25 Jahre UEFA-Cup-Finale: Erinnerungen aus zwei Perspektiven

Anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums des UEFA-Cup-Finales in Mailand haben wir Peter Artner und Alexander Salvatore zum Doppelinterview gebeten.

Interessante Sichtweisen eines Spielers der heute erfolgreicher Unternehmer (www.artner.or.at) ist und unseres Vorsängers, der damals als junger Teenager in Mailand dabei war.

Wie präsent sind Eure Erinnerungen an das Spiel vor 25 Jahren? Denkt Ihr oft daran zurück?

Peter: Präsent ist es immer wieder wenn man darauf angesprochen wird. Und ich denke an die Zeit in Salzburg mit voller Freude und immer wieder gern zurück. Ich hab bei euch die schönste Zeit in meiner Karriere erlebt und bin sehr dankbar, dass ich da dabei war und meinen Anteil an den Erfolgen beitragen konnte.

Salva: Ich kann mich noch an alles erinnern wie wenn es gestern gewesen wäre. Der Tag war trotz Niederlage einer meiner schönsten überhaupt. Allein schon die Tatsache, dass unsere Austria im San Siro Stadion und das noch dazu im Europacupfinale aufgelaufen ist, war unglaublich. Zur damaligen Zeit sicher das Zentrum des Europäischen Fußballs und der Fankultur.

Wie verlief die Vorbereitung auf das Rückspiel in Mailand bei Euch? Es war immerhin das größte Spiel der Vereinsgeschichte – macht man da irgendetwas anders oder ist es derselbe Ablauf wie vor allen anderen Spielen auch?

Peter: Bei uns gab es keine spezielle Vorbereitung. Der Ablauf war im Endeffekt normal und so wie immer. Bei solchen Spielen brauchst du dir auch nichts Besonderes einfallen lassen – da weiß jeder um was es geht und dass man das Optimum rausholen muss weil wir sonst sowieso keine Chance haben.

Salva: Es war alles sehr spannend, erst drei Tage vor Spielbeginn haben wir die begehrten Finalkarten bekommen. Einen Tag vor dem Finale haben wir dann noch ein Transparent bei meinen Eltern im Wohnzimmer mit der Aufschrift „Bischofshofen grüßt Franz Aigner und sein Team“ angefertigt. Meine Mutter hat mich dann zwei Tage von der Schule genommen, das Spiel war ja unter der Woche und so sind wir dann mit meinem Vater und Bruder per Auto nach Mailand gefahren.

Auf einer Skala von 19 bis 33 (höchster Wert) – wie nervös wart Ihr zu Spielbeginn?

Salva: Ich glaub Zahl wäre zu hoch und würde den freien Platz hier sprengen

Peter: 18 … es war eine meiner Stärken, dass mich solche Spiele nicht besonders bewegt haben. Wenn du nervös bist, dann kann dich das in gewisser Weise beschränken. Je mehr Leute waren und je wichtiger das Spiel war, desto mehr Freude hab ich gehabt. Ich hab mich auf jedes Spiel gefreut und wollte immer schnell raus und endlich zum Kicken anfangen.

Die Mannschaft hat sich am Weg ins Finale in einen wahren Rausch gespielt. Ich persönlich war selbst nach der Hinspielniederlage absolut davon überzeugt, dass die Austria nach dem Spiel als Europacupsieger feststeht. Ihr auch?

Peter: Wir haben alle fest daran geglaubt. Wir haben in den Spielen davor gegen Eintracht Frankfurt und den KSC und auch beim Hinspiel gezeigt was wir können. Und wir haben zu Recht daran geglaubt, wir hätten das Finale ja im Rückspiel wirklich noch drehen können. Im Endeffekt sind wir an der eigenen Chancenverwertung und einem Walter Zenga, der einen grandiosen Tag erwischt hat, gescheitert.

Salva: Natürlich war ich vom Sieg überzeugt. Zu dieser Zeit hat ganz Österreich an den Sieg im Rückspiel geglaubt. Außerdem bin ich immer noch der Meinung, dass der Ball von Marquinho hinter der Linie war. Hätte der Schiedsrichter das Tor gegeben wäre es 1:1 gestanden und alles wäre noch möglich gewesen…

Wie habt Ihr die Stimmung im San Siro (auch von den mitgereisten Austrianern) wahrgenommen?

Salva: Die Stimmung war Top. Natürlich war die Fanszene zu dieser Zeit noch nicht so gut organisiert und die Fangesänge waren auch nicht so abwechslungsreich wie heutzutage. Für damalige Verhältnisse war es trotzdem unglaublich, wenn nicht sogar einzigartig mit welchem Enthusiasmus die Leute dabei waren.

Peter: Das war einfach arg. Wir haben immer eine Top-Stimmung gehabt. Es war so eine Euphorie da, die ich davor oder danach nirgends mehr erlebt habe. Das hat uns total mitgetragen, dass jeder daran geglaubt hat – und da sieht man was gemeinsam möglich ist. Diese Erinnerungen, Erlebnisse und die erfahrene Unterstützung aus ganz Österreich werde ich nie vergessen, das ist bei mir ganz tief im Herzen verankert.

