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Austria Salzburg in der Presse
derStandard, 09.08.2010

Salzburger Emotionen und Visionen

Westliga, 2. Runde: Austria Salzburg schlägt die Red Bull Juniors in einer dank der Vergangenheit besonders emotionalen Partie mit 2:1. Es war das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams.

Salzburg - Beim Herrn S. handelt es sich um einen nahezu ganz normalen Salzburger Bürger mittleren Alters, den nicht zuletzt Gelassenheit auszeichnet. Am Samstag freilich ist er schon in der Früh so nervös gewesen wie schon lange nicht. Es schnürlregnet, sagt er, seit Donnerstag um drei, also sollte es 48 Stunden später, am Samstag um drei, vorbei sein. Um halb fünf hörte es tatsächlich auf. Schon vorher wurde der Fußballplatz in Maxglan für bespielbar erklärt.

Herr S. nimmt sein violett-weißes Leiberl aus dem Kasten, hängt sich den violett-weißen Schal um den Hals, verabschiedet sich von der Frau und den Kindern. Das Spiel der Spiele steht an. Westliga, zweite Runde, 18.30 Uhr: Austria Salzburg gegen Red Bull Juniors, dem Klischee nach Tradition gegen Kommerz. Die Tribüne ist seit zwei Wochen ausverkauft, am Spieltag gibt es noch Restkarten für den Spielfeldrand. 1800 Menschen passen in das kleine Stadion. 

Die vergleichsweise reichen Juniors, die vom kroatischen Ex-Red-Bull-Star Niko Kovac trainiert werden und bei denen Ex-Rapidler Martin Hiden (37) einen Verteidiger gibt, sind richtig arm. Sie werden, was zu erwarten war, mit wenig netten und nicht zitablen Worten empfangen. Schließlich sind sie die zweite Mannschaft jenes Klubs, dem die Austria ihr Ableben verdankt und irgendwie auch ihre Auferstehung. Als Dietrich Mateschitz anno 2005 die seit 1933 bestehende, finanziell marode Austria übernahm und daraus Red Bull Salzburg machte, strich er den Namen Austria und das Violett aus den Dressen. 2006 wurde der Sportverein Austria Salzburg neu gegründet, begann in der untersten Klasse den Spielbetrieb, stieg viermal in Folge auf und schmückt nun die Westliga, Österreichs dritthöchste Spielklasse. Die Fans schimpfen freilich nicht nur auf die bösen Bullen, sondern nützen die meiste Zeit insofern sinnvoll, indem sie die Ihren mit vielerlei phantasievollen Gesängen anfeuern.

Zeitgleich zur Westliga-Partie in Maxglan wird in Wals-Siezenheim das Bundesliga-Spiel Red Bull Salzburg gegen Wr. Neustadt abgehalten. Aus Sicherheitsgründen. Es ist besser, die Fans der beiden Klubs kommen sich nicht in die Quere. Weil es ganz ohne Kommerz bei der Salzburger Austria auch nicht geht, heißt im übrigen ihre Heimstätte My-Phone-Stadion, aber ganz bewusst nicht Arena. Und dorthin verirren sich keine Fans der Juniors, zumindest geben sie sich nicht zu erkennen. An diesem Salzburger Derby ist auch das Reglement schuld, welches die Amateurteams der Bundesliga-Klubs in die Regionalligen beförderte. Die Amateure der Wiener Austria kicken in der Ostliga. 

Die Stimmung im My-Phone-Stadion ist prächtig. Nach zwei Minuten wird sie gedämpft: Martin Hinteregger erzielt das 1:0 für die Juniors. Nur kurz verharren die Violetten auf den Rängen, dann singen sie weiter, treiben die Violetten auf dem aufgeweichten Rasen nach vorn. Die Bullen wirken technisch beschlagener, die Austrianer glänzen mit Ambition. Und ihre Fans packen es kaum, als Marko Vujic zunächst das 1:1 (12.) und wneig später das 2:1 (20.) besorgt. Just Vujic (26), der gebürtige Bosnier, der seit seiner Jugend in Österreich lebt und kickt, und der 2006 mit Red Bull Salzburg Meister wurde. Die Juniors drängen auf den Ausgleich, einmal treffen sie die Latte, einem Tor wird wegen Abseits die Anerkennung versagt.

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Schlusspfiff. Die Juniors, die sicherheitshalber nicht im offiziellen Red-Bull-Bus angereist waren, verschwinden rasch. "Sie haben gar nicht geduscht", sagt die Frau Ordner. Das holen sie im feinen Trainingszentrum neben dem Stadion in Siezenheim nach.

Die Austrianer sind enthusiasmiert, Herr S. spricht vom schönsten Fußballspiel seines Lebens. Wie vor dem Spiel erklingt auch nach Schlusspfiff "Football's coming home", die Hymne der EM 1996 in England. Die Fans, von denen einige schon ein paar Mal für Zores gesorgt hatten, woraufhin der mit einer Geldstrafe belegte Verein Stadionverbote aussprach, benehmen sich artig und feiern noch lange.

"Ein Traum", sagt Obmann Walter Windischbauer. "Drei Punkte im Kampf gegen den Abstieg", meint Sportdirektor Gerhard Stöger, der schon beid er verblichenen Austria für den Nachwuchs zuständig war. Die Austrianer wollen sich zunächst in der Westliga etablieren, mit dem Jahresbudget von 200.000 Euro ist Profifußball nicht denkbar. Ein größeres Stadion und die Bundesliga sind aber die Zukunftsvision. Im aktuellen Team kicken Amateure, Vujic beispielsweise studiert, Kapitän Lubomir Neubauer lackiert Autos. Zudem sind elf Nachwuchsteams aktiv. Und Austrias zweite Mannschaft wirkt in der 1. Klasse Nord, wo die erste noch vor zweieinhalb Jahren kickte.
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