Lackmustest in Wien-West: (Für wen) wird Hütteldorf zum Hexenkessel?

19. Februar 2026

ACHTUNG: Das Spiel wurde witterungsbedingt abgesagt und wird am Dienstag, den 3. März um 20:30 Uhr nachgetragen!

Johann Strauß oder doch Wolfgang Amadeus Mozart, Festwochen oder Festspiele, Staatsoper oder Landestheater? Wien vs. Salzburg – wenn’s ums kulturelle Prestige geht, treiben sich diese Städte gegenseitig voran und legen alles ins Zeug für höchste Geltung. In Sportbelangen fällt das Wetteifern zuweilen gemächlicher aus, wenngleich wir am Freitag erstmals in Rapids neuem Schmuckkästchen aufspielen dürfen.

„Sogar Fußball ist eine europäische Erfindung“, ließ Bundespräsident Alexander Van der Bellen in seiner heurigen Neujahrsansprache anklingen, werbend um einen neuen Europapatriotismus in Zeiten einer sich ändernden Weltordnung.
Nach Buchdruck, liberaler Demokratie und Dampfmaschine, aber auch noch hinter Penizillin und dem Internet zwar betont unter ferner liefen, aber eben doch, hat es unser schönes Spiel gleich am ersten Tag des jungen Jahres bedeutungsschwanger ins Fernsehen und auf die diversen Endgeräte geschafft.

Im WM-Jahr hat auch Österreichs Staatsoberhaupt Fußball im Kopf – und in der Hand sogar den Pokal. Photo: GEPA pictures/ Armin Rauthner

Alles walzen? Ballsaison wiedereröffnet!

Am 51. Tag schafft es nun auch „Liga Zwa“ ins neue Jahr, am Freitag ist es (schon) soweit: Da erfreuen wir uns als junger Bundesligist, lange schmerzhaft vertraut mit schier endlosen Unterhaus-Winterpausen, am zeitigen Frühlingserwachen.
Die Ballsaison endet, die Fußballsaison beginnt, könnte man sagen – die angebrochene Fastenzeit kann ja anderen Gewohnheiten des Lebens gewidmet werden.

Und damit raus aus der glamourösen Präsidentschaftskanzlei, rein ins spartanische Hütteldorf. Doch auch wenn wir schon einige Kilometer vor der Wiener Innenstadt haltmachen, erwartet uns Vorstadtglanz, wie wir ihn aus früherer Ära noch nicht kennen.
Im zehnten Jahr seit (Wieder-)Eröffnung 2016 gastieren wir zum ersten Mal im schmucken Weststadion, welches seither offiziell den Namen „Allianz Stadion“ trägt.

Einmarschiert in Rapids neue Heimat. Photo: GEPA pictures/ Johannes Friedl

Go Weststadion!

„Zeit, dass sich was dreht“, befand nach Herbert Grönemeyer – dieser schon zur WM 2006 – Mitte der Zehnerjahre auch Rapid. Für das neue Weststadion wurde das Spielfeld des alten „Hanappi“ gegen den Uhrzeigersinn, aber im Sinne des Zeitgeists um 90 Grad gedreht. Die nunmehrige Nord-Süd-Ausrichtung ist Standard in modernen Stadien, spätnachmittags erspart sie Torhütern oft das Kapperl, weil ein direktes Blenden durch die tiefstehende Sonne – so sie denn mal einstrahlt – damit verhindert wird.

Der „Block West“ der eingefleischten Fans verzichtete auf eine Umbenennung, als es diesen dadurch in den Süden verschlagen hatte. Im Strafraum vor besagter Hintertortribüne schlummert übrigens eine „Zeitkapsel“: Im Zuge der umfassenden Erneuerung am Areal wurde unter dem Elfmeterpunkt eine Schatzkiste vergraben, gefüllt mit Devotionalien, die Rapid unbedingt mit in die Zukunft tragen möchte – eine CD ist darin, und allerlei bedeutende SCR-Symbolik: von einem Mauerbrocken des alten Fanblocks über die Fußballschuhe des damaligen Kapitäns Steffen Hofmann bis hin zu einem Stück Tornetz, alten Eintrittskarten und dem letzten grün-weißen Meistertrikot aus der Saison 2007/08.

