Zu/m Schwärmen: Vienna, Honey! Mit Eichhörnchen-Hetz in Gegners weißes Wabennetz

6. August 2025

Ihrem Wappen nach ist die Vienna dreibeinig. Als Außenseiter wären wir am Freitag schon glücklich, nur einen Fuß in die Tür zu bekommen im Wohnzimmer der Wiener Fußballromantik, wo wir mit beiden Beinen ankommen möchten in Liga zwei.

Gespannt folgen eine Handvoll Austrianer dem knallrot lackierten Zeigefinger einer kundigen Dame, mit dem diese die polizeilich verordnete Pufferzone neben unserem Sektor beim bevorstehenden Gastspiel auf der Hohen Warte luftnachzeichnet. Nach besten Möglichkeiten versucht die Gute zu erklären, wofür sie sich selbst ein Augenrollen sichtlich verkneifen muss. Recht viel Verständnis konnte selbst die herzlich-nette Ines nicht herbeizaubern, aber sie hatte Karten dabei, die nichtsdestotrotz weggingen wie die warmen Semmeln.

Und wann erlebst du das schonmal: des nächsten Gegners charmante Vereinsmeierin im Austria-Kassenhäuschen, die dir nach Spielschluss in Maxglan genau das verkauft, was du jetzt brauchst – mit ureigener Vorfreude und einem Lächeln im Gesicht …

Von der Venus, von der Vienna: Ines Schnell – letzten Freitag zu Gast im Austria-Kassahütterl. (c) Mario Lang

Vom Rossbrand zur Skyline

Dabei ist der Grund schnell erklärt: Ines, seit 2022 Fanbeauftragte bei der Vienna, stammt aus dem schönen Ennspongau. In der Familie war sie stets umgeben von glühenden Anhängern unserer Violetten – der Papa schwärmend vom Tag des legendären Spittal-Heimspiels, an dem Ines’ Bruder zur Welt kam, die auch dieser sich längst nicht mehr ohne Austria Salzburg vorstellen möchte.

Die große Schwester hat’s irgendwann aber in die weite Welt gezogen. Eben in der Bundeshauptstadt, wo Ines als Sozialarbeiterin tätig ist, hat sie sich 2009 mit der alten Vienna ihr neues Elixier gefunden. Zum ersten Date mit den Döblingern ging’s für die Radstädterin gemeinsam mit ihrem Freund, wobei ihr das mit dem Verlieben auch der Verein sehr leicht gemacht hat, wie sie sagt: „Mir gefällt, dass die Vienna für alle Menschen offen ist – auch für solche, die noch nicht so lange in Wien sind“, schwärmt Ines von der Heterogenität im Fanblock und vom Klima im Klub, das sich durch flache Hierarchien und große Offenheit auszeichne.

Zu ihren ersten Höhenflügen im Fußball setzte Ines einst in Salzburg an; stolz vorgeführt die Urutensilien 1994 am Tag nach dem UEFA-Cup-Finalrückspiel. 2023 herzte sie Marinko Sorda zusammen mit einem Vienna-Spieler beim Freundschaftsspiel auf der Hohen Warte. Und in Maxglan: Ines wohlbehütet im Salzburg-Sandwich ihrer Familie; links Papa Sepp, rechts Bruder Josef, der fürs Vienna-Spiel von Liverpool aus die Daumen drückt – für Austria Salzburg, versteht sich.

Döbling damals

Nachhaltig in den Bann gezogen hat die Wahlwienerin die sehr besondere Heimstätte der Blau-Gelben, welchem heute der ambivalente Begriff „Naturarena“ vorangestellt ist.
Am östlichsten Ausläufer des Wienerwaldes, zwischen Heiligenstadt und Unterdöbling, erhebt sich dieser ominöse Hügel, auf dem die „Hohe Warte“ liegt.

Hochgefühl auf der Hohen Warte: Ines Schnell 2021 als Meisterin der Wiener Stadtliga mit ihrer Vienna. „Blau-gelb ist mein Herz, ich sterb’ in Döbling, aber die Austria aus Lehen kann mir keine*r nehmen“, lässt die – pssst – vitale „Vienna-Vierzigerin“ stolz wissen.

Zu Zeiten ihrer Eröffnung 1921 war das auf einem alten Ziegeleigelände errichtete Oval das größte Fußballstadion Kontinentaleuropas. Aber auch Boxkämpfe und kulturelle Veranstaltungen fanden in der Frühzeit des Stadions darin statt, im Sommer 1924 etwa Giuseppe Verdis Oper „Aida“ mit tausend Mitwirkenden und 12.000 Menschen im Publikum – ob sie uns 101 Jahre danach im Falle eines Torerfolges nochmal den Triumphmarsch daraus abspielen würden?

