(...) Und die Austria? Auch die sind Herbstmeister. Allerdings sechs Klassen tiefer...
Neugründung in unterster Liga
Nach einer missglückten Kooperation mit dem Salzburger Landesligaverein PSV Salzburg entschieden sich die Austrianer für die Neugründung und für den damit verbundenen Gang in die unterste Spielklasse.
"Es ist ehrlicher, dass die Austria jetzt wieder ganz auf sich alleine gestellt ist", sagt der violette Vorstandsvorsitzende Moritz Grobovschek gegenüber Sport1.
Der Salzburger hat mit "seinem" Verein große Ambitionen - langfristig soll der Klub in der Red Zac Ersten Liga spielen.
Im ersten Teil des großen Sport1-Interview spricht Grobovschek über Ziele, die gescheiterte Kooperation und die Wandlung vom "Fan" zum Funktionär.
Sport1: Sportlich läuft es hervorragend: Ihr seid Herbstmeister, habt einen tollen Zuschauerschnitt. Klares Ziel ist der Aufstieg oder?
Moritz Grobovschek: Ja, ganz klar! Ich möchte nicht, dass das jetzt abgehoben klingt, aber alles andere macht die Sache schwieriger. Außerdem ist die erste Saison die wichtigste, weil wir da zukünftige Partner überzeugen können. Und auch jene Skeptiker, die glauben, dass der Verein „eh nur ein Fan-Klub ist". Am Anfang sind wir natürlich belächelt worden, aber jetzt haben wir einige tolle Partner und Sponsoren an Bord, mit denen nicht unbedingt wer gerechnet hat.
Sport1: Wie lauten eure mittel- bzw. langfristigen Ziele?
Grobovschek: Als wir noch die Kooperation mit dem PSV gehabt haben, war das Ziel in fünf Saisonen in der Red Zac Ersten Liga zu spielen. Diese Kooperation hatte auch seine Vorteile, aber im Endeffekt ist es so wie es jetzt ist besser – es ist ehrlicher, dass es jetzt nur noch die Austria gibt. Die ersten beiden Saisonen verlange ich von der sportlichen Leitung, dass wir zwei Mal aufsteigen – eine „Ehrenrunde“ ist natürlich einkalkuliert. Ich glaube aber, dass es diese Saison schwieriger wird, als nächste. Langfristig schielen wir auf die Red Zac Liga und ich glaube, dass das 2011/12 durchaus realistisch ist.
Sport1: Wieso seid ihr die Kooperation mit dem PSV eingegangen und habt nicht gleich den Gang in die unterste Liga angetreten?
Grobovschek: Die Saison 2005/06 war schon angelaufen und rein organisatorisch wäre es unmöglich gewesen, einen Verein zu gründen. Damals hat sich eigentlich keiner mit einer Neugründung auseinandergesetzt – lediglich zwei, drei Leute haben mit mir den ersten Gedanken gesponnen. Die ganze Sache mit Red Bull hat sich in die Länge gezogen und es hat erste Gespräche über eine Kooperation gegeben. Erstens wollten wir – bei aller Treue und Liebe zum Klub – den Fans nicht zumuten, in die unterste Liga zu gehen, zweitens war die Perspektive (1. Landesliga) beim PSV nicht schlecht.
Sport1: Wieso ist es dann letztlich gescheitert?
Grobovschek: Die anderen Sektionen im riesigen Polizei-Sportverein hatten Panik vor der Fußball-Sektion – es ist dann ein Wirr-Warr rausgekommen und der Grund des Scheiterns war schließlich, dass sie uns nicht wollten. Wir waren an keinen Machenschaften interessiert, sondern wollten eine reine Austria – wenn möglich auf höherem Niveau.
Sport1: Wie sah das Prozedere der Neugründung aus? Wie viel Geld war nötig?
Grobovschek: Die Voraussetzung einer Neugründung ist vom Verband vorgegeben. Theoretisch braucht man relativ wenig Geld. Eigentlich muss man nur schauen, dass man einen Platz hat, was aber eines der schwierigsten Unterfangen ist. Das Organisatorische, wie genügend Spieler und Nachwuchsmannschaften melden, haben wir schon im Frühjahr eingeleitet, da die Kooperation mit dem PSV auf wackeligen Beinen stand. Mit dem PSV-Präsidenten war das ein ständiges hin und her, sodass man nicht davon ausgehen konnte, dass das funktioniert.
Sport1: Wie war die Sponsorensuche?
Grobovschek: Das war natürlich schon zäh. Wenn man nicht persönliche Kontakte hat, ist es sehr schwierig. Außerdem muss man Sponsoren überzeugen, sie müssen an einen glauben. Nur weil die Austria wieder violett ist und eine große Masse dahintersteht, das alleine reicht noch nicht. Unser Hauptsponsor war ja vorher schon beim PSV – ein sehr seriöser Eigentümer. Mit dem bin ich damals schon ins Gespräch gekommen. Und hätte er nicht etwas positiv Verrücktes in uns bzw. in mir entdeckt, wären die Gespräche im Sommer im Sand verlaufen.
