Maxglan macht den Meister, hieß es vor elf Monaten in unserer Heimstätte. Die „Ausverkauft-Arena“ als Traumkulisse stünde quasi bereit, die Ausgangslage gäbe es her, aber Salzburg droht die Suppe zu versalzen: Denn bis auf die erwartungsvollen Supporter in Sektor C wird dieses Stadion am frühen Freitagabend Zufriedenheit mit dem Zweitligadasein zelebrieren – und die 156 mehr oder weniger Glücklichen hinterm Gitter überzeugen wir in den letzten 90 Minuten der Saison auch noch, zu bleiben!
„Löchrig sind sie doch gar nicht, die Käsdönnola“, machte der in Dornbirn ansässige Salzburg-Fan Gordon rund um unser Gastspiel im November in Lustenau aufmerksam. Der dafür verwendete Vorarlberger Bergkäse sei längst kein Emmentaler, und verarbeitet als Fladen zwar eine weiche, aber dichte Sache.
So wie beide Abwehrreihen im letzten Hinrundenspiel – torlose Partie, Temperatur am Gefrierpunkt, alles auf null gewissermaßen noch mit Lustenau in dieser Saison.
Tutto pari bis hierher, doch damit soll am Freitag Schluss sein. So lange die Entscheidung im Aufstiegsrennen schon hinausgeschoben wurde – jetzt muss sie fallen. Die Ausgangslage verspricht, dass es heiß hergehen wird. Lustenau läuft das Wasser im Munde zusammen voller Appetit auf den Aufstieg, trotzdem könnte der Ofen bald aus sein: dann nämlich, wenn die Vorarlberger Konstanz weiterhin nur als eine Stadt am Bodensee begreifen.

Beim Untoten untergegangen
Runde 29, der 28. tatsächliche Spieltag dieser Meisterschaftssaison, mehr als nur der letzte Teil unserer Kür nach dem geschafften Klassenerhalt Mitte April – für Lustenau geht’s um den Aufstieg. Theoretisch begehrt wie selten, bietet sich in der Praxis das Bild einer heißen Petersilienkartoffel, die jede Woche weitergereicht wird. Damit uns die Jungs vom grünsten Fußballverein Österreichs nicht die letzten Gänseblümchen wegpflücken um auszuzählen, ob sie nach so einer inkonstanten Saison trotzdem aufsteigen dürfen, laden wir als etablierter Aufsteiger zum Härtetest.
Beim farbgleich-furiosen Absteiger haben die Lustenauer einen ebensolchen deutlich nicht bestanden. Die Trickkiste des Titelanwärters war leer wie das Wörtherseestadion, in dem man gastierte. Ein 0:3-Debakel stand am Ende gegen Klagenfurter, die längst der Regionalliga entgegenblicken – hoffnungsfroh übrigens, um die Ansage aus Kärnten als kleinen Exkurs mitzunehmen: „Ich erwarte mir jetzt, dass die Austria Klagenfurt in der Regionalliga keine einzige Niederlage erleiden wird“, blinkt Sponsor und Präsident in spe Helmut Kaltenegger vorzeitig auf die linke Spur.

Schneckenrennen einbremsen
Doch zurück vom rasanten Regionalligarennen in gemächlichere Gefilde. Denn wer immer sich in „Liga Zwa“ gerade die „Ansapanier“ aufträgt, befindet sich noch ganz vorne, im mehligen Bereich der Panierstraße – und zumindest die Eier wären jetzt langsam mal gefragt …
Von den Verfolgern zum Beispiel, möchte man meinen. Der FAC und St. Pölten hatten im Abendspiel die Gelegenheit, mit einem Sieg die Tabellenführung in dieser entscheidenden Phase der Saison zu übernehmen. Doch die „Jäger“ merken noch nicht einmal, wie sehr sie patzen, während sie sich in „Tipo 0:0“ wenden wie die Pizzabäcker, um es frei nach Austria Salzburgs Lustenau-Schreck Toni Polster auszudrücken.
Ob das uninspirierte Unentschieden in Floridsdorf wirklich ein „super Spiel“ war, wie es der FAC-Coach wörtlich und sinngemäß sogar beide Trainer eingeordnet haben, oder ob der größte Unterschied zur Schande von Gijón darin auszumachen ist, dass dort vor dem Geplänkel noch ein Tor gefallen war – irgendwo dazwischen liegt wohl die Wahrheit. Wo genau, darüber werden jene am strengsten urteilen, die sich’s an besagtem Freitagabend hoffnungsvoll in der Hopfengasse oder fein vorm Fernseher eingerichtet haben.