Die Hohe Warte aus heutiger Sicht

35 Länderspiele hat die Österreichische Nationalmannschaft hier an der Wiege des legendären „Wunderteams“ ausgetragen, wo dieses, bei insgesamt sehr erfolgreicher Bilanz, 22 Siege feierte – dem 5:0 gegen Schottland, welches als dessen Geburtsstunde gilt, folgte bald ein ebensolches gegen Deutschland; außerdem zählt der in aller Munde gebliebene 8:2-Kantersieg gegen Ungarn zu den rot-weiß-roten Sternstunden auf der Hohen Warte.
Immerhin zu einem torlosen Unentschieden reichte es am 15. April 1923 gegen Italien. Keine Tore, aber – zumindest aus heutiger Sicht – unglaublich viele Menschen im Stadion, die diesem damals offiziell „Länderkampf“ beiwohnten: um die 85.000 Zusehende, wie es heute offiziell heißt bei der auffällig zeitgeistigen Vienna – Rekordkulisse.

Angesichts dessen schon bedauerlich, dass man sich mehr als hundert Jahre später schwer tun muss damit, schlicht ein nationales Zweitligaspiel mit vierstelliger Besucherzahl gelassen über die Bühne zu bringen. Veranlassung zu Verunsicherung besteht keine, ganz im Gegenteil: Großen gegenseitigen Respekt haben die beiden Fanlager einander erst im Februar 2023 gezollt, als eine zahlreich vertretene violette Fangemeinde den bekannt fairen Vienna-Supportern im Rahmen eines Vorbereitungsmatchs, das wahrhaftig als Freundschaftsspiel zelebriert wurde, gegenübergestanden ist.
Nur festgehalten an der Stelle: Den Traditionsverein selbst trifft keine Schuld am zaghaften Vorgeplänkel, der muss umsetzen was Vorgabe ist – und kann sich in gewissen Belangen noch vergleichsweise glücklich schätzen …

Blaue Stunde bei den Blau-Gelben, Flutlichtfußball auf der Hohen Warte mit privilegiertem Panorama auf die Skyline der Bundeshauptstadt. (c) Christian Hofer

Wiener Bienen

Denn es geht beim ältesten Fußballklub Österreichs, der als solcher auch Mitglied im „Club of Pioneers“ ist, oft durchaus mehr als unserorts: Während wir uns mit unserem geschätzten Gegenüber am atmosphärisch hochwertigen Flutlichtspiel erfreuen, tut dies auch dem Gedeih von fünf Bienenvölkern mit summa summarum 250.000 brummenden Bestäubern, welche die Vienna gemeinsam mit der Bezirksimkerei auf der Hohen Warte beherbergt, keinen Abbruch.

Muss anderswo in Flutlichtfragen um einen bloßen Bescheid gerungen werden, der eben mal so über Wasser hält, geht das mitten in der Hauptstadt fix – und zusätzlich zum Papier darf sich die Vienna über ihren eigenen Bio-Honig freuen, den sich besonders die bewussten Genießer aufs Butterbrot schmieren. Ihr hört schon das Salzburger Summen: Bienen und Bundesliga, das ist doch mehr als grenzwertig …
Grenzwertig? Gütesiegel! Während bei uns nur die strengsten Auflagen picken, werden dem zertifizierten Vienna-Honig sogar optimale Haltungs- und Umgangsformen mit der fleißigen Insektengruppe bescheinigt – flutscht!

Leben wir wirklich alle unter dem selben Himmel? Wer an österreichweit einheitliche, durchwegs logische Bestimmungen rein im Sinne des Artenschutzes glaubt, der glaubt wohl auch an lila Bienen. >> Visualisierungen generiert mit KI – Microsoft Bing / DALL·E

Letzte Folge 2023: Als die violetten Musketiere den „Wald“ verließen

Ja, gewisse Sachen kannst du nicht erfinden. Doch wenn’s drum geht, im Freitagabend-Topspiel beim Titelaspiranten zu bestehen, müssen Ideen her. Das betrifft natürlich auch für dieses Spiel einen deutlich gefährlichen Angriff, der aufzubieten ist, will das violette Eichhörnchen zum Punktesammeln durchdringen im dichten „Vienna-Wald“ – ein solcher ist in Hainburg übrigens tatsächlich im Entstehen …

„Männchen machen“, wenn man so will, gut „stehen“ oder zumindest auf eine ganze andere Weise „Acht geben“ als beim Testtiefschlag vor zweieinhalb Jahren (1:8) heißt es aber auch für unsere Defensive, die sich beim gereiften Aufstiegskandidaten Klasseleuten wie Marco Djuricin entgegenstellen muss.

Moritz Eder war schon beim Auftakt kaum zu stoppen, hat in dieser Situation einen Elfmeter herausgeholt. Foto: GEPA pictures/ Harald Steiner

Vienna versucht Vollendung

Im Sommer aus Stripfing geholt, soll der 32-Jährige dazu beitragen, den steinigen Weg noch ein Stück weiterzupflastern, den die Vienna 2017 – nach Insolvenz und Beinahe-Konkurs – von der im Ligenbaum fünftklassigen zweiten Wiener Landesliga aus nehmen musste.
Sein erstes Saisontor hat Djuricin gleich zum Auftakt beigesteuert – und pikanterweise Ex-Arbeitgeber Stripfing ins Nest gelegt: es war die Führung beim souveränen 2:0-Startsieg der Döblinger in Stripfings Floridsdorfer Bleibe.

