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Austria Salzburg in der Presse
Salzburger Nachrichten, 09.06.2008

Wo Salzburgs Fußballherzen schlagen

Fankultur. Am Samstag hatten sie alle etwas zu feiern in Salzburg: Die violette Basis und die EURO-Fans. Allerdings getrennt.

So sieht sie also aus, die bedeutendste Salzburger Sehenswürdigkeit: Zumindest für das deutsche Kultmagazin „11 Freunde“ ist das nicht der Dom oder die Festung, sondern der Austria-Platz in Maxglan. Im Sonderheft zur EURO wurden die Austragungsstädte samt Sehenswürdigkeiten porträtiert und in der Mozartstadt ist ein Besuch der Austria-Spielstätte das Muss.„Hier schlägt Salzburgs Fußballherz“, befinden die Deutschen. Wenn das stimmt, dann hatte es Samstag Herzrasen. „Wir steigen wieder auf“, sangen 2500 violette Fans schon eine halbe Stunde vor Spielbeginn.
 
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Eine halbe Stunde vor Beginn des EM-Auftaktspiels der Schweiz gegen Tschechien zeigen sich die Fußballanhänger in der EURO-Fanzone deutlich reservierter. Rund 6000 waren in die Innenstadt gekommen – was etwa Christian Rauchecker, der einen Gastronomiestand auf dem Residenzplatz betreibt, zufrieden stimmte. „Vor Matchbeginn gab es einen Regenguss, es gibt kein echtes Topspiel. Ich glaube, während der Begegnungen, die im Salzburger EM-Stadion stattfinden, wird mehr los sein“, meinte Rauchecker.
 
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Die Austria ist der Gegenentwurf zum globalisierten Fußball. Hier wurden Sitzplätze abgebaut, um Stehplätze zu schaffen, es gibt keinen VIP-Klub und statt Trüffelrisotto Schnitzelsemmel. Das Bier kostet 2,80 Euro und wird von klubeigenen Gastro-Helfern ausgeschenkt. Der Erlös fließt in das Budget. Da wird Biertrinken zur Fanpflicht, vielleicht finden sich deshalb unter Sponsoren und Partnern der Austria gleich zwei Brauereien.
 
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Die Brauerei, die in der Fanzone dominiert, ist die dänische Carlsberg A/S. Die Kopenhagener betreiben einen der größten Brauereikonzerne Europas und sind einer von zehn offiziellen Sponsoren der EURO. Deshalb gibt es in der Fanzone nur dänisches Bier, die Halbe kostet 4,20 Euro. Zumindest die Schweden erleiden bei Preis und Inhalt keinen Kulturschock. „Allerdings könnte ein bisschen mehr los sein“, meint Mats (29) aus Göteborg. Er ist mit vier Freunden nach Salzburg gereist und wird bis Mittwoch da bleiben. Matchkarten haben er und seine Kumpels keine. „Kennen Sie wen, der eine hat?“
 
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Für die eingesetzten Polizeikräfte gibt es in der Fanzone nicht viel zu tun – dafür beschäftigt sich die Polizei bereits am Nachmittag mit der Anhängerschaft der Austria. Vom Bahnhof marschierten rund 40 Fans zur drei Kilometer entfernten Spielstätte, was sogar den neuen, extra für die EURO angeschafften Polizeihubschrauber in die Luft bringt. Ein Fan aus Wien wird festgenommen – von Beamten der deutschen Bereitschaftspolizei. Er wird die kommenden Stunden allein in der mobilen Anhaltezelle (Kölner Modell) in der Polizeidirektion verbringen und seinen Rausch ausschlafen.
 
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„Es gibt nur eine Fanzone, und die ist?“ „In Berlin“, brüllen Oliver, Sebastian und Christian. Sie sind dank DFB-Trikots unschwer als Anhänger der Löw-Elf zu erkennen, kommen aus der deutschen Hauptstadt und sind auf der Durchreise nach Klagenfurt. Matchkarten haben sie nicht, Angst vor Randale auch nicht, obwohl die Stimmung seit Tagen von polnischen und deutschen Medien aufgeheizt wird. „Man sieht das kurz, ärgert sich ein bisschen und dann steht der Fußball wieder im Vordergrund“, sagt Sebastian.
 
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Zehn Minuten geht es noch in Maxglan. „Die letzten zehn Minuten in der Liga“, brüllt der Einpeitscher. „Nie mehr 1. Klasse“, singen die Fans, die schon kräftig etwas für das Klubbudget gemacht haben. Nach dem neuerlichen Aufstieg geht es in der 2. Landesliga weiter. Die Schals erinnern an andere Zeiten: „Europacupfinale“, „Salzburg – Ajax “, „Meistertitel 1994“, steht auf den Schals zu lesen, die zur Fußballhymne „You never walk alone“ in den regnerischen Himmel über Maxglan gestreckt werden.
 
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Die Schweiz verliert, auf der Bühne in der Fanzone wird ein Fahrzeug des UEFA-Sponsors Hyundai verlost. Trotzdem strömen zahlreiche Besucher erst einmal zu den Ausgängen, darunter viele Familien mit kleinen Kindern: Für den Nachwuchs ist mit dem ersten Abendspiel Schluss. Einhellige Kritik: Es gibt aus Sicherheitsgründen keine Sitzgelegenheiten in der Fanzone. Die Organisatoren wollen das ändern, müssen sich aber noch mit den Behörden abstimmen.
 
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In Maxglan hält es im Zelt keinen mehr auf dem Sitz. Die Zeit der Meisterehrung ist gekommen. Die beginnt wie üblich mit der fast 20 Jahre alten Vereinshymne, die einst der Salzburger Musiker Josh vertont hat. Darin geht es um das Team und um die unzerstörbare Liebe der Fans. „Es kommt zusammen, was zusammen gehört“, heißt es darin. Der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden übergibt den Meisterteller, hat aber ansonsten keinen leichten Stand. Schaden nimmt es sportlich. „Da geht es halt ein bisschen erdiger zu als in den VIP-Klubs. Aber mir taugt die Austria.“ Noch ein letztes Mal nehmen sich Salzburger und eigens angereiste Dortmunder Fans ihre Erzfeinde verbal vor: Das sind der Revierrivale Schalke 04 und Red Bull Salzburg. Und ein letztes Mal noch, aus 2000 Kehlen: „Wir tragen Austria Salzburg im Herzen!
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