Verfolger treffen aufeinander, treffen aber nicht
Da holte einen erst die objektive Analyse von Experte Helge Payer raus aus dem Gefühl, vorm falschen Film zu sitzen. Ähnlich kritische Worte bezüglich offensiver Zurückhaltung und ausbaufähigem Siegeswillen fand der zwanzigfache Internationale und Rapid-Eurofighter gleich eine Woche darauf wieder: Das nächste 0:0 St. Pöltens, diesmal im Verfolger-Topspiel gegen die Admira – die x-te Chance heranzukommen, doch neuerlich kein Esprit für die Entscheidung. Ausgerechnet dem früheren Teamtorhüter gefallen derlei weiße Westen im Saisonfinish überhaupt nicht.
Um aufzusteigen ist es für unseren Gegner also tatsächlich früh genug, diesmal auswärts die Eier mitzubringen. Doch ob der Hexenkessel in Maxglan die richtige Pfanne ist? Wenn unsere hochmotivierten Köche des Klassenerhalts draufklopfen wie vor acht Wochen auf die Kälber, kann der Titeltraum nämlich sehr wohl noch zerbröseln.

Minimale Meistermanier für „Ansapanier“
Vielen von uns wär’s ohnehin lieb, wenn die „Schnitzeljagd“ der Lustenauer nach hinten losgeht. Der Gusto auf einen attraktiven Ländle-Gegner ist nach gerademal zwei Partien in der Neuzeit schließlich noch lange nicht gestillt. Mega-dimensionierte Choreographie, viel Feuer und große Kulisse – die Atmosphäre bei der Hinrundenbegegnung hat gezeigt: Spiele wie diese sind die Preiselbeermarmelade auf der Genussmeile Zweite Liga.
Schon um das Grünzeug aus dem Ländle in der Speisekammer zu behalten, müssen unsere Männer mit dem ambitionierten Gegner hart ins Gericht gehen – Lustenauer Senf mag kultig sein, passt aber überhaupt nicht zu unserem kostbaren Kehrausschmaus.

Auf die Tube drücken könnte bei den Gästen trotzdem Mame Ndiaga Wade. Bei sieben Saisontreffern hält der 23-jährige Senegalese, den die Vorarlberger vergangenen Sommer aus Innsbruck geholt haben. Sein früher Doppelpack brachte etwa im April den überzeugenden 3:0-Heimsieg gegen St. Pölten auf den Weg.
Jack Daniel’s No. 8 – Brennt der Schweden-Bomber den Bundesliga-Bourbon?
Auf eine ganz wichtige Hütte mehr bringt es der ein Jahr ältere Jack Lahne. Schlanke acht Stück reichen, dass er die interne Topliste der Ländle-Torjäger anführt. Hohe Werte sind dies nicht für eine mögliche Meistermannschaft, der eine komplette Elf an Spielern mit mehr Treffern als die Top-Goalgetter des Tabellenführers gegenübergestellt werden kann: Von Hosiner über Gabbichler und Tartarotti bis hin zum immer noch Führenden aus Amstetten, David Peham, mit aktuell 15 Buden am Trefferkonto – von der Torjägerkanone sind die schärfsten Schützen vom Rhein deutlich weiter entfernt als vom Titel.


