Alles fließt. Austria Salzburg gegen Red Bull Juniors, der Zusammenprall zweier Fußballwelten in einer Stadt.
An den meisten Orten der Welt könnte diese Bitte erfüllt werden. Hier ist der falsche Platz dafür. „Host a Red Bull?“, hat der Stadionbesucher ganz arglos gefragt. Zuerst glaubt der Mann an der Ausschank, sich verhört zu haben: „WAAAS???“ Der Besucher, leicht irritiert: „A Red Bull!!?“ Der Gastrohelfer ringt um Fassung, tippt sich an die Stirn und sagt dann: „Da muaßt ins andere Stadion umigeh’n!“
Schauplatz Salzburg-Maxglan, ASKÖ-Sportanlage, Samstag, 7. August. Den Energydrink des Fuschler Konzerns sucht man hier zwar auch sonst vergeblich, aber heute wird die Getränkefrage in eine höhere Dimension gehoben. Im 106. Meisterschaftsspiel seit der Neugründung von Austria Salzburg schließt sich ein Kreis: Mit den Juniors stellt sich erstmals ein Red-Bull-Team auf dem grünen Rasen den neuen Violetten. Red Bull hat bei der Übernahme der alten Austria vor fünf Jahren Klubfarben, Wappen, Tradition und damit den harten Kern der violetten Fanbasis weggespült.
Die „Dosen“ sind schuld, wegen ihnen sind sie alle hier, nach dem Neuanfang ganz unten und vier Aufstiegen in Serie. Heute, so die einhellige Meinung unter den 1800 Fans, soll ihnen eingeschenkt werden.
Wenige Stunden vor dem Spiel ist die Feindflüssigkeit erst einmal eine andere. Sie prasselt unaufhörlich aus dunklen Wolken herab und gefährdet die Austragung des Spiels, auf das viele aus dem Anhang so sehnsüchtig warten. Also hieß es seit acht Uhr früh für Dutzende Fans: ran an die Kübel, Schaufeln und was sonst noch zum Entfernen von Regenpfützen vom Spielfeld geeignet ist. Austria-Sportchef Gerhard Stöger sagt über den Arbeitseinsatz: „Das kann man mit Geld nicht kaufen, so etwas gibt es nur bei uns.“ Herzblut, so seine Botschaft, ist hier der einzige flüssige Treibstoff.
50 Minuten vor Spielbeginn hat der Regen zwar aufgehört, aber es werden trotzdem Schirme aufgespannt. Vorsorglich, zum Schutz vor den befürchteten Bierduschen gegen die Juniors-Spieler, die zur Begutachtung des tiefen Bodens erstmals aus den Kabinen kommen. Es bleibt bei einem lautstarken Pfeifkonzert der schon gut eingestimmten Austria-Anhängerschar. Kurz danach werden all die „Tough Guys“, „Union Ultrás“ und „Violetten Teufel“ im Fanblock ganz sentimental bei „You’ll Never Walk Alone“, der einzig wahren aller Stadionhymnen, anlässlich des zweiten Todestags von Erz-Austrianer Ossi Starzinger. Ob alle so friedlich bleiben? Die Verantwortlichen sind unübersehbar angespannt, nach diversen Ausschreitungen der Vergangenheit und einem unerfreulichen Zusammenstoß mit der Vorarlberger Polizei am vorigen Wochenende.
Heute sind es die flinken Juniors, die dem Gemüt der Austrianer gleich einmal einen herben Schlag versetzten – 0:1 schon nach kaum zwei Spielminuten. Nach der Schrecksekunde fasst sich Einpeitscher Alexander Salvatore am schnellsten, gibt das Kommando zum Weitersingen: „Wir haben Austria Salzburg im Herzen!“ Die Massage fürs violette Fußballherz zeigt Wirkung, und wie: Kaum 20 Minuten später schlägt es mit Puls 180, denn Stürmer Marko Vujic hat mit zwei Treffern auf 2:1 gestellt.
Angesichts des Spielstands kommt der temperaturbedingt noch mäßige Bierkonsum auf Touren. Rückkehrer von den Zapfhähnen melden Stau und längere Wartezeiten, trotz deutlich erhöhter Kapazitäten bei den Ausschankstellen. Unendlich lang scheinen auch die Minuten bis zum Schlusspfiff für die mitfiebernden Austrianer zu werden.
Wenige Minuten vor Schluss kommt noch die Sonne heraus und taucht den Platz in ein pittoreskes Abendlicht. Ein Fingerzeig vom Fußballgott, dass das Wunder nah ist? Für die Austrianer herrscht daran kein Zweifel, als nach bangen letzten Minuten der Sieg feststeht. Fast so wie zuvor der Regen fließen nun Tränen bei erwachsenen Männern, die sich innig umarmen. Aus Freude über einen Triumph, der süßer schmeckt als jede Energielimonade.
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| Die Geschichte der Salzburger Austria - von 1933 bis heute. |










