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Austria Salzburg in der Presse
Sport1.at, 14.05.2007

"Haben jedes Wochenende violette Feste gefeiert!"

Wien - Wer Gustl Kofler genau zuhört, merkt, dass er sich dem Fußball mit Leib und Seele verschrieben hat.
 
Genauso wie dem SV Austria Salzburg.
 
Der 48-Jährige übernahm zu Saisonbeginn den neugegründeten Traditionsverein und führte ihn auf Anhieb zum Meistertitel in der 2. Klasse Nord A.
 
Sportlich hat der Trainerfuchs schon einiges erlebt, geballte Emotionen wie die in violett allerdings noch nie.
 
"Was in diesem Jahr an schönen Szenen, Aktivitäten und Highlights stattgefunden hat, kann man kaum in Worte fassen", zeigt sich Kofler im Gespräch mit Sport1 beeindruckt.
 
Im großen Sport1-Interview lässt er die einzigartige Saison noch einmal Revue passieren. Außerdem erklärt er wie er zu Red Bull steht und wieso Dortmund und Udine so wichtig sind.
 
Sport1: Gratulation zum Meistertitel! Wie sieht es momentan in ihrer Gefühlswelt aus?
 
Gustl Kofler: Im Moment will ich das einfach nur genießen. Es ist schön, dass der violette Mythos heuer Sachen gebracht hat, die man normalerweise in seiner ganze Karriere nicht erlebt.
 
Sport1: Ihr seid ziemlich überlegen an der Spitze. Haben sie jemals am Aufstieg gezweifelt?
 
Kofler: Nein, denn sonst hätte ich diese Aufgabe gar nicht angenommen. Die Saison ist zwar relativ lang, aber die Liga in sich nicht so stark. Es gibt ein, zwei Verfolger, die etwas organisierter und fitter waren. Das genügte, um uns lange auf den Fersen zu bleiben.
 
Sport1: Die Austria spielt zwar in der untersten Spielklasse, das mediale Interesse ist aber groß. Ist das eher ein zusätzlicher Druck oder Motivation?
 
Kofler: Beides. Natürlich waren wir durch unseren Namen in einer speziellen Situation. So wie es die europäischen Top-Vereine jede Woche erleben, war es auch bei uns. Für jeden Gegner war es das Spiel des Jahres und alle waren besonders motiviert. Die Erwartungshaltung war bzw. ist enorm. Das ist Ansporn und Hemmnis zugleich.
 
Sport1: Was hat ihre Mannschaft so stark gemacht?
 
Kofler: Die Spielart in der untersten Klasse hat wenig mit Fußball zu tun. Die ist eher beim Handball anzusiedeln. Wir haben natürlich einen sehr guten Kader und sehr professionelle Trainingsbedingungen. Da können wir auf jeden Fall mit einem Regionalliga-Verein mithalten. Unsere Gegner sind meist nur fünf Mal pro Spiel in unsere Hälfte gelangt. Trotzdem ist es wichtig, dass die Raumaufteilung und die Spielorganisation stimmt. Außerdem muss jede Woche die Konzentration und Fitness der Spieler passen. Das ist nicht immer leicht.
 
Sport1: Wer sind ihre Führungs- bzw. Schlüsselspieler?
 
Kofler: Wir haben in jeder Formation einen Leitwolf. Mit dem Alex Trappl haben wir im Amateur-Bereich sicher den besten Tormann, den es gibt. Er ist ein guter Fußballer, der super mitspielt und auch tolle Pässe schlagen kann. Unser Kapitän und Libero Wolfgang Würnstl ist in der Abwehr enorm wichtig. Auch Mittelfeld-Mann Michael Rehrl ist für diese Klasse ein absoluter Top-Spieler. Und nicht zu vergessen unser Torjäger Mario Schleindl. Seine 30 Tore sprechen für sich.
 
Sport1: Die Austria ist ein Traditions-Verein. Wie viel Spaß macht es ihnen dort zu arbeiten?
 
