Horr-ible time, Stadium fine – Freitagnacht in Favoriten

15. April 2026

Tags nach dem 113. Geburtstag von Franz Horr gastieren wir in jenem Stadion, das lange Zeit dessen Namen trug. Der Sozialdemokrat und Wiener Verbandspräsident hätte wohl seine Freude mit einem Spiel wie diesem bevorstehenden in „seinem“ Rund.

Veilchenzupfen zur Blütezeit der „Viola odorata“, der Spielplan gestaltet sich wie ein Erlebnisprogramm in diesem Frühjahr. Wieder geht’s für uns nach Wien, wieder jedoch vorbei an den pittoresken Schönheiten der Bundeshauptstadt – diese werden uns nur am Rande tangieren, wenn wir am Freitagabend nach über zwei Jahrzehnten wieder einmal zu Gast am Verteilerkreis Favoriten sind.

Gegen die Admira noch in der Kurve, in Wien schon wieder am Kurbeln? Ein Fragezeichen bleibt hinter einem möglichen Einsatz von Denizcan Cosgun – ungewiss außerdem, ob Simon Nesler-Täubl wie gewohnt zwischen den Pfosten stehen wird können. Photo: GEPA pictures/ David Geieregger

From the Westside to the Eastside

Letztmals, in den frühen 2000ern, begegneten wir den Fans der Wiener Austria noch, als die sich auf der Westtribüne des alten „Horr“ einfanden. Inzwischen sind „KAI“ & Co. auf die Ostseite umgesiedelt, gönnen sich „Panorama Ludwig“ selbst – und was es halt sonst so zu genießen gibt im zehnten Wiener Gemeindebezirk.

Zumindest vergleichsweise zu früher ist das Stadion heute ein Schmuckstück. War die Osttribüne als neue Heimat der Fanszene schon Jahre zuvor auf stattliche Dimension angewachsen, erfolgte ab 2016 der eigentliche große Stadionausbau. Mit Wiedereinzug im Sommer 2018 glänzt die Wiener Austria bis zum feinsten Akzent in ihren schönen Vereinsfarben: Von den Sitzen über die Lichtschalter bis hin zur Auslaufzone rund ums Spielfeld, wo violetter Kunstrasen angebracht wurde – beim Branding der nunmehr „Generali Arena“ wurde kein Detail ausgelassen.

Prestige und Potenziale sollte im Zuge des Umbaus vor allem die neue Nordtribüne in höhere Sphären hieven. 28 VIP- und zwei Ehrenlogen, Sky-Boxen und mehrere Festsäle, dazu eine zweistöckige Tiefgarage direkt unter den Rängen – so gefällt das dem genehmen Gentleman mit Geld, kommod mag es das Kapital, dann öffnet sich das Börserl auch mal durch Wirtschaftsevents abseits von Spieltagen.

Herausgeputzt nach zwei Jahren Umbau, erstrahlt das Schmuckstück seit Sommer 2018 in neuem Glanz. Violett, soweit der Auslauf reicht in der Generali Arena. Photo: GEPA pictures/ Edgar Eisner

Nord. Neid? Not!

Dazu wurde fürs Fan-Herz das Austria-Museum geschaffen, kuratiert und cool, wie erst recht der Kinder- und Jugendbereich auf der Westtribüne. In puncto Barrierefreiheit erfüllt das „Verteilerkreis-Kastl“ ebenso neueste Standards wie in Aspekten von Nachhaltigkeit – auf dem Dach der „Nord“ sammelt eine riesige Photovoltaikanlage Sonnenenergie, womit der FAK einen beachtlichen Teil seines Eigenbedarfs an Strom decken kann.

Das Juwel an Horrplatz 1 – zum freundschaftlichen Eröffnungsspiel gastierte im Juli 2018 Borussia Dortmund. Photos: GEPA pictures/ Edgar Eisner (li.), Mario Kneisl (re.)

