2018-2025: Die Ära Salzmann
24. August 2025

2018/19

Die zweite sollte die letzte Saison der Austria in der Salzburger Liga bleiben. Nach dem bitteren Rückfall ins Unterhaus und einer Spielzeit der Konsolidierung, klappte es – immer noch mit klammer Kasse – im zweiten Anlauf mit dem Aufstieg. Dass dies nicht als Meister gelang, sondern man fünf Punkte hinter Stadtrivale SAK auf Platz zwei durchs Ziel ging, ist der kleinere Wermutstropfen; der größere: dass die nun zurückerklommene Regionalliga nicht mehr die gute alte Westliga war, sondern in ummodellierten Format als „Regionalliga Salzburg“ erst wieder nichts weiter als Lokalfußball im Bundesland, vermeintlich mit der Chance, wenigstens ab Frühjahr 2020 wieder an den Bodensee und ins Nachbarbundesland zu reisen.

Die größten Glanzlichter dieser Saison waren zwei Heimspiele der Extraklasse, die den jeweiligen Anlässen mehr als gerecht wurden: Im September gab’s zunächst in der Stadt, dann auf der Maxglaner „Curva Viola“ ein monumentales Transparent zum 85-Jahre-Vereinsjubiläum zu sehen, woraufhin Thalgau in einem 4:2-Torspektakel abgefertigt wurde; und Mitte Mai feierte die Union ’99 ihr 20-jähriges Bestehen mit einer Wahnsinnschoreographie, der größten aller Zeiten in der Maxglaner Heimstätte, wo sowohl Haupt- als auch Fantribüne hinter einer detailversessen bemalten Hülle verschwanden und das alles noch mit einem überdimensionalen Schal verbunden wurde – in den epischen Rahmen fügte sich Kitsch auf dem Rasen: Kaum angepfiffen, köpfelte Nico Mayer zur Führung, am Ende stand auch gegen Neumarkt ein 4:2.

2019/20

Der Start in die neu geschaffene Regionalliga Salzburg verlief für die frisch aufgestiegene Austria formidabel. So mag es manchen überrascht haben, dass dem starken Feld dieser Zehnerliga doch noch Tribut zu zollen war: Mit einer veritablen Ergebniskrise mühte sich die Austria durch den Herbst, zog mal klar unterlegen, mal unglücklich den kürzeren und verlor mehr und mehr an Terrain. Dass am Ende nur Platz acht herausspringen sollte, während der parallel aufgestiegene SAK, dem man zum Heimausklang nochmal 0:3 unterlag, von der Spitze lachte, führte eine Weile zu Ernüchterung in Reihen der Violetten. Zusammen mit dem FC Pinzgau wären die Nonntaler ab der Frühjahrssaison gen Westen gereist, während wir uns mit der lokalen Trostrunde abzufinden gehabt hätten.

Alles Konjunktiv, alles belanglos – denn in der Winterpause brach Covid-19 aus. Die erste Welle der Corona-Pandemie ließ die Welt den Atem anhalten, König Fußball nahm sich in oberen Ligen unverschämt früh unverschämt viel heraus – in unseren Gefilden war das Saisonende bzw. der Ausfall der kompletten Frühjahrsrunde 2020 zu akzeptieren.

2020/21

Die Saison 2020/“21“ war sogleich die nächste, der Corona dazwischenfunkte – und diesmal fiel uns das Loslassen ob der sportlichen Gegebenheiten erheblich schwerer. Denn eine nach der ersten Pandemiewelle verstärkte, top-ambitionierte Austria war sehr gut unterwegs, nachdem am 8. August 2020 bei einem sehr speziellen Auftaktheimspiel gegen den SV Grödig (3:1) der Fußball wachgeküsst wurde. Noch mitten in der Pandemie, unverhofft lange vor deren Ende, konnte der Ball wieder rollen – die Austria erwies sich vorbildlich in Sachen Organisation von Fußballveranstaltungen während dieser nie dagewesenen Ausnahmesituation.

Die Fans sangen mit Masken vor dem Mund, zunächst mit simplem Spuckschutz, bald mit Mundschutztüchern, die unter anderem auch als Fanartikel zu erwerben waren, je ernster die Lage im Laufe des Herbsts wieder wurde: mit FFP-2-Masken. Gegen den SAK gab’s daheim und auswärts knappe Derbysiege, viele weitere gefeierte „Dreier“ wie gegen den FC Pinzgau, dem man in der Vorsaison noch so klar hinterher war, machten Laune – und Tabellenplatz zwei, womit man bestens auf Kurs war, im Frühjahr 2021 endlich wieder in die Bundesländer westlich von uns reisen zu dürfen. Allein, ehe es dazu kommen konnte, war auch diesmal Schluss, machte Corona mit der noch größeren zweiten Welle einen Strich durch jede Rechnung. Gar Mitte Oktober schon war 2021 der Deckel drauf, einen Sieg in Anif gab’s noch, von dem mehr als die beiden Treffer wohl die Desinfektionsschleusen am Zuschauereingang in Erinnerung bleiben werden – dann war’s das auch schon wieder, für viele lange Monate.