Was für England das Wembley-Tor ist, ist für uns in umgekehrter Version der Lattenpendler von Marquinho in der 57. Minute beim Stand von 0:0. Tor oder kein Tor?

Salva: Wie vorhin schon gesagt, ich bin davon überzeugt, dass es ein Tor war!!

Peter: Für mich war`s kein Tor, aber wir haben ja noch viele andere Chancen gehabt. Das Problem war, dass der Zenga – der Hund – alles gehalten hat. Der hat sich in den Spielen davor ein paar mal angeschüttet, daher war die Devise möglichst viel zu schießen. Von mir hat er auch einen gehalten wo kein Mensch weiß wie er den rausgeholt hat.

Peter, du standst sowohl beim legendären Spiel gegen die DDR 1989 als auch beim Spiel gegen Gastgeber Italien bei der WM 1990 in der Startelf der Nationalmannschaft. Waren das deine aufregendsten Spiele für Österreich?

Peter: Ja, beide Spiele zählen zu den geilsten die ich im Team gehabt habe. Gegen die DDR hat uns keiner zugetraut, dass wir das noch drehen und gegen Italien im Eröffnungsspiel einer WM zu spielen wo die ganze Welt zuschaut war schon was Besonderes. Aber es gab auch noch weitere ganz tolle Spiele, gerade vor der WM 90 in Italien. Da haben wir gegen Weltmeister Argentinien Unentschieden gespielt, gegen Europameister Holland daheim 4:2 gewonnen. Oder gegen Spanien, als wir auswärts 2:0 hinten waren und dann das Spiel noch gedreht haben. Ich hab im Nationalteam auch eine sehr gute Zeit erlebt, wir waren bei zwei Weltmeisterschaften dabei und waren eine sehr erfolgreiche Generation damals.

Salva, du galtst lange Zeit als passionierter Länderspielfahrer. Was war dein geilstes Spiel?

Salva: Ich hab zwei Spiele an die ich mich besonders gern zurück erinnere. Österreich : Italien 98 bei der WM in Paris. Ich war damals Mitglied bei der TGS, wir sind per 9 Sitzer angereist – es war eine legendäre Auswärtsfahrt! An die geschaffte EM Quali in Stockholm erinnere ich mich auch gern zurück, leider war die EM dann nicht so toll…
Generell hab ich mir vorgenommen in Zukunft nur mehr Leckerbissen rauszusuchen, die Zeit lässt einfach nicht mehr zu und Priorität hat natürlich die Austria!

Peter, deine Karriere führte dich von der Austria (2 Meistertitel, Champions-League-Teilnahme, 99 Bewerbsspiele, 7 Tore) nach Spanien und Italien, bevor du sie mit einem Engagement in Sankt Pölten beendet hast. Hinzu kommen 55 Spiele fürs Nationalteam. Wie hat sich dein Leben nach der Karriere entwickelt?

Peter: Ich hab, wie viele andere auch, den Trainerschein gemacht, es hat sich aber zu der Zeit nie wirklich was ergeben. Ich hab somit meine Firma weiter aufgebaut – ich war während meiner Karriere als Spieler ja schon Selbstständig. Hab dann zusätzlich nebenbei die FIFA-Spielervermittlungslizenz gemacht und auch recht erfolgreich ein paar Spieler gemanagt. Das viele und ständige Unterwegssein wollte ich mit der Zeit nicht mehr und hab mich wieder ausschließlich auf meine Firmen fokussiert und das hat eine gute Dynamik bekommen. Man hat dann natürlich auch eine Verantwortung für seine Leute – und so bin ich im Geschäftsleben geblieben. Ich hab mich nicht bewusst dafür entschieden nichts mehr im Fußball zu machen, es hat sich einfach so entwickelt.

Zurück zur Austria. Verfolgst du den Verein auch 25 Jahre nach dem Europacupfinale noch?

Peter: Ich war beim Relegationsspiel gegen den FAC in Wien dabei – jetzt von der Salzburger Liga krieg ich in Wien natürlich weniger mit, aber soweit es geht verfolge ich das Ganze schon. Hab mich sehr gefreut wie es wieder in die 2. Liga gegangen ist und war dann schwer enttäuscht als es wieder runter ging, weil es mir schon am Herzen liegt. Würde mich in jedem Fall sehr freuen, wenn es jetzt wieder nach oben geht.

Salva welche Erinnerungen hast du an Peter Artner? Er wurde zwar medial nicht so gehypt wie Otto, Heimo und Sali – war dennoch in vielen Kreisen genau so beliebt und angesehen.

Salva: Ich hatte damals in Mailand sogar sein Dress mit der Nummer 8 an. Und zwar auch aus folgendem Grund: Wie du schon gesagt hast, waren andere Spieler mehr im Mittelpunkt und wurden fast groupiehaft verehrt von vielen Fans. Im Fanshop war an jenem Tag in meiner Größe „nur mehr“ das Dress von Peter Artner verfügbar. Damals war das eine kleine Enttäuschung für mich, rückblickend muss ich sagen – ich hatte echtes Glück. Der Peter war einfach ein geiler Spieler und Typ. Zum letzten Mal gesehen, habe ich Peter Artner beim unserem Relegationsspiel in Wien gegen den FAC. War sehr cool, dass er vor Ort war und uns die Daumen gedrückt hat!

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