Kampf, Emotion, Klassenerhalt – Roli Kirchler stellt sich der Salzburg-Challenge

8. Juli 2025

Seit gut zwei Wochen ist Roli Kirchler, der 2002/2003 mit seinem Einsatz in Violett die Tribünen in Lehen oft zum Beben brachte, im Sportdirektor-Amt. Keine leichte Aufgabe, kein leichter Start. Wir haben mit ihm über seinen, manchmal auch turbulenten, Auftakt gesprochen.

Am 7. Juni in der 88. Spielminute war endlich der Aufstieg klar. Wann war für dich klar, dass du der neue Sportdirektor bei der Salzburger Austria wirst?
Das genaue Datum weiß ich tatsächlich gar nicht mehr. Es gab dann Gespräche mit Präsident Claus Salzmann und auch mit David Rettenbacher. Der Erstkontakt war etwa 14 Tage vorher per Telefon, eine Woche vor dem letzten Spiel gegen Schwaz haben wir uns in Salzburg getroffen und die Rahmenbedingungen besprochen – ob das überhaupt möglich wäre. Ich habe gesagt: „Zuerst bitte das Ding erledigen“, weil ich weiß, wie es im Fußball ist. Wenn ich in der letzten Runde schon in Salzburg gewesen wäre und es hätte nicht geklappt – das wäre, glaube ich, eine peinliche Situation für alle gewesen. Also erst alles fix machen, und dann mussten wir relativ schnell schauen, ob Salzburg und ich wieder zusammenpassen.

Hast du dir im Vorfeld über Berichte im Internet ein Bild von der Mannschaft gemacht?
Ja klar, über violett.tv, und ich habe mir auch Videos schicken lassen. Natürlich habe ich meine Kontakte genutzt, um mich zu erkundigen. Denn nur anhand von Videos erkennt man nicht alles, aber man bekommt doch einen gewissen Eindruck. Ich bin also nicht völlig blind in dieses Abenteuer gestartet. Wichtig war für mich, die Mannschaft in der ersten Woche beim Training in Rif kennenzulernen. Es war meine Aufgabe zu analysieren, wo es noch hakt oder wo man qualitativ nachbessern bzw. den Kader verändern muss. Das ist in der ersten Woche passiert, und jetzt, eine Woche später, hoffen wir, den ein oder anderen Spieler dazuzubekommen, der die Qualität im Kader erhöht – damit wir in der Liga bleiben.

Das Budget ist sehr begrenzt. Schaust du deshalb eher nach Leihspielern oder jungen Talenten, die etwa durch Verletzungen aus der Bahn geworfen wurden?
Ganz genau. Entweder, weil sie im Stammverein nicht mehr gewollt sind oder weil sie eine Verletzung hatten – dann besteht die Chance, dass sie sich bei uns wieder nach oben arbeiten können. Wir brauchen aber noch etwas Geduld. Ich denke, in zwei bis drei Wochen ist die Kaderplanung abgeschlossen.

Ein Problem war sicher auch, dass man erst in letzter Minute sicher wusste, dass man in die 2. Bundesliga aufsteigt. Das macht die Planung schwierig. Ende letzter Woche gab es deshalb etwas Unruhe im Team?
Ich habe mit den Spielern schon die Woche davor gesprochen. Das Zeitfenster war natürlich ungünstig, da war es fast unmöglich, alles reibungslos abzuwickeln. Vor allem mit Spielern, die es sich verdient hätten, weiterhin dabei zu sein. Sie haben in den letzten Jahren sehr viel für Austria Salzburg geleistet. Aber es ist nun mal eine andere Qualität gefragt in der neuen Liga. Es wird mehr gefordert, und ich glaube, ich kann das gut einschätzen – ohne überheblich zu sein. Deshalb musste das alles sehr schnell entschieden werden. Dass es dann Unruhe gab, war klar. Aber das ist im Fußball nichts Neues. Gerade im Sommer, wenn es Umstrukturierungen gibt oder man in eine neue Liga aufsteigt, ist das jedes Mal so. Unsere große Challenge in Salzburg ist, vom Amateur- auf Halb-Profifußball umzustellen. Diesen Schritt wollen wir gehen – gemeinsam. Und ich stelle meine ganze Kraft und Erfahrung zur Verfügung, damit wir in der Liga bleiben und unserem Traum, irgendwann weiter oben zu spielen, näherkommen. Das ist meine Challenge. Angenehm ist das selten – für beide Seiten.

