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"Wollen offensiven und attraktiven Fußball spielen!"
05.07.2012

"Wollen offensiven und attraktiven Fußball spielen!"

Viele Fragen zu Spielsysteme, Ziele, Trainerteam u.a. Themen wurden unserem Trainer Thomas Hofer bei unserem zweiten Faninterview auf Facebook gestellt! Hier seine interessanten und ausführlichen Antworten!

Nach Neuzugang Michi Perlak war im zweiten Teil unserer Facebook Faninterviews, bei denen regelmäßig einer unserer Spieler, Trainer oder Funktionäre eure brennenden Fragen beantwortet, unser Trainer Thomas Hofer an der Reihe, um euch Rede und Antwort zu stehen! Wir bedanken uns an dieser Stelle für eure interessanten und abwechslungsreichen Fragen und freuen uns bereits auf das nächste Facebook-Faninterview unter dem Motto "Eure Fragen an..."!
 
Hier die gesammelten Fragen und Antworten (teilweise thematisch gruppiert):
 
HaBo Borozni: Du bist schon im Winter von Anif zu Austria gewechselt. Was waren die Gründe dafür?
 
Thomas Hofer: Durch meinen vorzeitigen Wechsel habe ich mir jetzt ein halbes Jahr von der Mannschaft, vom Verein, vom Umfeld, vom Trainer- und Betreuerteam, das geblieben ist, sowie von der Infrastruktur (Maxglan und Rif) ein Bild machen können. Deshalb konnten wir schon frühzeitig die Weichen für die neue Saison stellen und sehr früh mit der Zusammenstellung des neuen Kaders beginnen. Es war auf alle Fälle die richtige Entscheidung schon im Winter zu kommen, dadurch haben wir ein halbes Jahr gewonnen und wir können jetzt auf einem ganz anderen Niveau loslegen!
 
Franz Katzbauer: Wie hast du damals die Neugründung bzw. die erste Saison der neuen Austria aufgefasst? Falls ja, ab wann hast du diese näher verfolgt?
 
Thomas Hofer: Ich habe die Austria von Anfang mit Interesse verfolgt, und das erste offizielle Spiel von AS seit der Neugründung war ja dann eh ausgerechnet gegen meinen damaligen Verein USK Leube Anif am alten ehrwürdigen UFC-Platz. Mir hat die Stimmung damals in der 1. Runde im SFV-Cup sehr imponiert und man hat da schon gesehen, dass mit diesem stimmungsgewaltigen Anhang in der Zukunft vieles möglich sein wird. In weitere Folge habe ich mir dann auch das ein oder andere Spiel angesehen und das Geschehen des Vereines verfolgt.
 
Rudolf Poiger: Welchen Stellenwert gibst du dem Umfeld des Vereins?
 
Thomas Hofer: Dem Umfeld messe ich einen sehr hohen Stellenwert bei, wenngleich uns allen bewusst sein muss, dass wir mit Argusaugen beobachtet werden und viele leider nur darauf warten, negative Schlagzeilen von AS zu bekommen! Es liegt an uns ALLEN, die Austria gut zu repräsentieren und für positive Schlagzeilen zu sorgen, damit noch mehr Leute und Fans den Weg nach Maxglan finden!
 
Jimmy Bullard: Mit welchem Spielsystem wird die Austria in die neue Saison starten bzw. wird man Vujic und Hübl des Öfteren gemeinsam stürmen lassen? Flo Kreus: Wir haben mit Hübl und Vujic vielleicht das beste Sturmduo der Liga, wir haben ein ziemlich gutes und breit aufgestelltes Mittelfeld für Regionalligaverhältnisse, wir können viele Positionen ohne Niveauverlust doppelt besetzen. Werden wir die Austria in der kommenden Spielzeit in verschiedenen Spielsystemen sehen oder schwebt dir bereits ein System vor, das du vorrangig spielen willst?
 
