In der 27. Runde stehen die Zeichen auf Revanche. So gelassen die Violetten alles angehen können, so groß ist die Lust, auch den Kapfenbergern zu zeigen, wie sehr im Saisonverlauf an Stabilität zugelegt wurde.
Die Falken sind los. Nicht die Falken-Pass, die Krampuspartie unseres Stadionsprechers Alexander Hütter, die sich dasselbe Symboltier auserkoren hat, nein: Sie werden uns in Maxglan nicht die Hölle anmuten lassen, die Jungs vom Kapfenberger SV.
Peitschenhiebe gab’s schließlich schon in der Hinrunde, die Klatsche in der Obersteiermark hätte auch mit langer Unterhose weh getan. Vergessen ist sie nicht, die Schreckensnacht von Halloween mit gleich vier Kürbissen in unserem Gehäuse. Von einer „Kür gegen Kapfenberg“ kann keine Rede sein, denn mit dem Klassenerhalt in der Tasche haben wir jetzt Revanche im Sinn, an einem stinknormalen Samstagnachmittag sollen eben auch die Falken in direkter Begegnung abgefangen werden.

Murren im Mürztal
Lauscht man der Selbstkritik von KSV-Coach Vladimir Petrovic nach dem letzten Auswärtsspiel der Obersteirer in Klagenfurt, dann wirkt eine Viererpackung gegen dessen Team wie aus einer anderen Epoche: „Ganz, ganz schlechte Leistung von uns – das ist kein Fußball, das ist nicht zweitligatauglich“, ging der 53-Jährige hart ins Gericht, bemängelte schonungslos die Qualität, ja sogar den Willen der eigenen Truppe und regte vorzeitig Überlegungen an, wie man denn im Sommer weitermachen möchte. Fazit des erstaunlich ehrlichen Kroaten nach 90 Minuten ohne eigenen Torschuss gegen ein „kaputtes“ Klagenfurt: „Katastrophe.“
Auf einer Tonspur mit Andi Heraf, behielt Petrovic mit seinen Jungs zumindest daheim gegen Bregenz die Oberhand – das 3:1 in der Vorwoche dürfte den Steirern ausgerechnet vor dem anstehenden Duell mit der Austria wieder die Moral gestärkt haben. Dafür sicherte uns dieses Ergebnis vorzeitig den Klassenerhalt, wenngleich dazu nur noch rechnerisch der Deckel raufmusste.

Darüber, wie schwer ein Gegner, dessen Trainer Tacheles redet, zu bespielen sein kann, müssen wir nach unserem Bregenz-Heimspiel keine Worte mehr verlieren. Also driften wir nochmal kurz ab und schauen uns den wohl schillerndsten Übungsleiter an, den Kapfenberg je hatte – und mit ihm eine praktisch perfekte Fußballfamilie …
Gregerl-City
Kapfenberg ist jener Klub, der dem jüngsten Torschützen der österreichischen Bundesliga-Geschichte die Türen zu seiner großartigen Karriere geöffnet hat. Mit 15 Jahren und 361 Tagen gab Michael Gregoritsch hier 2010 sein Oberhaus-Debüt und traf dabei prompt – nach wenigen Sekunden auf dem Platz bzw. mit seiner zweiten Ballberührung stellte der heutige ÖFB-Superstar und WM-Checker unseres Nationalteams die späte 1:0-Führung in einem Heimspiel gegen Austria Wien her.

Sein Trainer war sein Vater, Werner Gregoritsch, den Fußball-Österreich als „Mister KSV“ im Gedächtnis hat. „Gregerl“ Senior durfte sich dabei auch noch ein ausgeprägtes Goldhändchen zuschreiben lassen, hatte er seinen Sohn für diesen Moment doch in der 81. Minute als Joker eingewechselt. Selbst der Ausgleich der Wiener in der Nachspielzeit vermag dieses Märchen kaum zu trüben.

Big Points in Japan
Am Samstag kommt Kapfenberg mit fünf Punkten Rückstand auf unsere Austria nach Maxglan. Dabei halten die Männer von der Mürz bei gleich vielen Siegen wie unsere Violetten, sieben an der Zahl – sie ließen nur weniger Unentschieden dazugesellen als Schaiders stabilisierter Stamm. In Richtung Remiskönig steuert zwar erstaunlicherweise die aufstiegsambitionierte Admira mit bereits zehnmal „schiedlich-friedlich“, doch mit zuletzt viermal in Serie Punkteteilung halten wir diesen „Kampf“ offen und inzwischen auch schon bei neunmal Gleichstand am Spielende.
In Japan hätte uns eine solche Performance seit dem Karfreitag einen Intensivlehrgang für sichere Elfmeterschützen beschert. Die dortige J-League stellt zum 100-Jahr-Jubiläum heuer um auf den europäischen Spielkalender und nutzt die Übergangsphase in diesem Frühjahr für ein Spezialformat mit spannendem Experiment: In der „J1 100 Year Vision League“ geht’s bei Torgleichheit nach 90 Minuten Landescup-like direkt in ein Elfmeterschießen – der Gewinner bekommt zwei Punkte, dem Unterlegenen der Nervenschlacht bleibt ein Zähler. Die volle Ausbeute von drei Punkten gibt’s weiterhin, allerdings nur für einen Sieg im Spiel selbst.

Entscheidende Unentschieden
Ausgerechnet das Land mit dem einen großen Punkt in seiner Flagge will sich damit also nicht begnügen. Wir sollten das auch nicht, nicht an diesem Wochenende.
Denn während man im Land der aufgehenden Sonne vor der WM historisch gesehen allen Grund hat, unter Wettkampfbedingungen Elfmeter zu trainieren, klappte das bei uns just letzte Woche wieder recht gut – vom Punkt zum Punkt, Florian Rieder hatte das Vergnügen, am Verteilerkreis den Ausgleich reinzudonnern.
Punkt für Punkt: Wie sich auch mit Unentschieden der feine Unterschied machen und sehr wohl eine Entscheidung herstellen lässt, haben wir in den letzten Wochen hinreichend bewiesen.
Zuhause in Maxglan, wo der Stern unserer Austria wieder aufgegangen ist, geht’s jetzt noch ums Garnieren einer Traumsaison. Dabei wollen wir uns die Streusel keinesfalls wegnehmen lassen, sie auch nicht teilen.

Errichten wir eine Flugverbotszone für Falken, damit wir uns unbeschwert austoben können in der Freiheit, die wir uns in den letzten Wochen erarbeitet haben.
Kein Elfmeterschießen, aber 90 Minuten, in denen wir dürfen, nicht müssen: Gehen wir aufs Ganze, schnappen wir uns Punkte im Plural – Austria Salzburg, siege für uns!
Text: Christoph Fazekas – ChrisTEXT.com | Fotos: GEPA pictures
Anstoß 14:30 Uhr // Ran an die Karten!

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