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Austria Salzburg in der Presse
Wiener Zeitung, 17.09.2010

Des einen Freud, des and’ren Furcht

- Gaflenz freut sich auf Bundesligist Wacker Innsbruck. - Wattens verweigert aus Angst vor Ausschreitungen ein Ligaspiel.

Salzburg. Gaflenz ist aus dem Häuschen. Günther Kellnreitner, Bürgermeister und Obmann des SV Gaflenz in Personalunion, kommt aus dem Telefonieren nicht mehr heraus. Zu solchen Anlässen interessieren sich auch überregionale Medien für den Landesligisten. Mit Wacker Innsbruck haben die Oberösterreicher am Samstag (16 Uhr) in der zweiten Runde des ÖFB-Cups den überraschenden Tabellenführer der Bundesliga zu Gast.
 
"Für uns ist das sensationell", sagt Kellnreitner. Das ganze Dorf wird auf den Beinen sein, Gaflenz hat 2000 Einwohner, der Verein rechnet mit 1500 Zuschauern. Der Aufwand für so ein Spiel ist für einen kleinen Klub natürlich gewaltig, der Verein habe aber Erfahrung mit solchen Spielen, erklärt Kellnreitner. "Finanziell ist das für uns aber nicht der große Hammer", sagt der Funktionär. Schließlich gilt im ÖFB-Cup ab der zweiten Runde Einnahmenteilung. Zudem sind die Kosten beträchtlich, da aus Innsbruck zehn Risikofans ins Traunviertel mitreisen, sind die Auflagen höher. Ein Zug mit zusätzlich 25 Polizisten ist vorgeschrieben. Dennoch ist die Vorfreude bei Kellnreitner groß: "Ich rechne mit einem friedlichen Fußballfest."
 
Auch Wattens ist aus dem Häuschen, auch hier spielen Innsbrucker Risikofans eine Rolle. Genauer gesagt ist die WSG Wattens, der örtliche Regionalligaverein, aus dem Häuschen.
 
Angst vor Randalen
 
Im Cup ist Wattens schon ausgeschieden, doch kommendes Wochenende stünde in der Regionalliga West das Heimspiel gegen Austria Salzburg, den nach der Red-Bull-Übernahme von enttäuschten Fans neugegründeten Traditionsklub, an. Die Salzburger haben sich mit einer Hundertschaft an Fans angekündigt, Wattens weigert sich per Vorstandsbeschluss anzutreten. "Es geht uns um die Letztverantwortung", sagt Robert Auer, sportlicher Leiter von Wattens. "Die Auflagen, die uns bis zu 12.000 Euro kosten würden, sind nicht das Problem. Es kann nicht sein, dass wir vor dem Richter stehen, wenn etwas passiert."
 
Gewaltbereite Innsbruck-Fans, die eine innige Feindschaft zu den Salzburgern pflegen, hätten sich angekündigt, obwohl Wacker zeitgleich ein Bundesliga-Heimspiel hat, sagt Auer mit Berufung auf Insiderkreise. "Wir haben im ÖFB-Cup schon einmal dasselbe Problem gehabt", erklärt Auer. Vor einem Jahr hätten Innsbrucker Fans beim Spiel Wattens gegen Sturm Graz den Platz gestürmt, Wattens sei vom ÖFB trotz Erfüllung der Auflagen zur Mindeststrafe verurteilt worden.
 
Bei Austria Salzburg stößt diese Haltung auf Unverständnis. "Das wäre eine Kapitulation vor Verrückten", sagt Obmann Walter Windischbauer. Er kennt das Gefühl der Letztverantwortung. "Unser Heimspiel gegen die Red Bull Juniors war ebenfalls ein Risikospiel. Das ist brutal friedlich abgelaufen, es gab nicht die geringsten Vorfälle", erzählt Windischbauer. Wenn man seine Hausaufgaben mache, habe man nichts zu befürchten. "Wenn ich das Spiel gegen Red Bull ohne Polizei abgewickelt hätte, hätte man mir natürlich Fahrlässigkeit vorwerfen können", sagt der Funktionär.
 
Beim ÖFB sieht man das ähnlich. "Ich habe für die Sorgen von Wattens volles Verständnis", sagt Generalsekretär Alfred Ludwig, "kein Verständnis habe ich aber für ein Nicht-Antreten". Deshalb schickt der Verband auch einen Sicherheits- und einen Rechtsexperten zur Sitzung der Regionalliga-West-Kommission am Montag, die über die weitere Vorgehensweise entscheiden will. "Eine Aufgabe wäre Resignation. Wenn die Vereine Hilfe brauchen, können sie sich an uns wenden", meint Ludwig. Dass kleine Vereine auf Bundesligaklubs mit großem Anhang treffen, steht im ÖFB-Cup auf der Tagesordnung. Die Wiener Großklubs treffen in dieser Runde auf Vereine mit Erfahrung bei großem Andrang. Rapid spielt gegen die Amateure der Austria, die Austria gegen jene von Kapfenberg.
 
Gaflenz stemmt sein Spiel des Jahrhunderts auch ohne ÖFB-Hilfe. Für die Wattener hat Gaflenz-Obmann Kellnreitner trotzdem Verständnis. "Wenn die Sicherheitsauflagen zu groß werden, kann ich den Schritt nachvollziehen. Für uns wäre es sicher nicht in Frage gekommen", sagt er. Man will sich ja das größte Spiel der Vereinsgeschichte nicht verderben lassen.
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