Schluss mit Öde: „Grad-Wanderung“ zum Cup-Auftakt

25. Juli 2025

Zum Pflichtspielstart ins Profijahr hat die Austria ein äußerst anspruchsvolles Cup-Los gezogen: ASKÖ Oedt hat Geld, Gönner und die Gunst, unserer Mannschaft einmal mehr in der Frühphase einer Saison, noch vor Meisterschaftsauftakt zu begegnen.

Am 6. September erst, schließt heuer das Transferfenster. Praktisch, zumal ja noch eifrig am finalen Kader gebastelt wird bei der Austria. Vor allem auf durchschlagskräftige Stürmer hin durchleuchtet man den Markt, tut dies im Rahmen eines begrenzen finanziellen Rahmens und muss sich dabei zwangsläufig etwas in Geduld üben.

Grad noch gesehen: Bekannte Gesichter beim Gegner

Doch der Terminkalender ist unerbittlich, das erste Pflichtspiel ruft und es erfordert eine schlagkräftige Truppe bereits diesen Samstag. Gegner ASKÖ Oedt hat die Regionalliga Mitte als Vierter beendet, sich im Sommer weiter verstärkt und ist auch der Austria seine Visitenkarte nicht schuldig geblieben:

Mitte Februar setzte es in einem Testspiel in Maxglan eine 1:5-Niederlage gegen die Oberösterreicher, damals noch trainiert von Gerald Baumgartner, Ex-Austria-Coach im Zweitligajahr und nunmehr Sportdirektor bei den Oedtern. Für die tägliche Arbeit auf dem Platz hat die Truppe im Sommer Hans Kleer übernommen – ein Mann, den wir 2014 kennengelernt haben, als er beim FAC das Zepter geschwungen und sich in den Relegationsspielen zum Zweitligaaufstieg durchgesetzt hat.

Gerald Baumgartner in Diensten von Austria Salzburg
Gerald Baumgartner stand (bzw. saß) bei unserem letzten Zweitliga-Abenteuer vor zehn Jahren an der Seitenlinie. Foto: GEPA pictures/ David Rodriguez Anchuelo

Interessiert kaum wen. Aber Franz!

Wenn wir über prominente Namen bei Oedt sprechen, kommen wir am schillernden Präsidenten nicht vorbei: Transportunternehmer Franz Grad – in den Neunzigern tragender Akteur bei der Fusion der beiden Linzer Großklubs, die er selbst längst als Fehler bezeichnet, und später erfolgreich bei Pasching den Aufstiegsturbo gezündet – hat sich inzwischen dem Linzer Umland verschrieben. Im westlichsten Stadtteil des östlich an die Landeshauptstadt grenzenden Traun spielt man in den Farben rot und weiß Stocksport, Tennis und – eben dank Franz Grad auch ganz ansehnlich – Fußball.

Das Engagement des gebürtigen Bad Leonfeldeners bei ASKÖ Oedt geht nun schon ins 14. Jahr. Beseelt, eigenwillig und streitbar wird der Transdanubia-Gründer wie eh und je wahrgenommen. Pragmatisch oder verrückt, außergewöhnlich oder skurril – eine Frage der Zuschreibung, die wir vor diesem Wiedersehen nach so langer Zeit einfach mal offen lassen.
Hartnäckigkeit kann dem Mann mit der schwarzen Kappe aber definitiv nicht abgesprochen werden: Ganze 28 allseits bekannte Anhänger, hat sich ein Austria-Fan aus dem nahen Marchtrenk am Montag beim Oedt-Obmann kundig gemacht, begrüßen die Rot-Weißen in der Regel so beim typischen Heimspiel – für den Mäzen nicht der Gradmesser, kein Grund für den 86-Jährigen, sein Geld auf fruchtbareren Fußballböden zu investieren.