2021/22

Das Wichtigste vorweg: Die Saison 2021/22 konnte nun endlich wieder zu Ende gespielt werden. Und sie ließ sich ebenso gut an wie die 14 Runden der abrupt beendeten Vorsaison. Die Austria schien immer geübter in kalkulierbar erfolgreichen zweiten Plätzen zu werden; in den letzten Jahren schon hinter dem SAK, im Vorjahr nach Kuchl und eben jetzt hinter dem TSV St. Johann reihten sich die Violetten nach dem Grunddurchgang der Regionalliga Salzburg einmal mehr auf dem „Silbertreppchen“ ein.

Damit hatte man jetzt endlich die Ehre, sich gemeinsam mit den Pongauern im Frühjahr ’22 auf Reisen nach Tirol und Vorarlberg machen zu dürfen. Allzu rühmlich war das Abschneiden in dieser Mini-Edition der Regionalliga West aber lange nicht. Auf den ersten Sieg im Kalenderjahr 2022 mussten die Fans der Violetten bis zum 20. Mai warten: Da klappte es auswärts mit einem 2:0 ausgerechnet beim späteren Landesmeister TSV St. Johann, den man trotz einer maximal erfolgreichen Schlussserie, mit drei weiteren Siegen gegen anspruchsvolle Gegner, nicht mehr abfangen konnte.

2022/23

Die letzte Saison im leidig umgebauten, und inzwischen nochmal leicht modifizierten Format mit dem Start als „Regionalliga Salzburg“ verlief für Austria Salzburg durchschnittlich. Das Ziel blieb auch in der Zwölferliga dasselbe: Einen der ersten beiden Plätze wollte man erreichen, um schon im Frühjahr westwärts loslegen zu können – dass auf diese abermalige Mini-Auflage ab Sommer 2023 ohnehin die Regionalliga West im ursprünglichen Modus zurückkommen sollte, machte aber noch weit mehr Mut, das Ticket dafür zu verpassen wäre quasi das Worst-Case-Szenario gewesen für den Fall einer gänzlich verkorksten Saison.

Tatsächlich verkorkst waren nur einige wenige Runden nach der Winterpause, die letzten eines sonst starken Grunddurchgangs. Statt eines Pflichtsiegs gegen Grödig verpasste man daheim sogar den einen nötigen Punkt; und weil der FC Pinzgau in dieser Phase zur Stelle war, entrissen uns die Saalfeldener im März noch das Ticket für einige Monate Vorkosten im Westen – und viel schlimmer: den Fixplatz für die „gute-alte“ Regionalliga West ab Sommer.

Zwei Wochen nach diesem Schock legten die Violetten aber wildentschlossen im Oberen Play-off los, erfüllten im lokalen Nachsitzen die Pflicht und so waren aufgekommene Zweifel, man könnte tatsächlich die Regionalliga-West-Teilnahme verpassen, bald beseitigt. Perfekt ins versöhnliche Saisonfinish fügte sich Mitte Mai der Triumph im SFV-Cup ein: In einem tollen Finale besiegte man den SV Kuchl mit 3:2 und stemmte neun Jahre nach dem Titel-Hattrick wieder einmal den Pott des Landesverbands in den Eugendorfer Nachthimmel.

Ein ganz besonders Highlight hatte diese Saison „zwischen den Jahren“ zu bieten: Am 28. Dezember 2022 reiste Austria Salzburg ins süditalienische Apulien, ins knapp 100.000 Einwohner zählende Barletta, und bestritt dort am Abend vor 5.000 Zuschauern im nebeligen Stadio Cosimo Puttilli ein unendlich intensiv wahrgenommenes Freundschaftsspiel gegen ASD Barletta 1922 (2:0-Sieg von Barletta, Serie D). Die Fans beider Lager feierten ihre jahrzehntelange Freundschaft, mehr als 350 Austrianer begleiteten ihre Mannschaft an den „Stiefel“. Einzigartig: Weil das Angebot von Linienverbindungen rund um die Weihnachtszeit überschaubar war, charterte die Austria-„Gemeinde“ kurzerhand einen Flieger und hob am frühen Morgen des Spieltags ab von Salzburg nach Bari; zurück ging’s am Ende des sonnigen Folgetages, wo ganz Barletta geprägt war von freundschaftlichen Begegnungen Salzburger Fußballfans mit den italienischen Freunden.

2023/24

Die Jubiläumssaison für Austria Salzburg war eine wie aus dem Bilderbuch. Den Grundstein legte nicht nur ein perfekter Start in die lange zurückersehnte Regionalliga West im ursprünglichen Format, sondern schon eine Woche davor die erste Vorarlbergreise: Da bezwang man knapp und verdient den FC Wolfurt, zog in die zweite Runde ein und dafür ein Los, welches unmittelbar im Jubiläumsmonat dem 90er der Austria die allerrundeste Note verpasste: Am 26. September 2023 stieg im ausverkauften Grödiger Stadion das erste Spiel Austria Salzburgs gegen die Kampfmannschaft des verachteten RB-Konzerns nach den Grausamkeiten von 2005.

