4:4 – Wechselbad statt Fußballkunst in Thalgau

Das Badewetter der letzten Tage hat es nicht bis zum Wochenende geschafft, geöffnet hatte am Samstagnachmittag in Thalgau lediglich das Wechselbad der Gefühle – nach fast zwei Stunden Hochbetrieb stand ein Remis, das keinen glücklich machte.

Die Thalgauer wussten, dass sie dringend Punkte brauchen, damit ihnen nicht bald das Wasser bis zum Halse steht. So traten die Gastgeber auch auf. Die Flachgauer legten los, dass selbst die zahlreich vertretene Feuerwehr am Platz nur so staunte. Bereits in der 8. Minute belohnten sie sich durch Mrkonjic für ihren initiativen Start. Es dauerte weitere acht Minuten, bis ein druckvoll erzwungenes Eigentor von Grubinger den violetten Fehlstart wettmachte. Doch mit einem Grubinger kommt man so schnell nicht aus dem Takt, das weiß man in Thalgau. Schon drei Minuten später stellte Vasic die Führung der Hausherren wieder her, ehe selbiger in der 34. Minute mit einem satten Schuss auf 3:1 erhöhte. Ein schmeichelhafter Handelfmeter in der 39. Minute verhalf der Austria zum Anschlusstreffer, Nico Mayer wuchtete die Kugel rein. Quasi mit dem Pausenpfiff tauchte plötzlich Lazarevic völlig alleine vor dem Thalgauer Tormann auf, die riesen Ausgleichschance wurde aber ausgelassen – der Ball ging knapp neben das Tor und so brachten die Gäste ihre verdiente Führung in die Kabine.

Das Wechselbad der Gefühle hatte jetzt mal 15 Minuten Pause, doch auch da ging’s abwechslungsreich zu, an den Zapfhähnen nämlich: Ein Bier für 2,50 Euro da, postwendend geht’s auf die andere Seite, Prost für 3,50 Euro. Zum nicht ganz unerheblichen Topspiel-Zuschlag stellten die Blau-Weißen also auch eine Zweiklassengesellschaft unter dem Reinheitsgebot auf die Beine – größtes Unverständnis dafür, Solidarität in der Fußballfamilie sieht anders aus.

Nach Seitenwechsel: Wetter stabil, Austria labil

Die Austria musste die gesamte zweite Halbzeit lang ihren Ansprüchen hinterherrennen. Was ohnehin mühsam ist, wurde bald noch zäher und allmählich fast aussichtslos – der Reihe nach: Fünf Minuten nach Wiederbeginn hinderte ein Austrianer die Thalgauer erfolgreich am schnellen Abspiel eines Freistoßes an der Mittellinie, doch weil die Außenverteidigung auch zehn Sekunden später noch auf Tauchstation war, kam der Ball dennoch zu Mrkonjic, der gedanklich schneller als unsere Abwehr war und die Aktion technisch sehenswert mit dem 4:2 krönte. Zwischenfazit: Thalgau bärenstark, aber auch gnadenlos effizient. Letzteres änderte sich von nun an. Die Austria rannte ziemlich aussichtslos an, konnte ihrerseits kaum nennenswerte Torchancen kreieren und blieb hinten weiterhin sehr anfällig. Thalgau fand gleich mehrere echte „Sitzer“ vor, verpasste aber das längst fällige 5:2. War’s das mit dem Wechselbad? Hat die Austria etwa nicht verstanden, dass es sich nicht auf der Liegewiese in die Eliteliga aufsteigt, sondern vielmehr im Sportbecken? Mit Neumarkt hatte ja einer der Konkurrenten bereits am Freitag gewonnen, auf Kuchl blicken wir ohnehin nur noch vom 4-Punkte-Brett hinunter – geht’s so weiter, dann droht bald ein Abrutschen, das keinem Spaß machen kann.

Nach dem wechselhaften Aprilwetter vor der Pause hat sich in der zweiten Halbzeit die Sonne über Thalgau durchgesetzt, daran sollte sich nichts mehr ändern. Wird doch nicht das Wechselbad schließen und uns punktelos zurücklassen? Wohl wissend, welche Fußballweisheit sich um vergebene Chancen dreht, hätte wohl kaum mehr jemand damit gerechnet, dass sich noch zwei violette Oberlehrer finden, die diese den Gastgebern vortragen würden. Aber „wer die Tore vorne nicht macht“, meinte Professor Nico Mayer in der 90. Minute ausgedrückt durch einen präzisen Verzweiflungsschuss ins rechte Eck, „der bekommt sie eben hinten selbst“, ergänzte ein zuvor meist glückloser Melvis Memic in Minute 94, als er den Ball zum nicht mehr für möglich gehaltenen und – ganz ehrlich – nicht vollends verdienten Ausgleich über die Linie drückte.

So wurde es zwar nichts mit den angepeilten drei Punkten, weit und breit keine Fußballkunst in Thalgau, aber das 2-Stunden-Ticket mit Preisaufschlag für attraktive Gäste im Wechselbad der Gefühle war den Besuch allemal wert. Wenn sich bei einem Remis angesichts der Ausgangssituation am Ende gar der Underdog mehr über zwei verlorene Punkte ärgern muss als der klare Favorit, dann ist eigentlich schon alles dazu gesagt, wie kurios es in diesem Spiel zugegangen ist.

Immerhin konnte uns der nächste Verfolger unterdessen nicht näher rücken, die Partie Kuchl gegen Zell am See endete torlos. Klare Heimsiege gab es für Neumarkt, die Hallein mit einer 6:0-Packung nach Hause schickten und Bürmoos – unser nächster Gegner fertigte Adnet mit 3:0 ab. Eugendorf kam gegen Golling über ein 1:1-Remis nicht hinaus.

Hier noch die weiteren Ergebnisse dieser 23. Runde der Salzburger Liga:

  • Puch – Altenmarkt 2:2
  • SAK – Strobl 1:0
  • Bramberg – Straßwalchen 2:1

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