Franz Grad
Franz Grad, dessen Salzburg-Bezug übrigens Bad Gastein ist – dort und im Mühlviertel hat der Unternehmer seine ersten Lebensjahre verbracht. Foto: GEPA pictures/ Felix Roittner

Linzer riecht Lunte

Dafür, dass am Ende nicht wir alt aussehen, soll ausgerechnet jener Mann aus unseren Reihen sorgen, den sie in Oberösterreich am besten kennen: Mit Neuzugang Tobias Pellegrini stürmt jetzt ein Linzer auf sein Heimatbundesland los, der dort praktisch schon in jede Wäsche geschlüpft ist: LASK, Blau-Weiß, Vorwärts Steyr – dem 29-Jährigen ist kaum noch ein Klub fremd im oberösterreichischen Zentralraum.

Tobias Pellegrini - der Linzer im Dress von Austria Salzburg
Tobias Pellegrini – der Linzer im Dress von Austria Salzburg. Foto: GEPA pictures/ Mathias Mandl

Seine Offensivkraft und im Kollektiv eine Bestätigung der rundum gelobten Leistungssteigerung im Test gegen den BVB II würden direkt helfen, die Mittel zu maximieren um Pellegrini demnächst einen hochkarätigen Sturmpartner an die Seite stellen zu können. Die Prämien aus dem UNIQA ÖFB-Cup gilt es als frischgebackener Bundesligist schon deshalb unbedingt abzustauben, mal abgesehen davon, wie wertvoll das Erreichen zumindest der zweiten Runde auch fürs Prestige wäre.

Christian Schaider

„Die letzten zwei Wochen waren sehr aufschlussreich. Die Mannschaft kommt immer besser in Schuss, was Fitness und Automatismen betrifft.“

– Christian Schaider, Cheftrainer

Zum Kotzen-

und Deckenschmiegen fahren wir jedenfalls nicht in die 25.000-Einwohner-Stadt im Zeichen des Antoniuskreuzes, obwohl wir uns warm anziehen müssen, mitten in den Hundstagen im Linzer Speckgürtel. Neben der Ersten oberösterreichischen Decken- und Kotzenfabrik ist das industriell geprägte Traun außerdem zu verbinden mit Österreichs größtem Fensterhersteller und den berühmten Pez-Bonbons des dort ansässigen Süßwarenproduzenten Haas.

Wappen von Traun
This is Traun.

Damit zum Start nicht Saures aus dem Spender kommt, müssen unsere Violetten mit der Bereitschaft eines Bundesligisten zu Werke gehen – dann sollte auch bei einer der stärksten Regionalliga-Mannschaften Österreichs zu bestehen sein.
Für die Wiener Austria wär’s im Vorjahr um ein Haar schief gegangen bei Grads galligen Grasfressern – seien wir also gewarnt und gewappnet vor dem, was uns in Oberösterreichs immerhin fünftgrößter Kommune am Samstag erwartet.

Glasklare Sache oder hart im Abgang?

Kulturell interessierten Austrianern ist ein Abstecher zum Schloss Traun ans Herz zu legen, ein Renaissanceschloss aus dem zwölften Jahrhundert mit barocker Kapelle und idyllischer Gartenanlage im Innenhof als Wahrzeichen der Stadt; alle, die noch die Ruhe vor dem Sturm suchen, sollten ungeachtet des Wetters gleich den Oedter See ansteuern, jenen künstlich angelegten Badesee, wo auch einige der raren Parkplätze vorzufinden sind; und genussaffinen Austrianern sei das Traun Vinum empfohlen, ein großes Weinfest, welches, wie passend, jährlich am letzten Juliwochenende stattfindet.

Am Ende möge es aber vorrangig für die Heimischen zum „Weinen“ sein, wenn wir ab 17 Uhr mit all unseren vielen Helfern hoffentlich besser ernten.

krone.tv Logo

Das Spiel wird ab 16:55 Uhr live auf krone.tv übertragen!

Text: Christoph Fazekas – ChrisTEXT.com | Fotos: GEPA pictures

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