Wien-Neubau macht Vorstadt vorzeigefähig

Doch es muss nicht in Nostalgie verwelken, wer sich heute alle zwei Wochen der raumschiffartigen Alu-Außenhaut mit vereinsgrüner Beleuchtung nähert. Die Drehkreuze passiert, stärken sich Besucher drinnen an Kiosken, die klassischen Wiener Würstelständen nachempfunden sind. Bezahlt wird bargeldlos, mit der „Rapid-Mari€“ – hat sich also sogar für die Westwiener Währung ein identitätsstiftender Name gefunden, der ein liebevolles Mascherl auf die sich breit machende Modernität bindet.
Nach Abriss und komplettem Neubau an Ort und Stelle kann man das Bauwerk auf Gerhard-Hanappi-Platz 1 getrost als Paradebeispiel einer bedachten, behutsamen und zugleich charakterstarken Variante nehmen, kühne Visionen mit Raffinesse zu realisieren – so hievt man ein Stadion für einen Traditionsklub in neue Sphären und macht die Heimstätte rundum zukunftsfit.

An die 2.500 Business-Seats und mehr als 40 VIP-Logen zählen da heute selbstverständlich dazu; und dass vom Charme der markanten alten Flutlichtmasten nur noch einer übrig geblieben ist, den man als Denkmal erhält, mag – mit Blick auf die Errungenschaften – nur ein kleiner Wermutstropfen sein …
Unter der jetzt im Dach integrierten Stadionbeleuchtung sind alle Ecken geschlossen. Auf einem kompakten Rang ringsum kocht die Stimmung schnell zum Hexenkessel; und auch die Anrainer freut’s, dringt doch kaum noch was vom „Roar“ nach außen.

Lasst uns was zusammenbrauen für Wien-Hütteldorf! Photos: GEPA pictures/ Manuel Binder (li.), Philipp Brem (re.)

Ramponierte Rapid-Realität: Der Weltschmerz von West-Wien

Auf das schmucke Branding mit dem Vereinswappen stirnseitig am Portal des futuristischen Tunnels, aufs „Rapideum“, wo die Klubgeschichte gewürdigt wird und auf viele weitere Aspekte, wie das Hochziehen des Balkenmusters der Ultras ins Erscheinungsbild von „alter Heimat und neuem Zuhause“, sind wir noch gar nicht eingegangen …

Ziemlich beneidenswert dort und da, aber glücklicherweise ist der Vergleich am Freitag einer von Beinen, nicht von Steinen. Das häufigste durchgehend gespielte Derby Europas etwa musste im neuen Schmuckkästchen zwölf Mal stattfinden, ehe die Grünen ihre innerstädtischen violetten Widersacher erstmals besiegen konnten. Erst jüngst wieder arg gebeutelt im Image, müht sich schon rein die sportliche Abteilung des Klubs in chronischer Erfolglosigkeit – den hohen Ansprüchen des eigenen Umfelds stets hinterher.
Dass Rapid-Fußball allzu häufig nicht mit den inzwischen echt exzellenten infrastrukturellen Voraussetzungen mithält, offenbarte sich in den letzten Jahren tatsächlich von der ersten Mannschaft abwärts.

Denizcan Cosgun knackte den Rapid-Riegel im August zuerst. Photo: GEPA pictures/ David Geieregger

Realistische Bedingungen als Plus in der Vorbereitung – wer kann Winterspiele?

Wir haben es bekanntlich mit der Zweiten von Grün-Weiß zu tun, und können für die Aufgabe Kraft aus der Frühphase dieser Saison schöpfen: In der dritten Runde haben uns Daniel Bareš und Paul Lipczinski in einem zweiten Anlauf in Halbzeit zwei zum hochverdienten Premierensieg in der neuen Spielklasse geschossen.

