Wo die Wirtschaftskraft noch die Windrichtung vorgibt, wo wie nach Wink mit dem Zaunpfahl die Zuschauerzahl registriert und darauf entsprechend reagiert wird …
Es mag auf eine Weise brutal sein, im Fußballgeschäft konsequent den Verstand walten zu lassen – aber mit Harakiri wirst du keine Hundert, und so treffen am Freitag zwei Geläuterte aufeinander, die um den hohen Wert ihrer blanken Existenz bestens Bescheid wissen: Salzburg gegen Kapfenberg, das ist Seriosität!
„Die Stierkämpf’? A matte Sache. Simmering gegen Kapfenberg, das nenn’ ich Brutalität“, befand Helmut Qualtinger 1956.
Ein ausgekegelter Fuß beim Pressball, ein resoluter Teamarzt, der das unnatürlich postierte Knie mit einem Ruck wieder einrenkte und allen voran ein offener Schienbeinbruch, den KSV-Stürmer Heli Hauberger nach einem Zusammenstoß mit dem Wiener Torhüter davongetragen hat – seinem Stürmerkollegen war allein der Anblick zu viel: dieser wurde im selben Moment ohnmächtig. „Es hat einen Kracher gemacht, wie wenn eine Zaunlatte abbricht“, überlieferte Kapfenberg-Akteur Ernst Kolar von diesem später literarisch-legendären Staatsliga-A-Spiel, dem 4.500 Zuschauer beiwohnten, darunter eben jener als „Der Herr Karl“ bekannt gewordene Schauspieler Qualtinger.

Brutalität ist …
Anders als vor fast auf den Tag 69 Jahren auf der früheren Simmeringer „Had“ können sich die Obersteirer gegen Salzburg durchaus eher auf spielerische Lösungen einstellen. Doch bevor wir zum Spiel und in dessen Vorfeld sogar nochmal auf Brutalität in einem völlig anderen Zusammenhang kommen, noch ein schauriger Exkurs, weil die Zeit danach ist in der Halloween-Woche:
Umgekehrt haben nämlich wir Kapfenberg noch als brutalen Schauplatz in Erinnerung, allerdings ebenfalls unter Wiener Beteiligung. Gut drei Jahrzehnte ist es her, da trübte eine inferiore Schiedsrichterleistung das Spiel um den Supercup 1995 zwischen Meister Austria Salzburg und Cupsieger Rapid Wien. Rapids Peter Guggi fällt Tomislav Kocijan und beschert diesem einen Bändereinriss, ohne auch nur eine gelbe Karte davonzutragen; woraufhin es ihm Lederer gegen Stadler gesundheitsgefährdend gleichtut.
„Es lebe der Sport“, muss Referee Ritzinger frei nach Fendrich wohl im Ohr gehabt haben – jedenfalls beendete er wenige Tage darauf jäh seine Karriere, nachdem sich sogar der damalige Bundeskanzler und Sportminister Franz Vranitzky zu Wort gemeldet und mehr Fairness eingefordert hatte.
Über einen 2:1-Pyrrhussieg und die Trophäe, die seine Violetten in den Kapfenberger Sommernachtshimmel stemmen durften, währenddessen sich Rapid-Fans am Spielfeld noch eine wüste Schlägerei mit der Polizei lieferten, konnte sich ein erzürnter Otto Baric nur am Rande freuen.