Du hast versucht, den Spagat zwischen „Professionalität und Menschlichkeit“ zu schaffen?
Ja, das habe ich versucht. Aber das gehört im Spitzensport leider dazu. Ich bin selbst Familienvater und weiß, dass junge Menschen Respekt und auch ein bisschen Zuwendung brauchen. Ich bin eigentlich gar nicht so ein harter Hund, wie es vielleicht manchmal dargestellt wird. Ich habe mit allen versucht zu sprechen. Aber durch den engen Zeitplan war es leider nicht möglich, jedem gerecht zu werden. Natürlich ist der ein oder andere enttäuscht, was ich absolut verstehen kann – das ist menschlich.

Im Trainerstab gibt es auch zwei Neue.
Richtig, das wurde aber schon vor meiner Zeit entschieden. Peter Urbanek ist jetzt Co-Trainer, und Christian Schlosser Torwarttrainer. Beide haben eine Austria-Vergangenheit. Ich bin, wie gesagt, als Letzter dazugestoßen und habe die Truppe nun kennengelernt. Ich möchte mich bei allen bedanken – sie sind mit großem Eifer dabei. Und wir hoffen, dass wir es schaffen. Es wird wirklich – und das sage ich ganz offen – eine riesige Herausforderung dieses Jahr. Wir befinden uns am unteren Ende der Nahrungskette. Aber Salzburg kann kämpfen, fighten und mit viel Emotion auftreten. Dafür war ich als Spieler bekannt, und als Sportdirektor bin ich nicht anders. Ich werde alles unternehmen, um das Ziel Klassenerhalt zu erreichen.

Du hast gesagt, man wolle etwas aufbauen, das Richtung Bundesliga geht. Willst du neben deiner Funktion als Sportdirektor auch noch gleich ein Stadion bauen?
(lacht) Ich bin auch nur ein Mensch. Ich habe nie behauptet, ich hätte einen Zauberstab – und den Fußball habe ich auch nicht erfunden. Ich hatte nur das Glück, mit vielen interessanten Trainern, Funktionären und Präsidenten zusammenzuarbeiten – da nimmt man einiges mit. Aber ich bin kein Wunderwuzzi, das habe ich nie von mir behauptet. Wir wollen uns in allen Bereichen professionalisieren: mehr Sponsoren gewinnen, die Stadion-Infrastruktur verbessern. Vielleicht – wenn wir uns in der Liga etablieren – ist die Stadt Salzburg irgendwann so weit, dass man etwas erweitern oder neu bauen kann. Aber das sind Träume. Die harte Realität heißt: Spieler holen, überleben, und uns in der zweiten Liga festigen.

Wenn ich richtig informiert bin, hast du noch keine Wohnung. Wie machst du das?
Im Auto – ich bin leidenschaftlicher Autofahrer und pendle aktuell hin und her. Aber ich bin auch nicht mehr der Jüngste, mein Kreuz und mein kaputtes Knie machen sich bemerkbar. Körperlich bin ich zwar ganz gut beieinander, weil ich immer auf mich geschaut habe – aber Autofahren kostet viel Energie. Diese Woche schaue ich mir zwei Wohnungen an. Ich freue mich darauf, endlich vor Ort bleiben zu können und nicht immer nur im Auto zu sitzen und zu telefonieren.

Roli, danke für das Gespräch. Abschließend: Die ersten Wochen in Salzburg waren …
… herausfordernd, kräfteraubend, spannend und sehr, sehr emotional. Ich spüre einfach, dass jeder – Spieler, Funktionäre und alle Helfer – mit unglaublicher Leidenschaft dabei ist.

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