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Austria Salzburg in der Presse
RLW.at, 18.10.2010

Nachgefragt bei Florian Sitz und Gerhard Stöger

Das Aufeinandertreffen zwischen Wacker II und Austria Salzburg endete mit einem 3:1-Heimerfolg und den erwarteten Randalen der beiden Fangruppen. Im rlw.at-Interview sprechen der Fanbeauftragte von Wacker Innsbruck, Florian Sitz, und Austrias Sportlicher Leiter Gerhard Stöger über die Geschehnisse.

rlw.at: Ausschreitungen überschatteten das Westderby zwischen Wacker II und Austria Salzburg. Wie haben Sie die Geschehnisse erlebt?
Florian Sitz: Zuerst möchte ich festhalten, dass bei beiden Vereinen der überwiegende Teil der Fans friedlich ist und hinter ihrem Verein steht. Leider nützt ein kleiner, harter Kern den Fußball als Bühne um ihre Aggressionen heraus zu lassen. Vor dem Spiel gab es ein erstes Aufeinandertreffen beider Fangruppen, das aber von der Exekutive schon nach kürzester Zeit unterbunden wurde. Während der Partie gab es von beiden Seiten Schmährufe und Provokationen, aber das ist im Fußball normal. Auch ist es leider mittlerweile eine gängige Unart, dass immer wieder Becher auf das Spielfeld geworfen werden. Dem werden wir versuchen entgegenzuwirken.
Gerhard Stöger: Zu den Ereignissen vor und nach dem Spiel kann ich nicht wirklich etwas sagen. Aber was ich während der 90 Minuten gesehen habe, hat mich alles andere als fröhlich gestimmt. Dennoch waren viele Personen im Stadion, die auf beiden Seiten wirklich gute Stimmung gemacht haben. Ein kleiner Rest hat uns leider wieder ins schiefe Licht gerückt. Wobei ich sagen muss, dass ich unter unseren Fans Leute gesehen habe, die ich bei unseren Heimspielen noch nie angetroffen habe. Die waren nicht wegen dem Fußballspiel am Tivoli, sondern wegen etwas ganz anderem.

rlw.at: Wirklich hitzig wurde es aber erst nach Schlusspfiff.
Florian Sitz: Einige Salzburger sind über die Zäune geklettert und sind zur Nordtribüne gezogen, um nach „Gleichgesinnten“ zu suchen. Die Exekutive war da bereits außerhalb des Stadions mit dem sicheren Abtransport der Auswärtsfans beschäftigt.

rlw.at: Auch von Seiten der Spieler kam es während der 90 Minuten immer wieder zu unnötigen Provokationen. Hat das die Atmosphäre noch weiter aufgestachelt?
Florian Sitz: Eigentlich nicht, es herrschte schon von Beginn weg eine sehr hitzige Stimmung. Es ist sicher nicht korrekt, dass Muhamed Ildiz den Treffer zum 2:1 vor dem Auswärtssektor bejubelt hat. Auch der „Jubel“ von Tormann Schumacher nach dem Spiel war natürlich absolut unangebracht. Die jungen Burschen wurden da einfach von ihren Emotionen überrannt. All diese Vorfälle werden wir intern ansprechen und klären.

rlw.at: Ursprünglich hätte das Spiel am Samstag, zeitgleich mit der Bundesligapartie der Profis im Hanappi-Stadion, stattfinden sollen. Die beiden verfeindeten Fangruppen wären dann nicht aufeinandergetroffen. Was waren die Beweggründe, das Westderby doch auf Sonntag zu verlegen?
Florian Sitz: Es gab mehrere Gründe dafür. Erstens wäre es ein ganz schlechtes Zeichen für den Sport, wenn man sich von Fans eine Spielansetzung diktieren lässt. Damit tut man dem Fußball sicher nichts Gutes. Auch für unsere junge Mannschaft war es ein Erlebnis, einmal im Tivoli vor so vielen Fans zu spielen. Zudem wäre eine gleichzeitige Austragung beider Spiele logistisch einfach nicht möglich gewesen. Das Derby gegen Salzburg bedeutete für uns den gleichen Aufwand wie bei einem Bundesligaspiel, aber auch beim Match unserer Profis gegen Rapid mussten wir natürlich alle vor Ort sein.
Gerhard Stöger: Die Ansetzung des Spiels war in keinster Weise in unserem Sinne. Es ist ja nicht erst seit heute bekannt, dass sich beide Fanlager schon seit Bundesligazeiten nicht wirklich riechen können. Wir wollten gegen Wacker spielen, wenn die Profimannschaft zeitgleich auswärts antreten muss, um eben gerade diese Probleme schon im Vorfeld zu vermindern. Aber auch am Spieltag ist einiges nicht rund gelaufen. Die Exekutive hat nicht gerade glücklich agiert, auch bei den Einlasskontrollen ist vieles falsch gelaufen. Wie kann es bitte in einem EM-Stadion passieren, dass man mit einem aufgespießten Sauschädel in den Fanblock kommt. Aber wir suchen die Fehler sicherlich zuerst bei uns und kehren vor unserer eigenen Tür.

rlw.at: Bereut man diese Entscheidung angesichts der unschönen Szenen nun?
Florian Sitz: Im Nachhinein ist diese Frage hinfällig. Die Entscheidung ist aus den genannten Gründen getroffen worden.

rlw.at: Wie wird das weitere Vorgehen aussehen, mit welchen Konsequenzen müssen die violetten Randalierer rechnen?
Gerhard Stöger: Wir hoffen auf die Unterstützung der Exekutive und auf Bild- und Videomaterial, damit wir die Täter auf unserer Seite identifizieren können. Wir werden die Schuldigen herausfiltern und mit aller Konsequenz vorgehen. Stadion- und Hausverbote werden ausgesprochen werden. Auch vor Mitgliedern werden wir keinen Halt machen. Sollte sich ein Mitglied von Austria Salzburg unter den Randalierern befinden, werden wir die Mitgliedschaft sofort beenden.

rlw.at: Wie groß ist die Befürchtung, dass nach den jetzigen Vorfällen auch wieder über die Austragungen der Auswärtsspiele gegen Union Innsbruck und Reichenau diskutiert wird?
Gerhard Stöger: Von Seiten von Union Innsbruck und Reichenau, aber auch von den Verbänden, wird nun sicher wieder immenser Druck auf uns ausgeübt. Teils zu Recht, dennoch können wir nichts dafür, dass beide Teams keinen westligatauglichen Sportplatz haben. Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden und eng mit den Vereinen zusammenarbeiten. Beide Spiele müssen sportlich normal ausgetragen werden.
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