Wir könnten jetzt noch weiter neidvoll in Details versinken, vom intelligenten Bewässerungssystem mit Regenwasserzisternen für den Rasen bis hin zu wasserlosen Urinalen für die Nasen – Ressourcenschonung geht genau so.
Schonung des Geldbeutels ist oft eine andere Wissenschaft, was uns zum Haken an der Sache bringt: Die Wiener Austria ist inzwischen nur noch …

Pächter des Prunkstücks

Man wird zum wandelnden BWL-Glossar, wenn man sich mit dem finanziellen Gebaren von Austria Wien und deren Stakeholdern – zu denen wir im weiteren Sinne alle gehören – beschäftigt. Dabei ist die Misere schnell auf den Punkt zu bringen: Ebendieses tolle Stadion gehört nicht mehr dem Fußballklub Austria Wien.

Dieser musste sein Tafelsilber vergangenes Jahr notgedrungen für 39,4 Millionen Euro an die Stadt Wien verkaufen, welche wiederum den FAK die mit 1,4 Millionen jährlich höchste Stadionmiete der Bundesliga blechen lässt. Der Deal lässt zwar den Schuldenberg am Monte Laa wieder einigermaßen überblicken, dafür blutet der Traditionsklub, dem Promis wie Kabarettist Thomas Stipsits, Austro-Pop-Legende Wolfgang Ambros und Ex-Bundeskanzler Christian Kern die Daumen drücken, jetzt beim operativen Budget.

Austria Wien, gefangen zwischen undankbaren Alternativen. Photo: GEPA pictures/ Armin Rauthner

Ganz leidtun müssen einem die Favoritner aber nicht: Massive Hilfe der öffentlichen Hand, Schuldenschnitte von Banken und Überbrückungsdeals mit Privaten, die immer wieder über ihren Schatten springen, wenn’s hart auf hart kommt – vieles fügt sich, wenn die Gunst groß ist. Doch weil auch die Summe von Einmaleffekten unterm Strich keine Weitsicht ergibt, war’s am Verteilerkreis in den letzten Jahren kaum sonst so spannend wie zur Bekanntgabe der Lizenzentscheidungen.

„Geht’s raus und spielt’s Fußball!“ Photo: GEPA pictures/ Edgar Eisner

Aderlass trifft Austrias – Lizenz Formsache

Eben in Sachen Lizenz lief’s heuer aber wie geschmiert, auch im violetten Wien. „Es ist wie das Pickerl beim Auto – man fährt hin und lässt alles überprüfen. Das heißt aber nicht, dass dann nichts mehr passieren kann“, hielt Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer letzte Woche gegenüber 90minuten.at angesichts der nichtsdestotrotz angespannten Zeiten den Ball flach, während die Klubs ihre Frohbotschaften in die Communitys posteten.

Sportlich müssen wir’s beim Tabellensechsten und besten Aufsteiger besser machen als etwa Leader Lustenau, für den am Ostermontag bei den Young Violets nichts zu bestellen war (1:3). Das gute Gefühl können unsere Jungs aber ohnehin aus dem eigenen Saisonverlauf ziehen – in der Hinrunde gab’s einen sehr soliden 2:0-Heimsieg gegen den Wiener Farbenvetter.
Dessen organisierte Fans möchten nun zum Heimspiel ihr Abo nutzen und haben schon angekündigt, dass sie sich zahlreich im zweiten Rang einfinden werden.

Sebastian Aigner mit bester Spielkontrolle gegen die Young Violets in der Hinrundenbegegnung. Fehlen wird diesmal Dario Bijelić, der sich am Donnerstag einer MRT-Untersuchung unterzieht. Dafür stehen beim wieder fitten Paul Lipczinski nun wirklich alle Zeichen auf Comeback. Update noch zu Yannic Fötschl: Unsere Rakete im Angriff werden wir diese Saison leider nicht mehr zu sehen bekommen, es laufen aber Gespräche für die Zeit darüber hinaus. Photo: GEPA pictures/ David Geieregger

Heiß umfehdet, wild umstritten – Frontenzwist in Favoriten

Ansonsten ist Austria Wien nach wie vor ein Politikum, ein hart umstrittenes wie eh und je. Der im vergangenen August als Sportvorstand zurückgetretene Jürgen Werner hat durch einen Syndikatsvertrag mit seiner WTF-Investorengruppe nach wie vor ein gewichtiges Wort mitzureden, was schon bei der Bestellung seiner Nachfolge deutlich wurde. Auf der anderen Seite versucht der Verein, um Präsident Kurt Gollowitzer und Finanzvorstand Harald Zagiczek, seine Souveränität zurückzugewinnen. Mit einem Rückkauf der WTF-Anteile will man zumindest diesbezüglich in absehbarer Zeit wieder Herr im eigenen Haus sein.