Kann seit dieser Woche wieder am Trainingsplatz aufdrehen: Paul Lipczinski. Photo: GEPA pictures/ David Geieregger

Letztgenannter leidet noch an einer Verletzung am Sprunggelenk, konnte aber diese Woche zumindest wieder ins Training einsteigen. Problemzone Knöchel auch bei Dario Bijelić, die Defensive somit ebenfalls mit einer Option weniger. Ansonsten ist, abgesehen von den beiden Langzeitausfällen Fötschl und Schmitzberger, vorerst mal Schluss mit Violett allzu vertrauten Lazarettlisten – vielleicht ja das schönste Geschenk für Trainer Christian Schaider in dessen Geburtstagswoche: diesmal kann der Bayer weitestgehend aus dem Vollen schöpfen.

Mut machen auch die letzten Eindrücke, die unsere Jungs in der Vorbereitung abgegeben haben. Neuzugänge, die treffen – etwa der junge Nico Lukasser-Weitlaner, der paradetypisch für den Salzburger Weg steht, der eingeschlagen werden soll. Hoffnungsträger vom Herbst, die jetzt richtig in Schuss kommen – wie Luka Parkadze, der sich bei den Tests in Torlaune präsentierte. Ein standesgemäßes 5:1 bei der Generalprobe gegen Kufstein untermalte die formidable Frühform, nach der es über weite Strecken der Preseason aussah.

Der Lackmustest steht freilich erst bevor, doch das violette Geflecht scheint bereit fürs erste Gefecht. Dazu legt ein Vergleich der letzten Wochen beider Teams nahe: Die Chancen unserer Truppe stehen gut, gleich zum Auftakt etwas mitzunehmen …

Rapidler an der Riviera

Die Jung-Rapidler durften Ende Jänner für zehn Tage in die Türkei aufbrechen. Das Trainingslager in Side war aber keines voller Sonnenschein, gerade defensiv brachte es eher Trübes zutage: Gegen Luhansk kam der Regen gelegen; denn geplant gewesen wäre ein XXL-Testspiel zu 2 x 60 Minuten, erst angesichts des Wetters ließ man es bei der klassischen Spielzeit bewenden – schon schlanke 90 Minuten reichten schließlich für eine 1:5-Packung gegen den ukrainischen Erstligisten. Mit Anstand am Sandstrand präsentierte man sich daraufhin gegen Homburg, unterlag aber auch dem deutschen Viertligisten mit 0:2.

Zurück in Wien, absolvierten die Kerber-Kicker auch die letzte Probe im Prater vergnügungssteuerfrei, unterlagen dort Traiskirchen mit 0:1.
So gesehen war die Vorbereitung unserer Violetten erbaulicher, bodenständiger, zielgerichteter sowieso – in der Gefriertruhe Maxglan trainiert es sich ganz spezifisch für Winterfußball, der – bleibt es bei diesen Temperaturen – auch am Freitag die gefragte Disziplin sein dürfte.

Friedensschluss mit Februarfußball?

Erobern wir die drei Punkte in „Greenland“, dann wäre dies sogar historisch ganz besonders einzuordnen: Es wäre der früheste Sieg von Austria Salzburg in einem Kalenderjahr überhaupt in der 93-jährigen Vereinsgeschichte, und – so es dazu kommt – eine langersehnte Versöhnung mit dem Feberfußball.

Denn während der ersten Dekade Fisch war’s für die Austria in Pflichtspiel-Kicks im aktuellen Jahrtausend zumeist für ebensolche: Sechs Februarpartien absolvierten die Violetten seit Y2K, in denen lediglich mit zwei Remis angeschrieben wurde. Demgegenüber stehen vier Niederlagen, darunter auch eine im alten Hanappi-Stadion (2002).

