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Austria Salzburg in der Presse
Wiener Zeitung, 22.09.2006

Ganz unten, aber glücklich

In Salzburg gehen die violett-weißen Fußballfans ihren eigenen Weg – in der siebenten Liga
 
Von Matthias Nagl
 
Violette Fans gründeten eigenen Klub.
Langfristiges Ziel ist die zweite Liga.
 
Salzburg. Sportvereine feiern normalerweise Weise 73 Jahre nach ihrer Gründung ihren 73. Geburtstag. Nicht so der SV Austria Salzburg. Der feierte vergangene Woche beim Meisterschaftsspiel gegen den SC Seeham nur ein knappes Jahr nach seiner Gründung den 73. Geburtstag. Die ungewöhnliche Konstellation ist Folge einer im heimischen Fußball einzigartigen Entwicklung.
 
Der Getränkehersteller Red Bull hatte im Frühjahr 2005 den Salzburger Bundesligaklub übernommen. Der Betrieb stülpte dem Fußballklub sein Marketingkonzept über und versucht seither mit großem finanziellen Aufwand, zur europäischen Mittelklasse aufzuschließen. Das Publikum reagierte begeistert, das Stadion ist fast immer voll.
 
Doch nicht alle gingen den Weg mit. Ein Teil der Fankurve fühlte sich vom Investor verraten. Tatsächlich hat Red Bull Salzburg mit dem Traditionsklub nur mehr den Spielort gemeinsam: Andere Farben, anderes Wappen, anderer Name, andere Mannschaft. Die Fangruppen verließen den Klub, mit dem sie sich nicht mehr identifizieren konnten. Sie gründeten ihren eigenen Verein – mit dem ursprünglichen Namen.
Neustart in Liga sieben
 
In der Frühjahrssaison kooperierte die neu gegründete Austria mit dem abstiegsbedrohten Landesligisten PSV SW Salzburg. Die Zuschauerzahlen waren für einen Landesliga-Klub sensationell, und die Klasse wurde erhalten. Da die Führung des PSV an einer Fusion aber plötzlich nicht mehr interessiert war, kam es nach Saisonende zum Bruch, und die Austria stieg als eigenständiger Verein in die 2. Klasse Nord A, siebente und unterste Spielklasse, ein. Moritz Grobovschek, der Präsident der neuen Austria, sagt über das halbe Jahr: "Es war sehr wichtig, wir haben viel gelernt und das Publikumspotenzial einschätzen können." Mit dem neuen Verein will er "den Kommerz, der für den sportlichen Erfolg notwendig ist, mit Tradition verbinden."
 
Es galt, in wenigen Wochen aus dem Nichts eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. Zuerst verpflichtete der Vorstand, der sich aus Vertretern der Fanklubs zusammensetzt, mit Gustl Kofler einen der renommiertesten Amateurtrainer in Salzburg. Mithilfe seiner Kontakte und einer Telefonliste von Salzburger Amateurspielern wurde ein Kader zusammengestellt, der sich schon in den ersten Testspielen als schlagkräftig erwies. Talente aus den Fanklubs durften nicht fehlen.
 
Die Infrastruktur bereitet Kofler, in den 80ern selbst ein Jahr lang bei Austria Salzburg aktiv, Probleme. Die Heimstätte im Stadtteil Nonntal ist nur bis Herbst gesichert, trainiert wird immer woanders.
 
Am Wochenende sind die Probleme aber vergessen. Da läuft die Mannschaft vor knapp tausend eingefleischten Anhängern ein, die für eine auf diesem Niveau einzigartige Stimmung sorgen. So auch vergangene Wochenende beim Geburtstagsspiel gegen Seeham.
Weniger Stimmung
 
Ein Seehamer Besucher, der auch regelmäßig Spiele Red Bulls besucht, sieht die Austria als Bereicherung für den Amateurfußball. Die Stimmung im großen Stadion in Kleßheim habe sich nach dem Abschied der violetten Fans merklich verschlechtert, meint er. "Wenn die Mannschaft in Rückstand ist, kommt überhaupt nichts", sagt der Seehamer.
 
Günther Neuhauser, seit Jahren Austrianer, geht hingegen nicht mehr ins große Stadion am Stadtrand, auch seine Kinder stehen im Fanblock der Austria. Der 53-Jährige ist zum zweiten Mal da und wird wieder kommen. "Auch wenn sie nicht aufsteigen", sagt er.
 
Langfristig will der Fan-Verein in die zweite Liga aufsteigen. "Wenn sich alles eingespielt hat, kann man die Mannschaft punktuell verstärken", sagt Kofler. Wo man diese Erfolge feiern will, ist offen. Fest steht nur: "Unter den derzeitigen Hausherrn ist eine Rückkehr nach Kleßheim ausgeschlossen."
 
© Wiener Zeitung
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