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Austria Salzburg in der Presse
Salzburger Nachrichten, 30.07.2011

Gipfelstürmer und Grenzgänger

Westliga. Austria Salzburg gilt als aufstiegsreif. Trainer Dietmar Emich über Untersbergläufe, Willensstärke und den Austria-Spirit. Vor dem Auftakt gegen die Wacker Innsbruck Amateure morgen, Sonntag (16), trafen die SN den Coach zum Interview.

SN: Herr Emich, zum Start möchten wir Sie als Trainer eines Titelfavoriten befragen . . .
Emich: . . . sind wir das? Aus Sicht der Konkurrenz vielleicht, ich sehe das anders. Wir waren im Vorjahr Fünfter, aber einige Siege waren recht knapp und wir haben auch gesehen, dass uns noch etwas fehlt.
 
SN: Jetzt ist die Austria ein Club mit Amateurspielern und einem Trainer, der abseits des Fußballs einem Vollzeitjob nachgeht. Wäre der Sprung zum Profitum nicht eine hohe Hürde?
Emich: Das ist für mich die Gretchenfrage des ganzen österreichischen Fußballbetriebs. Der ÖFB muss erkennen, dass diese Struktur schädlich für den Sport ist. Wir müssten von heute auf morgen von Amateur- auf Profibetrieb umschalten. Ich müsste die ganze Mannschaft austauschen und selbst meinen Job kündigen, um mich als Profitrainer in das unsichere Umfeld der Ersten Liga zu begeben. Früher, mit Halbprofis, hat die zweithöchste Spielklasse bessere Kicker produziert als heute. Wenn man sich vor Augen hält, wie sich unser Fußball entwickelt hat, dann wurde der falsche Weg gegangen. Gerade für unseren Verein, der jetzt in fünf Jahren von ganz unten raufgekommen ist, wird es ganz schwierig.
 
SN: Was haben Sie in der Vorbereitung anders gemacht als im Vorjahr?
Emich: Wir haben professionellere Zugänge geschaffen, Trainer dazugeholt und die neuesten Trainingslehren miteinbezogen, soweit das bei einer Einheit pro Tag geht. Wir haben ausgereizt, was möglich war. Es war „Blut, Schweiß und Tränen“, aber jetzt sind wir auf einem guten Weg.
 
SN: Man erzählt sich, es waren auch Läufe auf den Untersberg mit dabei . . .
Emich: . . . zumindest einmal nachweislich. Das hatte vor allem einen psychologischen Hintergrund: Es ist unser Hausberg. Wenn ich ganz nach oben will, muss ich einen Gipfel erreichen. Das war ein Willenstraining. Es ist vielleicht absurd und hat nichts mit Fußball zu tun. Aber damit, dass man Grenzen überschreiten muss.
 
SN: Kann so ein Kniff in der Saison Punkte bringen?
Emich: Die Fans verlangen, dass wir alles geben und manchmal noch etwas mehr. Zuletzt war das im Cup gegen Anif ausschlaggebend, als wir in Unterzahl gewonnen haben, weil wir den Willen hatten. Ähnlich im Vorjahr gegen Neumarkt oder beim Unentschieden im Stadion gegen die Juniors. Das zieht sich wie ein roter Faden durch. Das muss man trainiert haben, das lässt sich nicht einfach einschalten.
 
SN: Lässt sich auch die Stimmung aus dem Fangesang „Wir san Salzburger, kana mog uns“, psychologisch nützen?
Emich: Der Spruch von Dante: „Geh deinen Weg und lass die Leute reden“, spiegelt mein eigenes Leben als unangepasster Typ wieder. Diese Mentalität lebt auch die Austria und vielleicht passen wir deshalb so gut zusammen. Es ärgert mich, wenn wir mit Chaoten und Asozialen gleichgesetzt werden. Unser Anhang zeigt das ganze Spektrum der Gesellschaft, vom Uni-Professor bis zum Arbeiter. Fußball ist etwas verbindendes Globales, dazu stehen wir Austrianer und das will ich auch hochhalten.
 
SN: Wie lang läuft Ihr Vertrag? Emich: Wir haben uns immer per Handschlag für jeweils ein Jahr geeinigt. Ich will meine Leistung bringen und brauche keine „Versicherung“ in Form eines langfristigen Vertrags. Den Austria-Spirit trage ich in mir, seit ich ein kleiner Bub war. Das wird immer in meinem Herzen sein, auch wenn ich jetzt nicht mehr hier Trainer wäre.
 
SN: Könnten Sie der Versuchung eines reizvollen Angebots widerstehen?
Emich: Da bin ich Sportler. Ich habe Ziele, und wenn die anderswo zu verwirklichen sind, werde ich mich entsprechend orientieren. Aber derzeit ist das weit weg. Die Austria bietet Perspektiven und wenn es hier geht, umso lieber.
 
SN: Auf welcher Sportanlage würde die Austria in der Ersten Liga spielen?
Emich: Es gibt derzeit keine Entscheidung dazu. Wenn es nicht anders ginge, wäre Kleßheim die Ultima Ratio. Sollten wir mangels Spielstätte nicht aufsteigen dürfen, wäre das der Super-GAU für die Stadt Salzburg. Jeder Dorfclub in diesem Land kriegt eine Spielstätte von der Kommune hingestellt, ich weiß nicht, warum das bei der Austria nicht geht.
 
SN: In einer Relegation um den Aufstieg in die Erste Liga wäre der Ostligameister der Gegner. Das könnte Ihr Cup-Gegner Parndorf sein.
Emich: Deshalb finde ich das Spiel auch spannend – zuerst habe ich ich mich über das Los noch geärgert. Es ist jedenfalls ein guter Gradmesser. Die nächste Woche wird sowieso ein Wahnsinn: 1400 Kilometer Fahrt auf einer „Tour d’Au triche“, am Mittwoch nach Vorarlberg zu Hard, am Samstag dann in den Osten nach Parndorf. Das ist schon ein Vorgeschmack auf höhere Aufgaben.
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