Aufstieg als Bestätigung
Österreichs Fußball rückte in den vergangenen Jahren durch eine Unart in den Mittelpunkt, die sich durch die totale Aufgabe von Werten wie Tradition und Unabhängigkeit "auszeichnete". Durch die Auslieferung an den Kommerz änderten Vereine wie Red Bull Salzburg nicht nur den Klubnamen und die Farben, sondern wechselten wie aktuell der FC Superfund sogar den Standort von Pasching nach Klagenfurt.
Für viele Fans hat dies nichts mehr mit ihren Vorstellungen vom Spiel zu tun. Ein Beispiel, wie es auch anders geht, ist Austria Salzburg, wo nach den Turbulenzen nach der Übernahme durch den Milliardenkonzerns ein eigenständiger Verein gegründet wurde.
Da spielt es auch keine Rolle, dass man ganz unten wieder völlig neu anfangen muss. Der Vorstandsvorsitzende Moritz Grobovschek, der für Vermarktung und Außenwirkung zuständig ist, berichtet im Interview mit ORF.at über die Schwierigkeiten, den Reiz und die Zukunft eines alternativen Fußballklubs.
ORF.at: Gratulation zum Meistertitel in der ersten Saison als eigenständiger Klub. Welche Gedanken gehen einem da nach dem letzten Spiel mit über 2.500 Zuschauern bei einer Partie in der untersten Liga durch den Kopf?
Moritz Grobovschek: Es ist die Bestätigung dessen, was wir gehofft und uns vorgenommen haben. Wenn man am Ende mit 18 Punkten Vorsprung Meister ist, dann kann man natürlich von einer gelungenen Saison sprechen. Aber dies war die Pflicht und nun kommt die Kür, denn wir wollen im nächsten Jahr auch in der ersten Klasse gleich noch einmal aufsteigen.
ORF.at: Und welche Gefühle hatte man bei der Meisterfeier?
Grobovschek: Jeder hat gemerkt, dass es Genuss pur war. Es war etwas Unberührtes und, weil es das erste Mal war, auch etwas ganz Besonderes. Das nächste Mal ist es vielleicht eine Spur professioneller, aber eben "nur" das zweite Mal! Die Authentizität ist da, weil der Verein auch außerhalb der Stadt wahrgenommen wird. Ich war bis vor zwei Monaten in Wien und habe gemerkt, wie sehr sich auch Fans von anderen Vereinen durch die Hintergrundgeschichte mit uns freuen.
ORF.at: Hat es bei aller Begeisterung in dieser Saison auch negative Begleitumstände gegeben?
Grobovschek: Dazu muss ich ein wenig weiter ausholen. Bei unserer Spielgemeinschaft mit PSV hat es ein halbes Jahr lang ständig nur kalt/warm gegeben, aber in dieser Saison gab es fast keine Probleme. Die meisten noch durch Spielansetzungen und dadurch, dass wir nur Untermieter waren. Aber der Vorstand und die Leute dahinter haben super gearbeitet. Bei uns wird etwa das Zelt von den Fans selber aufgestellt, da sind manche schon drei Tage im Einsatz, obwohl wir ein absoluter Amateurverein sind.
ORF.at: Gibt es dadurch auch Grenzen des Machbaren?
Grobovschek: Vom Zuschauerpotenzial hat mancher Verein in der Ersten Liga - vielleicht bis heuer auf den LASK - nichts Ähnliches zu bieten. Aber vom Personal gibt es schon einen großen Aufwand und irgendwann ein Belastungsende. Darum ist es dann ein Ausgleich, wenn alles so passt, wie derzeit bei uns.
ORF.at: Wie schwierig war es eigentlich, genug gute Spieler für einen neu gegründeten Verein zu finden?
Grobovschek: Eine Handvoll Kernspieler ist durch den Trainer Gustl Kofler gekommen und der Rest ist durch den Leistungsdruck dann aus vielen Bewerbern ausgewählt worden. Auch unter der Saison haben sich immer wieder neue Spieler gemeldet. Es wurde auch durch das Publikum ein Selbstläufer.
ORF.at: Ist für die Zukunft auch der Einbau von ehemaligen Salzburg-Spielern ein Thema?
Grobovschek: Beim ein oder anderen wäre dies schon denkbar, aber wir wollen es nicht nur wegen der Reminiszenzen machen. Ein Christoph Jank ist jedoch seit Beginn Mitglied bei uns, dazu haben Lars Söndergaard und Max Scharrer bei einem der letzten Heimspiele vorbeigeschaut. Von den "alten Violetten" haben jedoch viele ein Naheverhältnis zum anderen Verein. Ein Heimo Pfeifenberger etwa hat erklärt, dass er bei Violett an Austria Wien denkt. Da es bei uns doch auch einige Heißsporne gibt, wäre es nicht klug, ihn einzuladen. Auch viele andere sind abhängig vom übernommenen Klub, deshalb wollen wir uns auf unsere Arbeit konzentrieren.
ORF.at: Wenn man im Nachhinein auf die Übernahme durch einen in der Wirtschaft und im Marketing sehr erfolgreichen Konzern zurückdenkt, wie sehr schmerzt, dass es da zu keiner vernünftigen Lösung mit den eigenen Fans gekommen ist?
Grobovschek: Ich sehe es ganz nüchtern: Die Leute hätten damals das Gesicht verloren, wenn sie sich mit uns geeinigt hätten. Für uns hätte zwar vielleicht die Fassade wieder gepasst, aber von innen war der Verein schon so ausgehöhlt, dass die Trennung besser war. Schade, denn man hätte zusammen sicher etwas Lässiges machen können. Die ursprünglichen Schichten eines Fußballvereins sind jedoch verraten worden. Die Akzeptanz in ganz Europa mit Leuten aus Italien, England und Deutschland, die zu uns kommen, zeigt aber, dass eine starke Basis da ist.
ORF.at: Was sind die nächsten Pläne für die Zukunft?
Grobovschek: Zunächst einmal suchen wir nach einem geeigneten Platz mit einer Tribüne und der nötigen Infrastruktur für unsere Fans. Dann wollen wir auch verstärkt auf den Nachwuchs schauen, denn wir wollen ein Verein für alle sein und dazu gehören auch extrem gute junge Spieler. In weiterer Folge gibt es einen Zehnjahresplan, am Ende dessen wollen wir in der Ersten Liga spielen. Nachdem das erste Jahr jetzt vorbei ist, haben wir dazu noch neun Jahre Zeit.
© Christian Tragschitz, ORF.at
Violette Chronik![]() |
| Die Geschichte der Salzburger Austria - von 1933 bis heute. |










