Kein Abschied aus dem großen violett-weißen Schatten

Was für ein Heim-Abschluss, den die turbulenten “Zehnerjahre” am Samstag in Maxglan finden! Das echte Salzburger Derby zwischen dem bedeutendsten und dem ältesten Fußballverein dieser Stadt bringt pure Lebensfreude in den November. Violett-Weiß gegen Blau-Gelb zur besten Anstoßzeit, das sollten wir am Allerseelentag ganz bewusst genießen – denn wer weiß denn schon, wann wir uns wiedersehen?

Grödig muckte mal in den Profifußball auf vor einigen Jahren, und auch uns hat unser erster Sturmlauf ins die Bundesliga leider unsanft abgeworfen. Ein Jahrzehnt der Profi-Lust und anschließenden Ernüchterung liegt hinter uns, und wir haben es nicht exklusiv. Dort wie da ist vorerst mal Konsolidierung angesagt, bei der Austria gelingt das prächtig – derweil noch besser auf dem Weg der finanziellen Gesundung, aber sportlich wurde ja unterdessen auch schon wieder aufgestiegen. Der Weg der kleinen Schritte, mühsam, aber am Ende sicher lohnend und auf alle Fälle seriös. Just da schickt sich jetzt noch einer an, nach Höherem zu streben: Ausgerechnet der SAK, stets im Schatten der Austria, möchte jetzt vorpreschen und unsere aktuell noch gemeinsame Sphäre hinter sich lassen.

Forget the “Past”

So irreal das für den gelernten Austrianer anmuten mag, der SAK hat faktische Fürsprecher. Solche, die auch die Austria-Datenbank nicht leugnen kann. Florian Past, begnadeter Statistiker und Herr über die Zahlen, Daten und Fakten der Austria, liefert uns im Vorfeld der Spiele immer interessante Auszüge der violetten Bilanz hinsichtlich des kommenden Gegners. Da ist es schon einmal etwas recht seltenes, es mit einer negativen Bilanz zu tun zu haben. Nur drei der elf Spiele gegen den SAK seit Wiedergründung konnten gewonnen werden, fünf Derbys gingen verloren. Ein einziger Punkt aus vier Spielen steht in Maxglan zu Buche. Darüber hinaus ist es vor allem respekteinflößend, sich das Zahlenwerk des SAK der letzten Monate zu Gemüte zu führen: Saisonübergreifend gewannen die Nonntaler 23 von 25 Spielen, dabei kommen auf jedes Gegentor vier geschossene, 100:25 heißt das dann in absoluten Zahlen.

Was den Wert der Statistik relativiert ist die Tatsache, dass an einem guten Tag immer davon ausgebrochen werden kann. Und dafür haben wir den besten Mutmacher auf unserer Seite: Eines dieser beiden Spiele inmitten der beeindruckenden SAK-Serie ist nämlich jenes Stadtderby, das die Austria Anfang April – auch damals schon als klarer Außenseiter – im Nonntal mit 1:0 gewinnen konnte. Die Mittel von damals sind bestimmt auch diesmal der Schlüssel zum Erfolg. Es war ein richtiger Mentalitätssieg, den Resul Omerovic mit seinem Goldtor in der ersten Halbzeit auf den Weg brachte.

SAK-Schattendasein bestätigen

Ja, die Zahlen sind imposant und sprechen derzeit für den SAK. Doch diese können niemals ausdrücken, wie es um die Gefühlslage der Salzburger Fußballherzen steht. In diesen fristet unser zeitweiliger Stadtrivale über die Jahrzehnte stets ein Schattendasein, vergnüglich anzusehen etwa auf der DVD zu unserer Vereinsgeschichte, erschienen 2008 zum 75-Jahr-Jubiläum. Und wie viele Stolpersteine es der Austria auch immer wieder in den Weg hagelte, wie zappenduster unsere Situation auch immer wieder war, wie günstig die Zeichen für die Nonntaler in Relation dazu auch schon standen: nie entkam der SAK aus dem Schatten des Salzburger Fußball-Leuchtturms Austria.

Derzeit versuchen sie es also mal wieder, mit Feuereifer, gewissen Mitteln und kompromissloser Härte, wie der unlängst geschasste Erfolgstrainer Andreas Fötschl erfahren musste, der zunächst für den heute agierenden Interimstrainer Roman Wallner und auf Sicht für Thomas Hofer Platz machen musste. Kuriosum: “Kontinuität” solle seine Mission sein, ließ man beim SAK verlauten. Die Katze beißt sich in den Schwanz, der Ex-Trainer fragt sich wohl, weshalb er dafür unter die Räder kommen musste und aufmerksame Liga-Beobachter stellen fest, dass der Fußballzirkus sowohl ganz unten als auch ganz oben in der Tabelle ein total verrückter sein kann. In diesem Stil wird sich gemeinsam mit dem FC Pinzgau der West-Krösus ausgerittert. Auf dieser Mission sind die Nonntaler gut unterwegs, nach dem 1:0-Sieg in Saalfelden hat man sich vom zweiten “Über-Team” bereits zehn Punkte abgesetzt.

Auf (k)ein Wiedersehen?

Sportlich ist der SAK derzeit so stark, dass wir nicht wissen, wann wir uns wieder sehen. Im Frühjahr bestimmt nicht, darüber hinaus: alles Spekulation. Sportlich nach dem Optimum zu streben heißt für die Austria nicht, jedes Wettrüsten mitmachen zu können – oder zu wollen. In diesem Fall – wie passend zu Allerseelen – müssen wir die Wiedersehensfrage offen lassen. Da tut es doch gut zu wissen: Wie lange oder wie weit auch immer der SAK uns sportlich ausbüxt, der große Schatten unserer Austria wird sich über alles legen, was Blau-Gelb derweil unternimmt. Denn immer – schon vor den legendären Neunzigerjahren – gehörten Salzburgs Fußballherzen der Austria. Nicht immer konnte man so ganz genau sagen warum, vieles ist Mythos. Die letzten Wochen haben aber wieder einmal Anhaltspunkte geliefert, weshalb Herz und Seele für dieses Spiel in Salzburg bei uns besser aufgehoben sind als anderswo.

Seit über elf Jahren bestens bei der Austria aufgehoben ist Nico Mayer. Wegen einer Gelbsperre verpasst er am Samstag erstmals ein Derby gegen den SAK. Ebenfalls verzichten muss Trainer Christian Schaider auf den angeschlagenen Marinko Sorda.

Was immer auch passiert in den 90 Minuten: Jeder Zuseher wird seiner Vorahnung bestätigt oder aufs Neue überzeugt werden, dass echter Fußball in Salzburg nur über unsere Farben geht. Trotzdem: Begnügen wir uns nicht mit unserem gemeinhin bekannten Status, der geilere Klub zu sein, sondern schrauben wir ein wenig am Zahlenwerk und lassen wir’s den SAK auch ganz kurzfristig und direkt wissen: Die Nummer eins der Stadt sind wir!

17. Runde Regionalliga Salzburg
SV Austria Salzburg – SAK1914

Samstag, 15;30 Uhr, Max Aicher Stadion
SR: Mario Weghofer, Christoph Rosian, Besim Balaj;

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