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Austria Salzburg in der Presse
Laola1.at, 09.08.2010

Kitschiger Höhepunkt eines violetten Märchens

Es war das lang erwartete erste Aufeinandertreffen der beiden Erzrivalen.
Tradition gegen Kommerz. Geld gegen Herz. Austria gegen Red Bull.
So wurde das "Derby aller Derbys" vielerorts angekündigt.
 
Am Samstag gab's endlich den Showdown. Zweiter Spieltag der Regionalliga West.
Unglaubliche Bedeutung
 
Und der Außenseiter entschied das emotionsgeladene Duell knapp mit 2:1 für sich.
„Es war für den Verein und vor allem für die Fans ein ganz besonderes Spiel. Das erste richtige Aufeinandertreffen hatte für jeden Einzelnen eine unglaubliche Bedeutung. Das konnte man an den Gesichtern ablesen.“
Sagte der, der das Spiel mit einem Doppelpack drehte und letztlich entschied.
"Schon fast kitschig“
Ausgerechnet Marco Vujic.
Jener Vujic, der von 2006 bis 2009 seine Brötchen bei den „Bullen“ verdiente.
„Dass ausgerechnet ich mit meiner Vergangenheit den entscheidenden Doppelpack erziele, ist wirklich schon fast kitschig“, schmunzelt der 26-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.
Aber so sei der Sport eben. Emotional und immer für Geschichten gut.
Schon Bundesliga-tauglich
 
Äußerst emotional ging es auch nach dem Schlusspfiff zu.
Vujic versucht zu veranschaulichen: „Es ist schwer, Worte dafür zu finden. Nach Spielende sind die meisten Anhänger noch über eine Stunde auf der Tribüne geblieben, haben gesungen und gefeiert. Unsere Fans haben wirklich Bundesliga-Niveau – unglaublich.“
Unglaublich war auch, was sich bereits Stunden vor dem Prestige-Duell abspielte.
„Ich war schon zwei Stunden vor Anpfiff beim Stadion und bin auf rund 500 Fans getroffen. Ich dachte mir, ob ich vielleicht den Anstoß verpasst habe, weil schon so viel los war. Aber sie konnten es einfach nicht mehr erwarten.“
Fans als Helfer
 
Den Anhängern war es auch zu verdanken, dass überhaupt gespielt werden konnte.
Denn tagelanger, heftiger Regen drohte das Derby platzen zu lassen.
„Es hat in Salzburg drei Tage durchgeregnet, normalerweise wird da nirgendwo auf der Welt gespielt. Aber unzählige Freiwillige haben mitgeholfen, das Spielfeld auf Vordermann zu bringen“, erzählt Vujic.
"Du spürst dieses absolute Hingabe"
Der Goalgetter hat in seiner noch kurzen Karriere schon einiges gesehen und erlebt. Eine derartige Begeisterung und Hingabe ist ihm aber noch nicht untergekommen.
„Du spürst diese absolute Hingabe, jeder umarmt dich und ist dankbar, dass er bei den Fußball-Festen dabei sein darf. So etwas kannst du dir nicht kaufen. Entweder ein Verein hat das oder eben nicht.“
Leistungsprinzip
 
Beim Erzrivalen hat Vujic dagegen eine komplett andere Welt kennengelernt.
Eine professionelle, strukturierte, aber auch emotionslose.
„Red Bull ist die beste Firma der Welt. Da zählt nur die Leistung, da bist du nur eine Nummer. Und wenn du nicht mehr funktionierst, wird deine Nummer ausgetauscht. Jeder muss für sich entscheiden, ob er das will.“
Trotzdem will er die Zeit nicht missen. „Für mich war es eine wichtige Erfahrung, da dort absolut professionell gearbeitet wird. Ich habe mich dort gut entwickeln können.“
Viel Herzblut, wenig Geld
 
Im violetten Lager von Salzburg ist von Luxus dagegen keine Spur.
Mit relativ bescheidenen Mitteln versucht der Klub die seit 2006 bestehende Renaissance weiter nach vorne zu treiben.
„Man weiß natürlich, dass bei der Austria Tradition ganz oben steht. Aber kaum einer kriegt mit, was jeder Einzelne freiwillig dazu beiträgt, damit dieses Werkl läuft. Das ist nicht selbstverständlich“, erzählt Vujic.
„Vor vier Jahren hat es ja noch nichts gegeben, kein Büro, keine Infrastruktur, nichts. Es hat nur ein Blatt Papier gegeben, worauf gestanden ist, dass es die Austria wieder gibt.“
Ziel: Bezahlter Fußball
 
Und mittlerweile ist der Verein dank vier Aufstiege in Folge bereits in der dritthöchsten Spielklasse.
Einen weiteren Durchmarsch hält Vujic aber für unrealistisch: „Jetzt steht man mal definitiv an. Die Regionalliga ist ein anderes Pflaster, das viele Spieler von uns nicht kennen.“
Trotzdem soll das violette Märchen noch lange nicht vorbei sein.
„Ich will mit der Austria wieder in den bezahlten Fußball zurück und bin felsenfest überzeugt, dass das auch in den nächsten Jahren gelingt. Die Austria wird nicht sieben, acht Jahre in der Regionalliga stecken bleiben.“
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