Aufstiegslust trifft Abstiegsangst: Austria am Samstag in Strobl

Größer könnten die Gegensätze nicht sein: Nachdem am vergangenen Wochenende das „Team der Stunde“ erfolgreich in Maxglan abgefertigt wurde, bekommt es die Austria diesen Samstag mit der formschwächsten Mannschaft der letzten Wochen zu tun.

An diesem 25. Spieltag ist es exakt 25 Jahre her, dass sich Austria Salzburg im UEFA-Cup-Finalrückspiel endgültig in die Herzen von Europas Fußballliebhabern geschossen hat. Obwohl sich am Ende Inter Mailand die Gravur an der Silberware sichern konnte, kannte dieser Abend in San Siro – wohl der glorreichste in unserer langen Vereinsgeschichte – keinen Verlierer. Spätestens der legendäre Stangenpendler von Marco Antonio dos Santos, dessen Künstlername Marquinho uns Austrianern auch heute noch mit Leichtigkeit von der Zunge rollt, hat auch den deutschen Sport-Boulevard dazu veranlasst, Eintracht Frankfurt und dem Karlsruher SC die „Schmach“ des Ausscheidens gegen die „Ösis“ nachzusehen. Nach heutigem Standard wäre den Unparteiischen bei dieser Szene die Torlinientechnik zu Hilfe gekommen – und wir hätten die Geschichte vielleicht mit einem Happy End in Violett schreiben dürfen, wer weiß denn schon. Aber ist diese Legende für die Ewigkeit nicht sogar wertvoller, als es der jedes Jahr zu neu vergebende Europacuptitel je sein hätte können?!

Von Europa lernen

Noch ein bisschen mehr Europa gefällig, zwei Wochen vor der Europawahl? Auch die Aktualität der Woche im Europacup lehrt uns wertvolle Dinge mit Möglichkeit eines Rückschlusses auf unsere Sphären der nationalen Noch-Viertklassigkeit: Ein Vorsprung – auch nicht ein großer, auch nicht kurz vor Schluss – ist kein Ruhekissen. Für den Fall, dass die warnenden Beispiele unserer Auftritte in Kuchl und Thalgau nicht eindrücklich genug gewesen sein sollten, wurde besagte Erkenntnis in den letzten Tagen in Liverpool und Amsterdam eindrucksvoll unterstrichen.

Gut nur, dass es zum Verteidigen des Neun-Punkte-Abstandes auf die Nicht-Aufstiegsränge zunächst nur zu den „Reds“ nach Strobl geht. Die sind derzeit sowas wie die Prügelknaben der Liga: Nach einem Remis zum Auftakt stehen bei den Jungs vom Wolfgangsee zuletzt sechs Niederlagen en suite zu Buche. Ein Ende des Katastrophen-Frühlings am Salzkammergut ist wohl nicht in Sicht, auch die Austria hatte in der Hinrunde keine Mühe und siegte gegen den nunmehr Vorletzten der Tabelle mit 5:0. Während unsere Mannschaft die Konzentration hochhalten muss, um ihren großen Vorsprung ins Ziel zu bringen, müssen die Strobler im Finish bei nur noch einen Zähler Vorsprung um jeden einzelnen Punkt ringen.

Fast alle fit

Fast aus dem Vollen schöpfen kann Trainer Christian Schaider am Samstag, allein Danijel Morariju ist weiterhin krank und Hannes Endletzberger könnte eine geprellte Zehe einen Einsatz in Strobl verhindern. Schaider: „Wir hoffen, dass Hannes noch rechtzeitig fit wird, damit wir nicht wieder umstellen müssen und nach sieben Spielen endlich wieder mit der gleichen Aufstellung beginnen können. Unser Ziel ist ganz klar ein Sieg in Strobl, damit wir den Druck auf die Verfolger Neumarkt und Kuchl weiter erhöhen und den nächsten Schritt Richtung Aufstieg machen.“

Vergangenheit ehren – Gegenwart leben – Zukunft sichern

Insgesamt ist unsere Bilanz gegen Strobl freilich nicht makellos, der angesprochene Sieg war der einzige in bislang fünf Liga-Aufeinandertreffen seit unserer Wiedergründung. Christoph Laimer im Kasten der Gastgeber ist aber nicht Walter Zenga, somit sollte es in der aktuellen Situation nicht unverschämt sein, die drei Punkte aus Strobl fest einzuplanen.

Ein ziemlich normales Spiel an einem besonderen Tag: das steht uns am Samstag um 17:00 Uhr also bevor. Unser Verein hat seit seiner Wiedergründung längst neue Legenden gebildet und mit vielen weiteren Gänsehaut-Kapiteln stets fleißig an seiner ruhmreichen Geschichte weitergeschrieben. Denken wir an diesem Wochenende zurück an die heldenhaften Jungs von 1994 und begleiten wir gleichzeitig die Violett-Weißen von heute zum Auswärtsspiel ins Salzkammergut. Zur Unterstützung für unsere Mannschaft, für unsere herzallerliebste Leidenschaft, und diesmal ganz speziell: für unsere Europacup-Helden aus früheren Tagen, die es verdient haben, dass ihre glanzvolle Geschichte würdevoll in eine lebendige Gegenwart und eine violette Zukunft überliefert wird. Für die vielzitierte „Boygroup“, die für uns mehr ist als ein One-Hit-Wonder, weil wir auf „des wird’s in Soizburg nie mehr geb’n“ immer noch ein „Aber“ parat haben. Tragen wir wie jede Woche gemeinsam das stolze Erbe unserer Salzburger Austria weiter – es macht sonst niemand!

25. Runde SalzburgerLiga
SK Strobl – SV Austria Salzburg

Samstag, 17 Uhr, Strobl
SR: Samuel Sampl, Reinhold Klinger, Franz Schickbauer

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