Es ist heiss und der Mann am Schubkarren ein wichtiger Mann an diesem Nachmittag. Auf seinem Karren stapeln sich die Bierkisten, er sorgt für Nachschub. Er ist unterwegs im Akkord.
Samstag, Fussballtag für die SV Austria Salzburg. Sie war einmal in der höchsten Liga, bis sie sich an Red Bull verkaufte. Im guten Glauben. Die Austria war zuerst nicht mehr die Austria, sondern Red Bull Salzburg. Und dann war sie auch noch ihre Farben los. Nicht mehr Violett und Weiss, sondern Weiss und Rot und Gelb und Blau. Damit war für ein paar Hundert die Liebe nicht mehr ewig. Sie gründeten ihre Austria wieder. Und die ist jetzt in der siebten Liga neu gestartet.
In einer Viertelstunde beginnt der Match. Wer auf den Union-Sportplatz will, eine bessere Wiese, dafür lauschig gelegen im Stadtzentrum, muss durch die Schirmbar Süd. Open-air-Kneipe mit ein paar Tischen und ein paar Stehplätzen und einem Beamer. Damit auf der Leinwand überhaupt etwas zu sehen ist vom Bundesliga-Fussball aus Deutschland, haben sie mit Abfallsäcken einen Lichtschutz gebaut.
Wer kein Bier will in der Schirmbar Süd – das sind nicht viele – bekommt auch Feindesgetränk. Red Bull, 3 Euro. Mit Wodka: 3,20. Und wer die Austria sehen will, läuft quer über den Kiesplatz der Schirmbar Süd, bis der Durchgang immer enger wird und ein mit grünem Kunststoff verkleideter Zaun die Sicht auf den Fussballplatz nimmt. Da sitzen ein paar auf einer Holzbank an einem Holztisch und nehmen 4 Euro Eintritt. Die Klubmitgliedschaft kann gleich mit abgeschlossen werden.
Die alte Austria hat der neuen Austria die Ultras geschenkt, den harten Kern der Fans, sechs-, siebenhundert sind es bei diesem 24. Auftritt der Saison. Bilanz bisher: 21 Siege, 1 Unentschieden, 1 Unachtsamkeit, 92:8 Tore. Und die Ultras feiern heute nicht nur sich und die Mannschaft, sondern auch 10 Jahre Fanklub «Violette Teufel». Die SV Austria, 2. Klasse Nord A, hat, was andere nicht einmal in der T-Mobile-Bundesliga haben. Stimmung. Leidenschaft. Identifikation.
1000 Zuschauer in der 7. Liga
Einer schreit ins Megafon. Ein Dutzend zündet Pyro. Die anderen schwingen ein paar Hundert Fahnen durch die Luft, und daneben haben sie ein grösseres Hundehäuschen hingestellt, den Fanshop. Es ist Südkurve auf dem Utogrund. Nur dass der Utogrund eine gedeckte Betontribüne mit ein paar Sitzbänken hat. Hier haben sie eine Stehrampe aus Holz, gebaut im Frondienst. Weil ihnen zwei Buben im Winter aus Versehen die alte Tribüne abgefackelt haben.
Gewaltbereit sind die Ultras nicht. Die gewaltbereiten haben sie aussortiert mit dem Wechsel in Liga 7. Die knapp 1000 Zuschauer müssen gegen den USV Perwang keine Minute warten bis zur Führung. In der 70. Minute lässt die Austria den ersten Torschuss des Gegners zu, am Ende gewinnt sie 6:0. Sie ist die Attraktion der Liga, füllt die Sportplätze im Salzburgerland und bringt den eigenen Ordnungsdienst mit. Ihre Spieler musste sie nicht suchen. Sie hat ein Casting durchgeführt. 150 kamen.
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| Die Geschichte der Salzburger Austria - von 1933 bis heute. |