Thomas Hofer: Dem Spielsystem selber wird sehr oft zu viel Bedeutung beigemessen. Man kann mit einem System mit einem Stürmer viel offensiver und druckvoller auftreten als mit einem mit 3 Stürmern! Entscheidend ist die Bereitschaft der Spieler sich in den Angriff einzuschalten und der Wille Tore zu erzielen! Natürlich werden wir auch mit 2 oder 3 Stürmern spielen. Daher werden wir auch verschiedene Spielsysteme einstudieren und diese auch einsetzen!
Die Viererkette ist die einzige Konstante in meinem System und die weitere Anordnung ist abhängig von der taktischen Ausrichtung im jeweiligen Match. Wir sind auf fast allen Positionen doppelt besetzt und die Mannschaft wird es uns Woche für Woche schwer machen, die richtige Aufstellung zu finden. Der große Vorteil des momentanen Kaders besteht darin, dass wir während des Spiels das System schnell ändern können, da fast alle Spieler auf anderen Positionen spielen können.
Wir wollen offensiven und attraktiven, aber auch erfolgreichen Fußball spielen und da muss man ab und zu auch auf die Bremse drücken. Es wird auch Spiele gegen sehr defensive Gegner geben, wo Geduld und Ruhe gefragt sind!
 
Rudolf Poiger: Lässt sich dein Trainingssystem widerstandslos umsetzen (nicht nur in Bezug auf Spieler)?
 
Thomas Hofer: Mit dem jetzigen Team können wir unser Trainingssystem 1:1 umsetzen und es sind auch keine Kompromisse mehr notwendig. Ich habe ein sehr kompetentes Trainerteam und Betreuerteam um mich und die Bedingungen in Rif sind hervorragend. Das einzige Problem kann entstehen, wenn wir im Herbst, wenn ein Training in Rif aus Lichtgründen nicht mehr möglich ist, nach Maxglan ausweichen müssen!
 
Mathias Juan Carlo Méndez: Wenn du ein System im Kopf hast und es umsetzen willst, wie gehst du vor? Weihst du alle Spieler in deine gesamten Überlegungen ein und hoffst, dass sie dann auf dem Platz intelligent spielen und trotzdem nicht überfordert sind, oder erzählst du den einzelnen Spielern gerade so viel, wie sie wissen müssen?
 
Thomas Hofer: Natürlich kennen unsere Spieler alle unsere Vorstellungen in taktischer Hinsicht (Offensive und Defensive) und das wird auch immer wieder trainiert und besprochen. Unsere Ideen setzen wir dann im Training in Gruppen oder mit der Mannschaft um, und das Individualtraining hilft dann, Schwächen einzelner Spieler in diesem Bereich auszumerzen.
Die Gefahr ist natürlich groß, die Spieler mit zu vielen taktischen Aufgaben zu überfordern. Hier ist die Kommunikation mit dem Team und mit einzelnen Spielern wichtig, dass solche Probleme sofort erkannt und im Keim erstickt werden. Unter dem ganzen taktischen Aspekt entscheidet jedoch noch immer die individuelle Klasse einzelner Spieler in entscheidenden Momenten über Sieg oder Niederlage. Daher bekommen im Offensivspiel diese Spieler von uns auch sehr viele Freiheiten!
 
Andreas Lindinger: Liest du auch taktische Analysen im Internet wie jene der Taktikblogs Ballverliebt, Zonal Marking oder Spielverlagerung? Was hältst du von Fußballdaten-Tools, die sämtliche Aktionen am Spielfeld aufzeichnen/analysieren (bspw. von Opta oder Impire) und den daraus möglichen Analysen?
 
Thomas Hofer: Natürlich schaut man sich hin und wieder mal solche Analysen an. Doch ehrlich gesagt bleibt für so etwas momentan kaum Zeit übrig. Solche Fußballdaten-Tools wären natürlich für einen Trainer eine tolle Sache um ein Spiel perfekt analysieren zu können. Doch solange wir uns im Amateurbereich bewegen ist für so etwas die Zeit sehr knapp und für uns momentan auch nicht finanzierbar!
Im Bereich der Videoanalyse haben wir uns vor kurzem für ein österreichisches System entschieden, dass wir mit Beginn der neuen Meisterschaft einsetzen werden. Dieses System, das auch von Topvereinen im internationalen Fußball (wie z.B. Real Madrid) eingesetzt wird, liefert mit einem überschaubaren Zeitaufwand schnelle und sehr gute Daten!
 