Mame Wade (li.) und Jack Lahne, die Lustenauer Top-Torschützen. Photo: GEPA pictures/ Oliver Lerch
Jack Daniel’s No. 7 befand sich übrigens schon in der siebten Woche der Reifung – eine Durststrecke, wie sie für einen Mittelstürmer mit den klingenden Vornamen Jack Daniel Kalichi einfach zu lang ist. Mit No. 8 am Sonntag beendete Lahn, der sämtliche Nachwuchsnationalteams Schwedens durchlief, sich beim A-Team aber 2025 für Sambia entschieden hat, seine Torsperre:
Beim Derbyfrühschoppen gegen wehrhafte Bregenzer war der sehenswerte Führungstreffer der Rückennummer 99 – ein unwiderstehlicher Hammer, maßgenau und schier ansatzlos in den Winkel gezimmert – jener ersehnte Knotenlöser, der den Lustenauern „dohuom“ die Siegerstraße ebnete und ihnen am Freitag den Matchball ins Oberhaus auf den Anstoßpunkt legt.

… so wie einst Real Madrid
Mit einem Sieg würden unsere Gäste also zugleich die Meisterschaft feiern – ein Erlebnis, welches unsere Mannschaft den Vorarlbergern unbedingt vereiteln möchte. Dafür spricht die Defensive, die bei den Violetten immer beeindruckendere Zahlen liefert: 0,57 Gegentreffer pro Partie fangen sich Schaiders Mannen statistisch nur noch, gemessen seit dem Spiel Ende November im Lustenauer Reichshofstadion – tendenziell von Woche zu Woche weniger.
Zudem wäre Angst vor einer etwaig entgegenkommenden Maschinerie mit Titelturbo unangebracht: Keines der Top-6-platzierten Teams hat weniger Tore erzielt als der vorne, wohlwollend interpretiert, ökonomisch agierende Tabellenführer.

Euer violettes Vermächtnis bleibt für immer in unserem Gedächtnis!
Eine Abwehr aus Granit und nach vorne hin Bindeglieder, die dem Gegner keine Ruhe lassen – auch indem sie selbst Gefahr ausstrahlen.
Allen voran Sorda, unser leidenschaftlicher Leithammel, dem Sportdirektor Roland Kirchler Rosen streut: „Marinko ist im Frühjahr unser bester Spieler“, so das trockene Fazit des Tirolers, dessen Händchen in der nun folgenden Phase der Kaderplanung gefragt sein wird. Auf der Aufgabenliste steht nicht zuletzt die Quadratur des Kreises, den Unersetzbaren zu ersetzen: Eben Spielmacher, Kämpferherz, Identifikationsfigur, Vorbild, Feschak, Sympathikus, Führungsspieler, Aufstiegsheld, Legende Marinko Sorda macht seine glorreichste und prägendste Karrierestation nach dem siebten Jahr rund. Zumindest vorerst und als Spieler in unserem Trikot müssen wir am Freitag schwersten Herzens Abschied nehmen von einem ikonischen Zehner, wie ihn kein Sportchef der Welt einfach so am Markt nachbeschaffen kann.
So ist das leider oft in der letzten Runde: Andrea Bocelli und Sarah Brightman genauso fix wie Josh Oppacher auf der Playlist des Stadionsprechers – einmal noch „Go-Go-Goal“, dann „Time to Say Goodbye“. Und wenn schon Tränen fließen, dann mal richtig: Luka, Kali – wir werden euch vermissen, eure Verdienste nie vergessen!

