinnahmen beschert. Apropos Gastronomie: bei Heimmatches, die heuer auf dem Maxglaner ASKÖ-Platz stattfinden, wird diese von den Austria-Fanclubs genau so in Eigenregie organisiert wie etwa die Security.
Aufstieg in die 2. Landesliga
„Die Zeichen stehen auf Aufstieg in die 2. Landesliga“, so Stöger. Mittelfristiges Ziel ist die 1. Landesliga, aber eigentlich streben die Violett-Weißen einen Platz in der Red-Zac-Liga an. Das alles bei einem Mini-Budget von etwa 30.000 Euro. Jedenfalls sollen später einmal in den Profiligen „alte“ Fehler, wie die totale Abhängigkeit von einem Sponsor, vermieden werden. „Die Fans und die rund 700 Vereinsmitglieder sind der Hauptsponsor“, sagt Stöger. Natürlich wird die Austria in bescheidenem Rahmen auch von der Wirtschaft unterstützt: vornehmlich von Intertops und der Trumer Brauerei. In den Statuten steht, dass der Vereinsname, sowie die Dressenfarbe nicht verändert werden darf. Ob diese Strukturen in den obersten Spielklassen halten werden, bleibt eine spannende Frage.
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| Die Geschichte der Salzburger Austria - von 1933 bis heute. |










