Vom Fan zum Präsidenten der neuen Salzburger Austria. Seit eineinhalb Jahren leitet Moritz Grobovschek die Geschicke der Violetten.
STN: Herr Grobovschek, wie sieht im zweiten Jahr nach der Neugründung der Austria und dem souveränen Herbstmeistertitel in der 1. Klasse Nord Ihre sportliche Zwischenbilanz aus?
Grobovschek: Es war der richtige Schritt, einen Neuanfang zu wagen. Das Team funktioniert sehr gut. Wir analysieren ständig die Leistungen der Mannschaft. Wenn man Erster ist, sollte man sich nicht beschweren, aber es gibt einige Punkte, die wir verbessern müssen.
STN: Die wären?
Grobovschek: Wir machen uns das Leben oft unnötig schwer. Wie beim 3:2-Sieg in Obertrum, als wir innerhalb weniger Minuten noch zwei Treffer kassiert haben. Gegen schwächere Mannschaften fehlt die geforderte Konzentration.
STN: Haben die Neuzugänge Ihre Erwartungen erfüllt?
Grobovschek: Mario Lenz und Michael Geier sind absolute Topverstärkungen, die uns auch bei höheren Aufgaben helfen können. Ich muss aber das gesamte Team loben. Für manche scheint der Austria-Dress wie eine "zweite Haut" zu sein.
STN: Apropos Mario Lenz: Dieser meinte vor kurzem, die Austria gehöre in die Bundesliga. Wie beurteilen Sie diese Aussage?
Grobovschek:Unser Umfeld und die derzeitigen Ansprüche sind bereits Red Zac Liga-tauglich. Es muss unser Ziel sein, ganz nach oben zu kommen.
STN: Wo lagen die größten Hürden im Zuge der Neugründung?
Grobovschek: Es war anfangs ein wenig mühsam, meinem Umfeld klar zu machen, dass Red Bull bei der Diskussion um den Verbleib von violetten Elementen im Klub nur Hinhaltetaktik betreibt. Die misslungene Kooperation mit dem Polizei-Sport-Verein hat uns danach ein ganzes Jahr gekostet. Andererseits war es auch ein guter Lernprozess.
STN: Welche sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?
Grobovschek: Ich denke, ich habe nun begriffen, wie das Fußballbusiness funktioniert. Und dass "Funktionär" sicher nicht eine Ableitung des Wortes "funktionieren" ist. Leider haben in den österreichischen Verbänden viele ohne Hintergrundwissen das Sagen und vertreten nur die eigenen Interessen.
STN: Wie viel Zeit investeren Sie derzeit in die Austria?
Grobovschek: Es werden zehn Stunden pro Woche sein. In dieser Zeit halte ich die Sponsoren bei Laune und spreche viel mit unseren Klubverantwortlichen. Daneben bin ich bei 90 Prozent der Spiele dabei.
STN: Manche kritisieren, dass Sie Mitglied des Fanklubs "Tough Guys" sind, der einen schlechten Ruf hat.
Grobovschek: Als ich 1992 den "Tough Guys" beigetreten bin, war es eine herkömmliche Fangruppe. "Tough" hatte für uns die Bedeutung "strapazierfähig", was ein Fußballfan oft sein muss. Wir haben die ersten Choreographien organisiert und wollten eine Begeisterung schaffen. Bei einigen sind leider die Emotionen falsch gebündelt. Ich distanziere mich von jeglicher Anwendung von Gewalt, sehe aber keinen Grund, den Fanklub zu verlassen.
Violette Chronik![]() |
| Die Geschichte der Salzburger Austria - von 1933 bis heute. |