Aufsteigen beim Aufsteiger? Maxglan kocht!
Aber einmal soll’s noch sportlich ernst werden, mit der Frage aller Fragen am Freitag: Werden die Vorarlberger genug Eier dabeihaben, damit die „Ansapanier“ bis zum Ende hält? Oder geht, frei nach LaOla, das Wellental weiter? Im Ländle mag’s nach Aufstieg riechen, aber uns stinkt der Zeitpunkt. Wie auch immer: Für Spannung bis zum Schluss ist gesorgt in dieser Spielzeit – und der Lustenauer Austria wär’s bestimmt auch recht, wenn sie auf der Ziellinie kriechend einfach nur die geilste Schnecke in diesem Titelrennen ist.
Doch so weit soll’s nicht kommen in der Meisterküche Maxglan. Hinterm Stimmungsherd stehen nur wir in unseren violetten Schürzen, alle anderen verbrennen sich hier ganz schnell die Finger – und die Füße sowieso. Drehen wir die Knebel auf Anschlag in der kultigsten Koje Österreichs und lassen wir unsere Gäste spüren, dass es auf unserer Fußballwiese heißer zugeht als auf jedem Ceranfeld!
Plätze einnehmen und pünktlich zu Tisch dann bitte um 18 Uhr!
Als Nachschlag servieren wir gleich noch einen kleinen Ausblick, zunächst aber eine Retrospektive auf diese Saison der Superlative …
Olé, Suppe Soizburger!
Von der „Ursuppe des Fußballs“ sprach Legende Alfred Tatar vor einem Jahr bei seinem Besuch des dramatischen Heimspiels gegen Imst in Bezug auf die Regionalliga. Bald haben wir unsere erste Saison zweite Bundesliga nach langen harten Jahren fertiggelöffelt.

Herrlich cremig war’s, nicht wahr? Gut, über eine Rindssuppe geht’s bei uns sowieso immer hinaus – aber dass wir die Brühe auch in der Bundesliga gleich so geschmackvoll angerichtet bekommen …
Ihr Fans wart einmal mehr das Salz in der Suppe. Wir werden uns weiterhin nicht zu schade sein für all die kleinteiligen Arbeiten, mit denen wir die Zutaten, wenn wir sie einmal alle beisammenhaben, zur erstklassigen Entfaltung bringen.
Schnitzel statt Spaghetti: Für alle, die immer noch nicht genug haben, gibt es bald die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada – dick aufgetragen das Dessert, aber nach 1998 immerhin mal wieder mit der Österreichischen Nationalmannschaft unter den teilnehmenden Ländern.
Schälen für die Schale
Am 31. Juli kommt die ADMIRAL 2. Liga zurück. Das vage Ziel ist der nächste Schritt, das konkrete bestimmt nochmal der Klassenerhalt. Denn uns schmeckt’s hier immer besser – und wenn wir die Suppe schon mal so geschmackvoll angerichtet haben, dann muss sich einfach wieder jemand anderer finden, der den Löffel abgibt.

Fußball-Österreich freut sich auf das große Westderby, das seit zehn Jahren überhaupt, und nach ewigen Zeiten mit zwei Rivalen am aufsteigenden Ast, für Furore sorgen wird. Mit Voitsberg schickt uns die Regionalliga Mitte einen verdienten Aufsteiger und ein neues, interessantes Reiseziel in der Weststeiermark. Von oben wehrt sich mit Ausnahme der geretteten Rieder noch die gesamte Quali-Gruppe gegen den Abstieg, der besonders akut dem WAC und Blau-Weiß Linz droht.
In jedem Fall kochen wir mit viel Raffinesse und Feingefühl für Fußballkultur unser herzerwärmendes Süppchen auf ein Neues. Und wer weiß, wenn’s so erfolgreich weiter geht: Vielleicht verspeisen wir bald alle – und nehmen am Ende noch den Teller mit …
Text: Christoph Fazekas – ChrisTEXT.com | Fotos: GEPA pictures
Anstoß 18:00 Uhr // Stadion ausverkauft!

Sieben Spiele am Stück >> ORF Sport + überträgt im Rahmen einer Konferenzschaltung live aus dem Max-Aicher-Stadion ab 17:40 Uhr.
Das tierisch spannende Titel-Finish >>

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Anfahrt
Am Spieltag steht euch das gewohnte Parkangebot zur Verfügung. Alle Infos haben wir hier zusammengefasst.
Wir empfehlen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Die Haltestelle liegt direkt am Stadion und so kann man sich ruhigen Gewissens die eine oder andere Erfrischung gönnen.