Rudolf Poiger: Jeder Spieler hat andere Sensibilitäten, wie gehst du damit um?
 
Thomas Hofer: Natürlich ist jeder Spieler vom Typ her anders und wird daher von mir auch dementsprechend behandelt! Ich bin für eine offene Kommunikation und meine Türe steht für die Spieler immer offen. Ich verlange von den Spielern Respekt, 100%iges Engagement und Ehrlichkeit und wenn meine Spieler das einbringen und die aufgestellten Regeln einhalten, dann wird keiner mit mir Probleme haben. Ich habe zu meinen Spielern immer ein gutes und korrektes Verhältnis und bringe ihnen diesen Respekt gegenüber, den ich von ihnen ebenso verlange!
 
Rudolf Poiger: Deine Schonungslosigkeit ist bekannt (auch dir selbst gegenüber), wo siehst du die Grenzen der Belastbarkeiten um Burn-outs zu vermeiden?
 
Thomas Hofer: Als Trainer im Grenzbereich zwischen Amateur- und Profifußball muss man natürlich immer darauf achten, dass man sich Pausen und Auszeiten gönnt. Als Chefcoach ist es sehr wichtig, dass du ein top Trainer- und Betreuerteam um dich hast, auf das du dich 100%ig verlassen kannst und das diese Kompetenz mitbringt, damit du die Aufgaben verteilen kannst. Beim derzeitigen Team ist das absolut der Fall und daher macht mir die Arbeit mit der Mannschaft und mit diesem Team auch so viel Spaß!
 
Andreas Lindinger: Wie ist die Aufgabenverteilung innerhalb des Trainerteams?
 
Thomas Hofer: In meinem Trainerteam sind die Aufgaben klar verteilt und ich nutze natürlich die Fachkompetenzen der einzelnen Personen. Die Planung der verschiedenen Perioden machen wir gemeinsam und während der Trainingswochen stimmen wir uns regelmäßig ab. Die Vorgaben für die jeweiligen Trainingseinheiten kommen von mir, bei der Auswahl und Umsetzung ihrer Übungen lasse ich ihnen jedoch sehr viele Freiheiten.
Herbert Laux ist für die ganze Leistungsdiagnostik sowie Kräftigung und Stabilität zuständig. Nebenbei kümmert er sich auch um die ganzen verletzten Spieler, damit diese so schnell wie möglich herangeführt werden und somit wieder ins Mannschaftstraining einsteigen können. Unterstützt wird er in diesem Bereich durch unseren Masseur Robert Kummer, der bei diesem dichten Spiel- und Trainingsprogramm vor allem im Bereich der Regeneration für dieses Team enorm wichtig ist.
Thomas Klochan ist für die Torhüter zuständig und aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung übernimmt er auch Bereiche des Ausdauer-, Kraft- und Schnelligkeitstrainings. Mein Assistent Christian Schaider kümmert sich um alle Bereiche. Seine Schwerpunkte sind jedoch die Pass- und Spielformen und die Arbeit mit der Mannschaft oder mit einer Gruppe im taktischen Bereich. Ebenso gehören Spielbeobachtungen und Spielanalysen zu seinem Aufgabengebiet.
 
Andreas Lindinger: Wie oft tauscht sich das Trainerteam der Kampfmannschaft mit jenem der 1b und der Nachwuchsmannschaften aus? Gibt es eine gemeinsame Austria-Spielphilosophie, die du gerne von der Kampfmannschaft bis zu den Nachwuchsteams verwirklicht sehen würdest?
 
