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Austria Salzburg in der Presse
Offside.at, 27.03.2007

Dort, wo der Fußball zuhause ist

Am 24. März war es endlich wieder soweit: Die Salzburger Austria kehrte in den Spielbetrieb zurück. Mit ihr knapp 900 Fans, die von einer großen Gruppe Borussen aus Dortmund unterstützt wurden, die einerseits auf Grund der Spielpause wegen der Länderspiele und andererseits, um Gerhard „Gerli“ Weiss auch auf der Tribüne die letzte Ehre zu erweisen, der auf der Rückreise von einem Dortmundausflug tödlich verunglückte, die Reise nach Salzburg antraten.
 
„Ultras sterben nie“
Der Beginn des Spiels stand ganz im Zeichen der tragischen Vorfälle während der Dortmundfahrt. Eine Choreografie sowie eine Schweigeminute sollten an Gerhard Weiss erinnern. „Du bist nicht mehr da, wo du warst, doch du bist überall, wo wir sind“ stand während des gesamten Spiels auf einem Spruchband im Gedenken an den einstmaligen Trommler der Kurve und begeisterten Fan.
In Anbetracht dessen wurde der klare 7:0 Sieg gegen Trimmelkam Nebensache. Doch es hat sich viel getan im violetten Salzburg, viele Dinge, die nicht unerwähnt bleiben sollten. Denn die Anhänger sowie die gesamte Mannschaft bewiesen Herz und Tatendrang, zeigten während des Winters, dass ihnen die Austria und ihre Zukunft weiterhin am Herzen liegen und auch immer werden.
 
Wo spielen?
Wie einigen bekannt sein wird, wird der Platz im Salzburger Nonntal, der ja Teil des SAK-Geländes ist, in naher Zukunft umgebaut. Deshalb befindet sich Violett-Weiß weiterhin auf Heimstättensuche, ist bisher jedoch nicht fündig geworden. Hinzu kam, dass zwei Kinder die Tribüne abgefackelt haben, als Resultat von „Zündeleien“, und so die Platzsuche alles andere als erleichtert haben. Nichtsdestotrotz haben sich die Verantwortlichen kurzer Hand dazu entschlossen, das Frühjahr noch im Nonntal zu spielen. Fleißige Helfer wurden organisiert und unter der Leitung von Christian Neff eine Behelfstribüne errichtet (ein Utensil aus vergangenen PSV/SW-Tagen, für die sie geplant war), die immerhin 500 Leuten Platz bietet, um die violetten Akteure auf dem Platz zu unterstützen. Trotz des schlechten Wetters wurde diese ohne Probleme gefüllt und einem Fußballfest der Sonderklasse stand nichts mehr im Wege.
 
Klassenunterschied
Für das Spiel selbst war man zuversichtlich, war die Vorbereitung doch im Großen und Ganzen gut verlaufen. Grund dafür war ein unter anderem ein Trainingslager im Gasteiner Tal, der Heimat von Trainer Gustl Kofler (ein ehemaliger Kicker der Austria aus Lehen), sowie die Neuverpflichtungen für Violett. So konnte man über 90 Minuten voll konzentriert ans Werk gehen und fertigte den Gegner mit 7:0 ab. Diese versuchten unter allen Umständen ein Tor zu erzielen, waren allerdings nur auf der eigenen Seite erfolgreich. Die Bilanz war also: ein Eigentor, zwei Elfer und vier weitere wunderschöne Treffer. Ein derartiges Feuerwerk auf den „Rasen“ zu zaubern war auf Grund der Platzverhältnisse alles andere als leicht, der Sieg war jedoch zu keinem Zeitpunkt gefährdet, sowie das Tor von A. Trappl im Allgemeinen nie gefährdet war. Deshalb ist es nur nachvollziehbar, dass man den Aufstieg mit allen Mitteln erreichen will. Was die Mannschaft und den Trainer momentan vor allem auszeichnet, ist der Ernst, der trotz des Alleingangs noch immer vorhanden ist, denn allen ist bewusst, dass sich im Fußball vieles schnell ändern kann.
Also nicht nur auf der Tribüne ein Fußballfest, sondern auch auf dem Rasen. Ein Teil des österreichischen Fußballs, der nicht vergessen werden darf, denn eines ist sicher: Sie kommen wieder. Aber nicht nur deshalb nimmt das Medieninteresse zu, denn hier ist Fußball einfach noch Fußball, ohne Gewaltorgien alá Wien, ohne Marketingpropaganda und ohne Exekutivpräsenz (sämtliche Ordner stellt die Anhängerschaft in Eigenregie). Hier kann Fan noch Fan sein.
 
Von 0 auf 100
Wenn man bedenkt, dass man im Sommer noch nichts hatte, und sieht, was jetzt hinter der Austria steht, so kann man nur Bewunderung finden. Sechs Anhänger bildeten damals den Vorstand und hatten nichts; keine Spieler, keine Infrastruktur und keine Werbeverträge. Blickt man jetzt auf die Zahlen und Fakten, so kann man kaum glauben, dass das alles in einem halben Jahr auf die Beine gestellt wurde. Eine gute Jugend, die langsam aufgebaut wird (rund 80 (!!!) Kinder), um später in den Kader integriert zu werden, mit Trumer Bier und Intertops.com zwei schlagkräftige Werbepartner, einen mehr als nur großen Kader mit teilweise hochklassigen Spielern, sowie eine funktionierende Infrastruktur und einen blühenden Merchandising-Verkauf. Und nicht zu vergessen, mehr als 1000 treue Anhänger aus ganz Österreich, die in gewissem Sinne eine kreative Spontanität besitzen (man frage den Trimmelkam-Torhüter). Denn auch an diesem Wochenende kamen sie aus allen Ecken und Enden angereist, so auch ca. 50 Wiener. Hier wird und wurde ein Netzwerk gespannt, wie man es in Österreich nur selten finden kann. Da bleibt nur mehr eines, nämlich möglichst viel Glück für die Zukunft zu wünschen, denn einen derartigen Verein mit diesem Anhang kann man in der Bundesliga nur vermissen.
 
© Michael Oberbichler, Offside.at
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