Flughöhe der Falken
Lang, lang ist’s her – viel länger als Kapfenbergs letztes Spiel …
Und damit schnell rein in die Aktualität der Woche: Die Obersteirer waren zuletzt am Dienstagabend im Einsatz, hatten den SCR Altach zu Gast im ÖFB-Cup. Erst in der Nachspielzeit den Ausgleich kassiert, verlor man als Außenseiter das Spiel äußerst unglücklich in der Verlängerung (1:3) und schied somit auf eine Weise aus, die uns fürs Spiel am Freitag womöglich in die Karten spielen könnte: nach kräftezerrenden 120 Minuten nämlich.
Die werden rennen, um jeden müden Eindruck zu entkräften, die Falken – zwischendurch waren sie sogar schonmal geflogen in dieser Saison, trotz gestützter Flügel: All ihre vier Saisonsiege, plus den Auswärtserfolg in der zweiten Cup-Runde bei Lustenau, holten die Steirer en suite in ihrer Hochphase, zu der sie Mitte August angesetzt hatten. In den fünf Ligaspielen nach dieser Serie gab’s nur noch zwei magere Punkte, zuletzt rehabilitierte man immerhin ein wenig, remisierte gegen Klagenfurt und bei Bregenz (jeweils 1:1).

Aufstiegsgedanken? Etat einmal
Man bewegt sich damit schlicht im Rahmen der derzeitigen Möglichkeiten im Mürztal. Dabei spielten die Falken im Vorjahr ihre beste Saison seit dem Aufstiegsjahr 2008, landeten im Endklassement gleich hinter den Titelkämpfern Ried und Admira auf Rang drei. Umso bemerkenswerter, dass daraufhin alles andere als abgehoben wurde bei den Ballermännern aus der Böhler-City, wo notgedrungen jetzt sogar kleinere Brötchen gebacken werden. In jeder Hinsicht respektabel gar, wie offen und ehrlich das alles, immerhin das korrigierte Saisonziel nämlich, kommuniziert wurde:
Langzeitpräsident Erwin Fuchs und Geschäftsführer Robert Schäfer machten kein Hehl aus der überschaubaren Resonanz für die tolle Arbeit in der Obersteiermark, zogen daraufhin ihre Schlüsse und korrigierten im Juli öffentlichkeitswirksam die weitere Ausrichtung des Klubs entsprechend dessen Möglichkeiten. Mit realistischem Blick sah man sowohl überschaubaren Zuschauerzahlen als auch dem verhaltenen Sponsoreninteresse ins Auge und fokussiert demzufolge darauf, dass der Verein bloß kein Fass ohne Boden werden möge.

Resonanz, Rendite, Risiko: Die Brutalität der Realität
Kein bedrohliches Risiko also im Rennen um Resonanz und Rendite – immerhin hatten Geschäftsführer Schäfer und dessen Firma das Hamburger Beteiligungsunternehmen „Panna Football Partners“ ins Partnernetzwerk des Vereins installiert. Doch nicht nur die sportlich-natürliche Lust auf mehr musste ausgebremst werden, auch personell verlangte das seriöse Handeln den Verantwortlichen wichtige, aber doch schmerzhafte Schritte, echte Einschnitte ab:
So konnte Erfolgstrainer Ismail Atalan seinen Weg nicht weitergehen. Der Deutsche, der’s in Kapfenberg mit damals schon geringem Etat zum „Trainer des Jahres“ gebracht hat, wurde zum ersten Opfer der Einsparungsmaßnahmen. „Die Spieler sind nicht wichtiger als beispielsweise die Putzfrau oder der Platzwart in Kapfenberg. Alle Menschen sind für mich gleich viel wert“, klingt vom 45-Jährigen im Kicker durch, welchen menschlichen Verlust die Spar-Steirer mit ihm verschmerzen müssen.

Kapfenberger Kapital: Kontinuität durch Kos
Um einer gewünschten Kontinuität trotzdem bestmöglich Rechnung zu tragen, überließ man dem Duo von Atalans beiden Co-Trainern zur aktuellen Saison das Amt. Zu Beginn Mario Grgic interimistisch mit dem Zepter in der Hand, übernahm den sportlichen Chefsessel kürzlich Vladimir Petrovic, der auch die dafür erforderliche UEFA-A-Lizenz mitbringt.
„Schon mit dem nötigen Kleingeld, aber ohne einen Cent zu viel? Dann sei ein Held und wirtschafte mit Maß und Ziel!“
Der wirtschaftlichen Tragfähigkeit schweren Herzens alles untergeordnet, um das Morgen des Klubs mit oberster Priorität zu sichern – damit im Kapfenberger Fußball auch weiterhin nur der KSV 1919 Schlagzeilen macht, und nicht der KSV von 1870.
Dafür allergrößten Respekt unserem bevorstehenden Gegner!