Exakt 30 Meisterschaftsspiele absolvierte Austria Salzburg in seiner langen Geschichte an Februartagen, letztmals eines vor zehn Jahren. Für Trainer Christian Schaider wäre ein Kickstart im Februar zugleich ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk – seit Mittwoch ist er 49. Photo: GEPA pictures/ Hans Oberlaender

Erzrivale von Erzbischofs Gnade

Daran zu glauben ist jedenfalls angesagt, um eine siebte Sieglos-Sünde an Februartagen im laufenden Millennium abzuwenden – und nicht bloß so dahingesagt das Ganze: So setzt unsererseits ganz besonders Florian Rieder auf Gottes Segen, wie der Tiroler Neuzugang bei salzburg24 zu Protokoll gegeben hat. Wenn’s tatsächlich zur Glaubensfrage werden sollte, bleibt nur zu hoffen, dass es wir sind, die mehr spirituelle Kraft abschöpfen können …

Denn nach dem Rapid-Pfarrer, der 2024 für ein heiliges Jahr zu Stripfing konvertierte, wo das tägliche Brot bald darauf ausgegangen ist, wissen die ohnehin kaum unterbeweihräucherten Hütteldorfer jetzt sogar den Wiener Erzbischof hinter sich. Ende Jänner geweiht mittels Handauflegens, liegt auch die Gunst des Gottesdieners quasi auf der Hand: Josef Grünwidl bekennt sich als Grüner, gab sich diesbezüglich schon im Vorfeld seiner Weihe im Stephansdom als „offene Bibel“. Hilft aber alles nix, als Bischof trägt auch er ab sofort Violett – dezent aber doch, ganz ähnlich wie der frühere SCR-Seelsorger, der als Präsident der nach Deutsch-Wagram gepilgerten Weikendorfer seinerzeit gar für einen FAK-Kooperationsklub jubelte.

2016 war die Welt noch in Ordnung: Rapid-Pfarrer Christoph Pelczar u.a. mit dem damaligen Wiener Erzbischof Christoph Schönborn rund um die Eröffnung des neuen Stadions. Im Oktober 2024 dann, unter der Präsidentschaft des Priesters beim Ex-Zweitligisten und -FAK-Kooperationspartner: Stripfing gegen Rapid im ÖFB-Cup, dem Underdog gelingt die Überraschung – der Pfarrer war nicht päpstlicher als der Papst und jubelte. Orientierung gaben nun umgekehrt die Rapid-Fans: „Geh mit Gott, aber geh!“, gab der Block West Pelczar letztlich mit auf die Reise. Photos: GEPA pictures/ Christian Ort (li.), Armin Rauthner (re.)

Weltlich, geistlich, endlich: Fußball!

Ein Kreuz mit diesen Kleidern, selbst unter Geistlichen – also schauen wir uns genauer um im Himmel, suchen nach Fußballkompetenz und schließen diplomatisch mit einer Rapid-Legende, die seit ein paar Monaten Hundert wäre: „Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag“, stellte Ernst Happel einst fest.

Und zurück auf Erden: Fünfzig Mal schon hat sich der Erdball heuer ohne „Liga Zwa“ um seine Achse gedreht. Ein 51. Mal verhindern wir und machen uns am Freitag selbst auf Achse – unsere einzigartige Atmosphäre nehmen wir mit. Denn wenn wir aufdrehen, dann wird die Luft gleich viel dünner für Wien. West. Hütteldorf!

Text: Christoph Fazekas – ChrisTEXT.com | Bildpartner: GEPA pictures

Anstoß 18:00 Uhr // Karten gibt’s vor Ort!

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ANREISE & ORGANISATORISCHES

Allianz Stadion
Gerhard-Hanappi-Platz 1, 1140 Wien

  • Einlass 16:30 Uhr
  • Nur bargeldlose Zahlung
  • Bei Zuganreise: Zugang zum Gästesektor über Bahnhofstraße, NICHT über Keißlergasse
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