Sport1: Du hast wahrscheinlich auch in Punkto Vereinsführung beim PSV viel gelernt ,oder?
Grobovschek: Ja, richtig! Ich muss zugeben, dass man von den Funktionären dort einiges lernen konnte. Außerdem muss ich sagen, dass ich das halbe Jahr – obwohl es nicht gut ausgegangen ist – nicht missen möchte. Dadurch sind mir in künftigen Entscheidungen, Verhandlungen und Reaktionen einige Sachen erspart geblieben. Ich könnte mit meiner momentanen Funktion wahrscheinlich nicht so gut umgehen, wenn ich diese Erfahrung nicht gemacht hätte.
Sport1: Wie war die Spielersuche? Man hört, dass sich unzählige Spieler aufgedrängt haben…
Grobovschek: Teils, teils. Bei manchen war sicher der Gedanke da, dass man das „schnelle Geld“ machen kann – aber genau das Gegenteil sind unsere Ambitionen. Wir wollen das ein bisschen so machen wie Rapid: Wir versuchen Leute zu bekommen, die für einen günstigeren Preis spielen – weil sie bei uns einfach eine Perspektive haben, mit einem Verein mitwachsen können und wir eine große Familie sind. Außerdem spielen sie regelmäßig vor 1.000 Zuschauern. Wir haben geschaut, dass ein Drittel Klasse-Spieler sind, die uns auf Jahre gesehen helfen können, ein Drittel die für die Klasse reichen und ein Drittel, das sich dazwischen bewegt.
Sport1: Mit der Verpflichtung von Gustl Kofler als Trainer ist ein wahrer Fachmann zu euch gekommen…
Grobovschek: Für ihn war das Ganze natürlich eine neue Situation. Er war sich aber nicht zu schade, um dieses Projekt mitzugehen, wobei er natürlich auch einen Namen zu verteidigen hat. Er ist eine tolle Persönlichkeit, hat aber auch einen gehörigen Druck. Denn er ist zum Aufsteigen verdammt!
Sport1: Hat er sofort zugesagt?
Grobovschek: Ja! Er war ganz klar unsere erste Wahl und von dem Projekt sofort begeistert – auch als es noch in den Sternen gestanden ist. Unser Vorstandsmitglied Thomas Karl hat den Kontakt hergestellt und es hat dann Gott sei Dank geklappt. Gustl Kofler ist ein Topmann, der so professionell an die Sache ran geht, wie es teilweise nicht einmal die Red-Zac-Ligisten vorkommt. Dazu ist er Ex-Austrianer!
Sport1: Ist das Austria-Führungsteam interimistisch bzw. seid ihr auf der Suche nach einem starken Mann?
Grobovschek: Sowohl als auch. Man wächst ja auch mit der Aufgabe, aber man muss auch von dem Gedanken wegkommen, dass man nur ein "Fan-Verein" ist. Mir kommt sicher zu Gute, dass ich mich schon jahrelang mit Fußball beschäftige und Betriebswirtschaft studiert habe. Mit unserem Geschäftsführer Wolfgang Monger und Trainer Gustl Kofler existiert eine tolle Achse, die sich regelmäßig untereinander austauscht und meist deckungsgleich ist. Auch unser sportlicher Leiter Gerhard Stöger gehört da dazu - das ist ein Quartett, das sehr gut funktioniert! Nichtsdestotrotz möchte ich schauen, dass man ehemalige Spieler und Persönlichkeiten aus alten Zeiten einbindet - den Ehrenpräsidenten zum Beispiel. Trotzdem sollte es nicht so sein, dass wir mit offenen Armen dasitzen und Leute aufnehmen, die beim "großen Verein" in Salzburg (Anm. d. Red. Red Bull Salzburg) nicht mehr gebraucht werden.
Sport1: Wie war es für dich persönlich vom Fan zum Funktionär zu mutieren?
Grobovschek: Mittlerweile kann ich mich damit anfreunden, obwohl ich eigentlich auf andere Art und Weise mitwirken wollte. Ich hab den ehemaligen Präsidenten Rudi Quehenberger ewig traktiert, dass wir was zusammen machen könnten - in Richtung Sportmanagement und Marketing. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass ich die Rolle des Vorstandsvorsitzenden so schnell übernehmen würde. Ich dachte, wenn ich mal ein paar Jahre Manager bei einem Klub bin, wäre es ein Traum zur Austria zurückzukehren. Dass es unter diesen Umständen zu Stande gekommen ist, ist bitter und schön zugleich.
Das Interview führte Kurt Vierthaler
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| Die Geschichte der Salzburger Austria - von 1933 bis heute. |