Das Highlight schlechthin ereignete sich aber schon zehn Tage zuvor: Im Jubiläumsheimspiel zum 90. Vereinsgeburtstag hämmerte die Austria Rot-Weiß Rankweil in der 90. Minute das Tor zum 9:0-Enstand ins Netz – stimmiger kannst du nicht 90 werden im Fußball. Durchaus überraschend eilte die Austria von Sieg zu Sieg und enteilte immer mehr jeder Konkurrenz: Spätestens nach dem 1:0 gegen den FC Pinzgau im intensiven Spitzenspiel zum Jahresausklang 2023, mit dem man sich zum Winterkönig krönte, intensivierte der Verein die Bemühungen um die „Lizenz“, die Zulassung für eine mögliche Zweitligateilnahme.

Tatsächlich hätte es sportlich geklappt in dieser fulminanten Saison. Nach Saalfelden war auch der verbliebene Konkurrent Hohenems irgendwann abgeschüttelt und die Austria konnte am 1. Juni im Heimspiel gegen Reichenau den Meistertitel fixieren. Der größtmögliche Wermutstropfen blieb den Meisterkickern von Christian Schaider aber leider nicht erspart: Der Teufel im Detail beim Prozedere der Lizenzierung wollte nicht früh genug verschwinden. Der Verein haderte mit den komplizierten Gegebenheiten bezüglich der Heimstätte, stolperte diesmal über Steine vor der eigenen Haustür, wie sie andere Vereine so nicht auferlegt bekommen, und musste zehn Jahre nach dem Relegationsfiasko hinnehmen, ein weiteres Mal nach 2014 als Meister nicht in den Profifußball aufsteigen zu dürfen.

2024/25

Für Bitterkeit, es trotz Meistertitel in der Vorsaison wieder in der Regionalliga aufnehmen zu müssen, konnte kein Raum sein – denn in der Gewissheit, es im neuen Anlauf auf die Bundesliga nun mit äußerst aufstiegswilligen Imstern zu tun zu bekommen, musste gehandelt werden. Vielversprechende Verstärkungen für die Aufstiegsmission holte man vor allem von Ligakonkurrenten: Christoph Gruber kam aus St. Johann, aus Saalfelden das Duo Semir Gvozdjar und Denis Kahrimanovic, und Stürmer Milos Savic, den man von Kuchl holte, sollte sich als Glücksgriff erweisen und zum Toptorschützen der Austria avancieren.

Die Saison begann aber mit einer bitteren Enttäuschung: Das Heimlos gegen einen Ligakonkurrenten sollte nicht glücklich genug sein, ein später Gegentreffer besiegelte das Cup-Aus in der ersten Runde gegen Reichenau-Innsbruck. Mit Meisterschaftsauftakt eine Woche später war die Austria aber so da wie gewohnt aus den letzten Jahren: Mit einer Siegesserie gings in den Herbst, womit es sich beim Schlager mit Ansage in der zehnten Runde in Imst erstmals zuspitzte. Beide Teams bis dahin mit jeweils nur zwei Verlustpunkten ungeschlagen, gewann Imst das Gipfeltreffen daheim vor über 2.000 Zuschauern mit 2:0. Im folgenden Marathon um die Meisterschaft konnte es unsere Mannschaft aber schnell wieder aufnehmen. Selbst bei durchwachsenen Leistungen klappte es meistens mit der Punkteausbeute, und in den letzten beiden Runden vor der Winterpause konnte ein zwischenzeitlicher 4-Punkte-Rückstand egalisiert werden.

Mitte März wurden die letzten großen Hürden in puncto Zweitligazulassung aus dem Weg geräumt, gleichzeitig nahm das fulminante Fernduell mit Imst sofort wieder voll Fahrt auf. Am ersten Aprilwochenende stolperte Imst in Lauterach und die Austria übernahm mit dem Sieg in St. Johann die Tabellenführung – die sie nur noch einmal für wenige Minuten in einer Blitztabelle am unvergesslichen 10. Mai hergeben sollte. Was in den verbleibenden Frühjahrsrunden folgte, war an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten; eben mit dem Höhepunkt eines hochintensiven Wahnsinnsspiels beim direkten Duell in der Rückrunde am 25. Spieltag, welches die Austria im rappelvollen, restlos ausverkaufen Maxglan mit großem Glück voller Gnade des Fußballgotts mit 3:2 gewann.

Allein an der Elferszene in der 90. Minute lässt sich festmachen, welches feine Momentum den Ausschlag zu unseren Gunsten gab – Sorda drückte den Ball im Nachschuss rein, ebenso wie den Freistoßtreffer zur Erleichterung in der 87. Minute am letzten Spieltag zum 1:0-Sieg gegen Schwaz. Jeder ungünstige Moment bis dahin hätte unseren Traum platzen lassen können – denn der SC Imst blieb bis zuletzt dran und bescherte uns eine nervenzerreißende Saison voller Erlebnisse und Emotionen, aber ohne jede Atempause. Zehn Jahre nach der ersten darf sich die Austria jetzt auf ihre zweite Zweitligaspielzeit freuen und auf eine neue Chance, sich als Bundesligist zu etablieren.

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