Thomas Hofer: Der Austausch mit der 1b bzw. mit dem Nachwuchs ist bisher sicher zu kurz gekommen! Mit Peter Lissy (Trainer 1b) habe ich 1- bis 2-mal wöchentlich Kontakt und wir haben uns über die Spieler der KM sowie mögliche Kandidaten aus der 1b ausgetauscht!
Eine gemeinsame Austria-Spielphilosophie wäre natürlich wünschenswert, jedoch standen in meinem ersten halben Jahr bei der Austria andere Dinge im Vordergrund! Zudem muss gesagt werden, dass wir noch lange nicht so weit sind, damit wir uns mit großen Vereinen vergleichen können, die so etwas eingeführt haben!
 
Kevin Wrana: Was erwartest du dir von der neuen Saison? Und was werden deine persönliche Ziele sein? HaBo Borozni: Welche Ziele hast du mit der Austria? Markus Suler: Ist die Mannschaft schon reif genug um um den Aufstieg in die Erste Liga zu spielen?
 
Thomas Hofer: Das sind lauter Fragen, die nicht so einfach zu beantworten sind! Ich erwarte mir auf alle Fälle, dass wir den Anschluss zu den Spitzenteams in der Liga herstellen, und dass wir diese auch gehörig ärgern können. Wir wollen uns jedoch nicht unnötig unter Druck setzen und daher steht die Entwicklung der Mannschaft heuer noch im Vordergrund. Wir haben ein Konzept über zweieinhalb Jahre und da wollen wir den nächsten großen Schritt machen. Wir haben viele Spieler, deren Potential noch lange nicht ausgeschöpft ist und daher gilt es diese Spieler weiter zu entwickeln, damit sich schlussendlich das ganze Team entwickelt.
Wir sind im Vergleich zu den Teams, die Ansprüche auf einen Platz in der Relegation stellen, eine reine Amateurmannschaft und daher kann die Entwicklung naturgemäß nicht so schnell vor sich gehen wie eben bei einer Profimannschaft, der einfach um 2-3 Trainingseinheiten pro Woche mehr zur Verfügung stehen. Zudem ist diese Mannschaft ziemlich verjüngt worden und viele Spieler waren auch noch nie im Profibereich tätig. Wir werden jedoch alles Mögliche unternehmen, damit wir unserem großem Ziel – dem Aufstieg in den Profifußball – heuer näher kommen.
Ich denke und hoffe, dass wir dann nächste Saison mit 2-3 gezielten Verstärkungen soweit sind, dass wir das Ziel Aufstieg ausgeben können. Da müssen natürlich neben der sportlichen Entwicklung auch die wirtschaftliche Seite sowie die Infrastruktur passen. In diesen Bereichen wird daher auch mit Hochdruck gearbeitet. Für mich zählt einzig und allein die Austria und meine persönlichen Ziele sind daher dem Gesamtziel zu 100% untergeordnet!
 
Jerome Diamond: Was sagst du zu dem ganzen Theater bezüglich RB Anif neu, Anif alt?
 
Thomas Hofer: Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir seit meinem Entschluss zur Austria zu wechseln keine Gedanken mehr darüber gemacht habe. Anif hat gemeinsam mit Red Bull eine Entscheidung getroffen und jeder Verein muss Dinge so angehen und machen, wie er es für richtig hält. Das ist zu respektieren!
Es ist für uns viel wichtiger, dass wir uns 100%ig auf die Austria fokussieren und unseren eigenen Weg gehen und wir uns nicht mit anderen Vereinen oder Systemen beschäftigen! Diesen Weg können wir nur gemeinsam bestreiten und wir dürfen uns auch durch Rückschläge nicht von diesem abbringen lassen!
 
Flo Kreus: Was hat Michael Perlak was Lionel Messi nicht hat?
 
Thomas Hofer: Seinen alten Trainer! :) Spaß beiseite – Michi ist ein sehr, sehr guter Spieler und wird für uns sicher sehr wichtig und wertvoll sein, aber genauso wie Messi kann er nur glänzen, wenn er ein gutes und funktionierendes Team hinter sich hat!


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