Falkenhorst und Violaverse: Wohlig Nest für wenig Netsch
Der sich übrigens, so tief auch gestapelt wird, eben nicht im unteren Drittel der Tabelle findet, wie kolportiert prognostiziert; der stattdessen gleichauf mit 14 Punkten Tabellennachbar der Austria ist und Freitagnacht am Fuße der Burg Oberkapfenberg mit demselben Interesse um Punkte rittern wird: Absicherung der respektablen Platzierung im Tabellenmittelfeld. Geld spielt nicht Fußball – manchmal scheint unser schönes Spiel seinen seriösen Kräften doch etwas zurückzugeben.
Nur sehr langsam zurückgegeben wird Christian Schaider vom leidigen Verletzungsteufel: Christoph Gruber, inzwischen seit über einem Jahr außer Gefecht, ist in puncto Comeback schon geraume Zeit drauf und dran. Längst trainiert er wieder mit der Mannschaft, letzte Woche spielte er, wie Torschütze Collins und Doppelpacker Pellegrini, in der 1b erstmals 90 Minuten durch, was St. Georgen mit summa summarum 1:7 unsanft zu spüren bekam. Hinsichtlich Kampfmannschaft fühlt Gruber sich aber noch nicht ganz bereit, will – auch in Abstimmung mit der sportlichen Leitung – „totale Sicherheit“ erlangen, ehe er es mit dem Bundesliga-Fußball aufnimmt.

Treibt Funke aus Salzburg die Falken gen Süden?
Sonst (fast) alle Mann wie gehabt: Mit Ausnahme der Langzeitverletzten und des gesperrten Daniel Bares, der nach seinem fünften Kärtchen die erste Gelbsperre der Saison ausgefasst hat, stehen jene zur Verfügung, die auch in den letzten Spielen durch dick und dünn, durch Sieg und Niederlage gingen – und die vieles vom Spirit ausverkaufter Heimspiele am Freitag ins Steirische mitnehmen wollen, damit auch in der Fremde der Funke wieder einmal vollends überspringt.
Austrianer, es liegt doch ganz in unserer Natur:
Viele Falken sind Zugvögel – erinnern wir die Kapfenberger daran und definieren wir sie zeitig in diesem Herbst zu echten Langstreckenziehern, die sich vor dem kalten Winter auf in südlichere Tabellengefilde machen (müssen)!
Text: Christoph Fazekas – ChrisTEXT.com | Bildpartner: GEPA pictures
Anstoß 20:30 Uhr // Karten gibt’s hier im Vorverkauf!

Die Partie ist live zu sehen am Freitag ab 20:15 Uhr auf ORF Sport +
Das Spiel präsentiert >>

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ALPENSTADION
Das 2001 zu Ehren und Lebzeiten des ehemaligen Kapfenberger Bürgermeisters in Franz-Fekete-Stadion unbenannte Oval trägt seit 1. Jänner 2024 wieder seinen ursprünglichen Namen Alpenstadion. Grund dafür ist das breitere Bekanntwerden, gestützt durch eine Historikerkommission, dass das einst populäre Stadtoberhaupt der Industriehochburg und drittgrößten steirischen Stadt eine SS-Vergangenheit hatte, unter anderem KZ-Wächter war. Interessierte erfahren nähere Hintergründe hier!
Das Alpenstadion also ist optimal an den öffentlichen Verkehr angebunden. Die Bushaltestellen der MVG und der Bahnhof Kapfenberg sind in unmittelbarer Nähe zum Stadion.
Autofahrer >> Adresse/n fürs Navi:
Johann-Brandl-Gasse 25 bzw.
Stadionweg 1, 8605 Kapfenberg