Schon in der Vorsaison als Mitfavorit gehandelt, möchten es die wiederaufstrebenden Pioniere diese Saison wissen: Die Vienna strebt Platz eins an, will jetzt auch den Sprung in die oberste Spielklasse schaffen und hat dies vor Saisonstart selbst offensiv verlautbart.

Bereits prächtig warmgelaufen im Dress der Vienna: Marco Djuricin. Foto: GEPA pictures/ Armin Rauthner

Rauf oder Romantik? Rothschilds Erben auf bestem Weg „Zur schönen Aussicht“

Wir werden uns also mächtig ranklammern müssen, um etwas mitnehmen zu können bei den Jungs von Aleksandar Gitsov und Mehmet Sütcü, die – entsprechend den Vorstellungen von Sportdirektor Andreas Ivanschitz – nunmehr in Doppelspitze das Traineramt bekleiden. Von Co. Roman Kienast prominent unterstützt, werden sich letztlich alle am selbst gesteckten Ziel des Vereins messen lassen müssen, wie auch Präsident Kurt Svoboda im Sommer bei einem Fernsehinterview bekräftigte.

Die größten Erfolge der Vienna sind alt. Im Jahr des ersten Meistertitels gesellte sich für die Döblinger der ganz besondere Titel in „ihrem Bewerb“, dem Mitropacup, jenem Europacup-Vorläufer, in dem die Wiener als einzige überhaupt während des gesamten Wettbewerbs über all die Jahre ungeschlagen blieben.
Einzigartig auch, dass der First Vienna FC mit dem Österreichischen, dem Österreich-Ungarischen und dem Deutschen gleich drei nationale Pokalwettbewerbe gewinnen konnte.

Unsere Aufstiegsträume haben sich erfüllt. Jene der Vienna sind noch ambitionierter – am Freitagabend stellen wir sie auf den Prüfstand. Foto: GEPA pictures/ Harald Steiner

Erreicht der sechsfache, letztmals 1955 Österreichische Meister sein Saisonziel, dann wäre das für die Vienna ihr dritter Zweitliga-Gewinn, der erste seit 40 Jahren – und unweigerlich damit verbunden: ein dickes Fragezeichen für den Fortbestand der Hohen Warte in ihrer jetzigen Form als nostalgische Naturarena.
Wollen sie das wirklich, die Erben der britischen Landschaftsgärtner um Baron Rothschild, auf die der First Vienna Football-Club 1894 und überhaupt das Fußballspiel in Österreich als solches zurückgeht? Wir könnten uns dem ja für 90 Minuten entgegenstellen am Freitag …

Dreams of Döbling und violettes Gegenmittel: Präsent sein statt Geschenke verteilen!

Der Traum von Vienna-Fanbetreuerin Ines ist es jedenfalls, einmal die Frauenmannschaft der Döblinger auswärts zu einem Champions-League-Spiel begleiten zu dürfen.
Unserer: Dass ihr blau-gelbes Baumwollsackerl mit dem ikonischen, stets beibehaltenen Isle-of-Man-Vereinswappen von Gründervater William Beale, welches die sympathische Pongauerin mit Herzensgüte einem Austrianer schon auf dessen geringstes Begehren hin als Geschenk überlassen hat, nicht alles ist, was wir vom Aufstiegsanwärter abhaben können – sondern dass es bei der First Vienna die ersten Punkte für die Austria gibt!

Text: Christoph Fazekas – ChrisTEXT.com

Anstoß 20:30 Uhr // Hier gibt’s noch Restkarten!

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ORF Sport Plus überträgt den Kult-Kracher live ab 20:15 Uhr.

Zu Gast im Wohnzimmer des Wiener Traditionsfußballs – pure Romantik, oder? Mit RenoWa >>

>> wo Wohnraum wieder wohnlich wird.

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Hinkommen

Die Hohe Warte ist super an den öffentlichen Verkehr angebunden – also lasst das Auto zu Hause und spart euch Parkplatzsuche & Stau.

  • Mit der U4 bis Station Heiligenstadt, dann seid ihr zu Fuß in 7 Minuten beim Stadion
  • Die Straßenbahn-Linie D bringt euch fast bis vors Stadiontor. Aussteigen bei Gunoldstraße oder Heiligenstadt. Auch die Linie 37 vom Schottentor kommend hält quasi vor dem Stadion, Ausstiegsstelle Barawitzkagasse.
  • Buslinie 10A bis Barawitzkagasse – nehmen – ebenfalls easy! Ansonsten auch Linie 39A, 11A, 38A, 400, 5B oder SV945 bzw.
  • S-Bahn S40, S45, R40, REX4, REX41:
    Station Heiligenstadt, Fußweg wie bei der U4.

Per Verbrenner zur Vienna? Bitte nur, wenn’s unbedingt sein muss – und Achtung: Rund ums Stadion ist Kurzparkzone. Parkplätze sind Mangelware, also früh dran sein oder noch besser eben: Öffis nehmen!

Adresse fürs Navi:
Naturarena Hohe Warte, Klabundgasse 11, 1190 Wien

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