Präsident Kurt Gollowitzer moderiert die Interessen des Fußballklubs Austria Wien. Photo: GEPA pictures/ David Bitzan

Einstweilen hanteln sich die Konfliktparteien in einer Art Zwangsgemeinschaft voran. Einerseits braucht der Verein das Geld und jedes Entgegenkommen der Investoren wie einen Bissen Brot, andererseits ist ein stabiler Verein ureigenstes Interesse der Investoren, mit Blick auf die bestmögliche Reise für ihr investiertes Kapital.

Der übliche Kultklub-Klamauk, in Favoriten längst ausgewachsen zu einem zuweilen öffentlich ausgetragenen Machtkampf. Die typischen Alphamännchen, die Frank Stronach um nichts nachstehen, wenn sie ihre Kalauer raushauen und meinen, ein paar Punkte für sich im Richtungsstreit verbuchen zu können. Und irgendwo dazwischen nibelungentreue Fans, die mit Argusaugen beobachten, wie sich das Hickhack auf Gedeih und Verderb ihres Klubs auswirkt, die letztlich aber nicht viel machen können.
Verkauft ist verkauft, einmal mehr ein Mahnmal, das gesetzt ist für einen Fußball frei von Investoren.

Viel zu fassen: Heiße Punktediebe am Brennpunkt Wien-X

Ein 4-Sterne-Stadion nach UEFA-Kriterien ist es nun, in dem wir am Freitag zu Werke gehen dürfen. 15.000 Zuschauern bietet das städtische Stadion am Horrplatz international Platz, national, abseits strengster UEFA-Konfiguration, dürfen sogar 17.500 rein. Bis zu einem Champions-League-Halbfinale kann hier alles stattfinden, was König Fußball zu bieten hat.

Ranghoch im Gästeblock: Füllen wir den Bereich für Auswärtsfans im „Z’haus“ der Wiener Austria so sehr, dass der Oberrang aufgemacht wird und wir dem „Himmel über Wien“ ganz nahekommen! Photo: GEPA pictures/ Armin Rauthner

Uns ginge es, in aller Bescheidenheit, um ein schönes Zweitligaduell zweiter violetter Traditionsvereine, um die bestmögliche Auslastung besagter Kapazität – und ehrlich gesagt: um fette Beute im Grätzel …

Wenn’s dunkel wird in Wien-Favoriten, heißt’s vordringen in die gefährlichen Zonen – nein, kein Wagnis zwischen Reumannplatz und Kepler-, aber mutig voran am Fußballplatz, unaufhaltsam rein in Gegners Hälfte, damit wir mit unserer violetten Meute vielleicht sogar alle drei Punkte aus dem Juwel am Verteilerkreis erbeuten.

Text: Christoph Fazekas – ChrisTEXT.com | Bildpartner: GEPA pictures

Anstoß 20:30 Uhr // Ran an die Karten!

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ANREISE & ORGANISATORISCHES

Generali Arena
Horrplatz 1, 1100 Wien

Schon um dem FK Austria Wien die Planungen hinsichtlich Öffnung des zweiten Rangs im Gästesektor zu erleichtern, empfehlen wir allen, die Karten unbedingt vorab online zu kaufen!

Nähere Infos zur Sektorenöffnung nach Vorliegen.

  • Parkmöglichkeit abhängig von Auslastung: P+R Verteilerkreis Favoriten (Tagespreis 5 Euro, 24/7 geöffnet)
  • Öffentlicher Verkehr: Empfohlen ist die Anreise zum Stadion mit der U-Bahn, Ausstieg an der U1-Station „Altes Landgut“.
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