Kofler: Was in diesem Jahr an schönen Szenen, Aktivitäten und Highlights stattgefunden hat, kann man kaum in Worte fassen. Ich habe acht Jahre erste und zweite Bundesliga gespielt und bin das 17. Jahr einer der erfolgreichsten Amateur-Trainer Österreichs. Aber das kann man mit diesem Jahr nicht vergleichen. Wir haben jedes Wochenende violette Feste gefeiert. Das erlebt man in seiner Karriere nicht oft. Deswegen muss man stolz sein, wenn man da dabei sein darf. Ich bin's auf jeden Fall.
 
Sport1: Wie schätzen sie die Chancen in der 1. Klasse nun ein? Ist der Aufstieg wieder das erklärte Ziel?
 
Kofler: Ja, natürlich. Ich denke, dass es sogar eine Spur leichter wird. Die Gegner sind etwas spielstärker und wollen sicher mehr mitspielen. Dadurch werden sich die Verfolger auch untereinander mehr Punkte wegnehmen. Wenn wir weiterhin so fit und konzentriert auftreten, werden wir sicher für Furore sorgen. Wir sind ja erst am Anfang. Wir haben gerade eine Sprosse der Hühnerleiter erklommen. Für den Verein war es die erste große Hürde, da wenige an das Projekt Austria Salzburg geglaubt haben. Die Fanclubs haben es aber geschafft und eine Struktur reingebracht. Der violette Mythos ist nicht aufzuhalten! Es werden immer mehr Anhänger und das ist toll.
 
Sport1: Überall wo sie gearbeitet haben, war Erfolg. Können sie kurz ihren Werdegang als Trainer skizzieren?
 
Kofler: Die erste größere Trainerstation war bei Trimmelkamm. Wir sind damals von der 2. Landesliga bis in die Salzburger Superliga aufgestiegen und haben immer vorne mitgespielt. Dann war ich beim FC Puch in der Regionalliga tätig. Mit einer No-Name-Mannschaft, die eigentlich zum Abstieg verdammt war, sind wir dann Dritter geworden. Später bin ich dann nach Deutschland zum ESV Freilassing gegangen. Dort habe ich mich in einer relativ hohen Liga als österreichischer Trainer durchgesetzt. Das hat eine gewisse Wertigkeit. Die Deutschen halten nämlich im Fußball von uns gar nichts.
 
Sport1: Wie sind sie dann zur Austria gekommen?
 
Kofler: Durch einen Arbeitskollegen. In einer Phase, wo das mit dem PSV zu scheitern drohte und ein Neuanfang in der untersten Klasse im Gespräch war, hat er mich der Austria-Führung empfohlen. Es hat zwei kurze Gespräche gegeben, dann war eigentlich alles klar. Das war auch für den Verein eine optimale Starthilfe, dass ein renommierter Trainer sofort zugesagt hat. Für mich war klar: Wenn sie mich brauchen, bin ich dabei! Der SAK hat sich zeitgleich sehr um mich bemüht, aber das war für mich kein Thema. Ich habe gesagt: Ich gehe dort hin, wo mein Herz schlägt.
 
Sport1: Der große Verein in Salzburg, nämlich Red Bull ist ebenfalls Meister geworden. Verfolgen sie deren Entwicklung?
 
Kofler: Man kann die Augen natürlich nicht zu machen. Ich möchte aber keinen Kommentar dazu abgeben. Erstens steht es mir nicht zu, zweitens möchte ich nicht Öl ins Feuer gießen. Die Geschichte ist für uns vorbei. Wir müssen auf uns schauen und können stolz sein, was wir geschaffen haben. Wir haben in Europa viel Aufsehen erregt und viel Zuspruch bekommen. Deshalb will ich mich nicht negativ mit dieser Sache beschäftigen. Ich freue mich mehr auf die letzten Spiele im Juni. Da werden viele Fans aus Dortmund, Udine oder Remscheid kommen, um uns zu unterstützen. Das ist unglaublich!
 
Das Interview führte Kurt Vierthaler
 
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